Mal gucken, wer noch hier ist

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Es gibt viele Arten, sich zu verkleiden. Die samtweiche zum Beispiel, die dunkle und natürlich die bissig-bunte. So oder so zeigte sich der Bieberer Markt auf Augenhöhe mit Leistungsschauen andernorts. Tausende ließen sich zum vergnüglichen Bummel locken.

Bieber ‐ Elegant schreitet Katja den Catwalk ab, dreht sich einmal um die eigene Achse und schenkt dem Publikum einen koketten Blick. Das Model präsentiert ein cremefarbenes Nachthemd mit schwarzen Punkten. Von Denis Düttmann

Bei der Modenschau des Bekleidungsgeschäfts Zwicklbauer bildet sich rund um den Laufsteg auf der Aschaffenburger Straße schnell eine Menschentraube. Die Moderatorin schwärmt vom hohen Tragekomfort der Wäsche, der hochwertigen Verarbeitung und, versteht sich ja auch von selbst, dem tollen Design: „Eigentlich viel zu chic fürs Bett.“

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Viele Besucher bei Bieberer Markt

Einzelhandel, Handwerk und Vereine ließen am Sonntag auf dem Bieberer Markt die Muskeln spielen und stellten an rund 100 Ständen sich und ihre Produkte oder Dienstleistungen vor. Autohäuser und Lebensmittelläden, Banken und Optiker, Fahrschulen und Fitnessstudios präsentierten sich auf der Hauptstraße. Die Friseurinnen von Dileks Haar-Idee zauberten den Kundinnen an ihrem Stand verspielte Locken oder elegante Hochsteck-Frisuren auf die Köpfe, die Barkeeper aus dem Supermarkt schenkten Fruchtcocktails aus und die Mitarbeiter der Sparkasse luden zum virtuellen Torschuss.

Überhaupt hatte König Fußball die Festmeile bereits Stunden vor dem ersten Weltmeisterschaftsspiel der deutschen Mannschaft in Südafrika fest im Griff. Bei der Volksbank galt es, sich beim Rodeo möglichst lang auf einem riesigen Fußball zu halten, an jedem zweiten Stand spielten Kinder und Erwachsene am Tischkicker und hier und da war eine der unvermeidlichen Vuvuzela-Tröten zu hören.

Kinder drängen sich vor dem Playmobilhaus

„Wir haben eine Fahrradtour gemacht und essen jetzt hier etwas“, sagt Elke Miegel. „Auf dem Markt sieht man mal, wie viele Geschäfte es in Bieber noch gibt.“ Auch ihr Mann Peter ist von der Leistungsschau des lokalen Gewerbes eher angetan: „Ich finde es gut, dass wir noch viele Geschäfte hier im Stadtteil haben und nicht alle in die Innenstadt oder auf die grüne Wiese ziehen.“

Am Stand der Freiwilligen Feuerwehr drängen sich die Kinder vor einem Playmobilhaus: In der Küche im Erdgeschoss ist Feuer ausgebrochen, langsam zieht der Rauch in die oberen Stockwerke. „Wir zeigen anhand des Modells, wie der Rauch sich verhält“, erklärt Alexander Habicht von der Offenbacher Berufsfeuerwehr. „Die Kinder sollen lernen, dass Rauch immer nach oben zieht und sie im Falle eines Brands möglichst alle Türen schließen sollten.“ Der Feuerwehrmann hat oft mit Kindern zu tun, als Brandschutzerzieher besucht er regelmäßig Kindergärten und Grundschulen. „Ich zeige ihnen, wie man sicher ein Streichholz anmacht und eine Kerze auspustet, wir üben das Absetzen eines Notrufs und die Schüler können mal eine Fluchthaube anprobieren“, erklärt Habicht.

Von Nachtwäsche zu Oberbekleidung

Auf dem Bieberer Markt sieht er viele bekannte Gesichter, immer wieder besuchen Kinder seinen Stand, die bereits bei Habicht in der Brandschutzerziehung waren. „Außerdem kommen hin und wieder Lehrer und Erzieher und informieren sich über unser Angebot.“

Auf dem Laufsteg haben sich die Models von der Nachtwäsche zur Oberbekleidung hochgearbeitet. „Eine wunderschöne Bluse in kräftigen Sommerfarben“, kündigt die Moderatorin an. Darauf folgt: „Ein hochwertiger Blazer fürs Büro oder zum Ausgehen.“ Das Publikum nimmt jedes Teil kritisch in Augenschein, kommentiert mit Nicken oder Kopfschütteln. „Ich könnte auch mal wieder was für den Sommer gebrauchen“, überlegt eine Frau am Ende des Laufstegs. Eine neue Kundin dürfte Zwicklbauer schon gewonnen haben.

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