Auslandsreferentin beim Deutschen Sportbund

Ein Herz von Prinz Philip

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Die Erinnerungsstücke an ihr bewegtes Berufsleben hat Gudrun Ohde sorgfältig aufgehoben. In der Mitte des Tisches das blaue Porzellanherz, das ihr Prinz Philip anlässlich seines Deutschlandbesuchs im März 1979 geschenkt hat, daneben weitere Gastgeschenke und Anstecker. In den Ordern finden sich sämtliche Schriftstücke.

Offenbach - Ob royale Gäste wie Prinz Philip oder namhafte Sportfunktionäre aus aller Welt: Die Offenbacherin Gudrun Ohde hat als Auslandsreferentin beim Deutschen Sportbund Besuche von Promis organisiert. Und ist dabei so manchem hohen Tier begegnet. Von Veronika Schade 

Mit dem jüngsten Besuch der Queen kamen viele Erinnerungen: Wie es ist, ein solches Ereignis zu organisieren. Vom Aufwand macht die breite Öffentlichkeit sich keine Vorstellung. Gudrun Ohde kann es umso besser. War es doch vier Jahrzehnte lang ihr Beruf, Visiten prominenter Gäste aus Sport und Gesellschaft zu organisieren und sie zu betreuen. Dass es so kam, ist Zufall. Nach ihrem Abitur an der Albert-Schweitzer-Schule 1969 macht sie an der Sprachschule Inlingua in Frankfurt eine Ausbildung zur Wirtschaftsdolmetscherin für Englisch und Französisch. Die Stellenanzeige, die ihr Leben nachhaltig prägt, findet sie kurz darauf in unserer Zeitung: „Der Deutsche Sportbund (DSB) suchte Referenten für die Abteilung für Internationale Aufgaben. Es war die erste Bewerbung meines Lebens – und gleich eine Zusage.“

Schon kurz darauf wittert die 22-Jährige den Duft der Welt. Ihr erster Einsatz führt sie zu den Olympischen Spielen nach München. „Es waren heitere Spiele – bis zu dem Attentat. Zum Glück war ich zu dem Zeitpunkt nicht mehr dort“, erinnert sie sich. Ihre Aufgabe ist die Betreuung von Delegationen aus verschiedenen Ländern, als Übersetzerin und in organisatorischen Dingen. Dem DSB bleibt Ohde nach Olympia erhalten. Gern erinnert sie sich an eine Konferenz mit dem Astronauten James Arthur Lovell, der als Fitnessberater des damaligen US-Präsidenten Deutschland besucht. Es war die Hoch-Zeit der Trimm- und Fitnessbewegung. Der „Trimmvater der Nation“ Jürgen Palm ist ebenfalls da – eine Persönlichkeit, die sie immer wieder trifft. Ohdes Entwicklung prägt ihr Vorgesetzter Otto-Isao Solf. „Er brachte mir alles bei: Wie mache ich ein Protokoll, wer sitzt neben wem... Er war mein Chef und Kumpel. Wir bildeten ein Super-Team.“ Eins habe sie dank seiner Hilfe gelernt: „Die Angst vor hohen Tieren abzulegen.“

Ihren prominentesten Gast empfängt die Offenbacherin im März 1979. Es ist Prinz Philip, Ehemann der britischen Königin Elisabeth, der als Präsident des britischen Sportbunds CCPR anreist. Ihn begleiten englische Funktionäre, die auf ihre deutschen Pendants treffen. „Das erfordert wochenlange Planung bis ins kleinste Detail“, weiß Ohde. Eine Hotelsuite für den Prinzen mit Leibwächtern und Kammerdienern zu finden, die allen Anforderungen an Sicherheit und Komfort entspricht, erwies sich als nicht einfach. „Schließlich fanden wir eine Suite im Airport-Hotel. Die wurde eigens für ihn frisch gestrichen.“ Gästelisten besprechen, Menü klären, Gastgeschenk auswählen, sich mit der Polizei absprechen – all das zählt zu den Aufgaben der Auslandsreferentin anlässlich des Prinzenbesuchs. Den royalen Gast selbst trifft sie kurz und streng nach Protokoll. „Er überreichte mir ein Gastgeschenk, blaues britisches Wedgwood-Porzellan“, berichtet sie und zeigt lächelnd das herzförmige Erinnerungsstück. Vorher bekam sie eine genaue Anleitung, wie sie sich zu verhalten und ihn anzusprechen habe.

Zu Hause oder unterwegs: Sprachen pauken für den Urlaub

„Ganz anders war dagegen Prinz Bertil von Schweden“, erinnert sich die zierliche Frau. Überhaupt habe sie mit Skandinaviern stets gute Erfahrungen gemacht. „Sie sind sehr unkompliziert und angenehm.“ Es gebe Länder, bei denen es wegen Sonderwünschen immer schwierig sei. „Welche das sind, sage ich aber nicht“, schmunzelt sie. Durch ihren Beruf ist Ohde ständig auf Achse. Vor allem in Deutschland, wo Besuche ausländischer Botschaften ihr spannende Einblicke bescheren, aber auch im Ausland – unter anderem bei den Olympischen Spielen in Seoul 1988. „Ein unstetes Leben“, sagt sie rückblickend.

Deshalb beschließt sie nach 15 intensiven DSB-Jahren, etwas kürzer zu treten. Sie arbeitet fortan fürs Nationale Olympische Komitee (NOK) unter Präsident Walther Tröger, verbringt mehr Zeit am Schreibtisch. Und sie übernimmt juristische Übersetzungen – unter anderem den Medical Code des IOC, das Regelwerk zur Bestrafung von Dopingverstößen. Wer so viel mit Sportlern zu tun hat, ist selbst kein Couchpotato: Ohde spielte viele Jahre Tennis, wann immer es die Zeit zuließ. Heute, mit fast 65 Jahren, ist neben dem Töpfern von Keramik-Figuren der Garten ihr Hobby. „Wenn es geht, bin ich dort von morgens bis abends“, sagt die Offenbacherin, die ihrer Heimatstadt stets treu geblieben ist. Und falls das Wetter sie nach drinnen zwingt, schwelgt sie gern in Erinnerungen: Alle Geschenke, Einladungskarten, Schreiben und Ähnliches aus ihren Berufjahren hat sie aufgehoben und mit dem Renteneintritt in Ordnern sortiert. Da ist ein bewegtes Leben auf vielen Seiten dokumentiert.

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