Gute Aussichten für Offenbach

Frankfurt ‐ Der hessische Arbeitsmarkt ist gut durch die internationale Wirtschaftskrise gekommen. Diese Einschätzung vertrat Frank Martin, Leiter der Regionaldirektion Hessen der Bundesagentur für Arbeit, gestern in Frankfurt. Von Marc Kuhn

Während für die Mehrheit der 13 Agenturbezirke in Hessen ein geringes Beschäftigungsrisiko bestehe, würden für Offenbach und Wetzlar anhaltende Probleme vorausgesagt, berichtete er aus den Ergebnissen des Arbeitsmarktmonitors für das Bundesland. Allerdings würden die Zahlen mittel- bis langfristig für eine positive Entwicklung der hiesigen Region sprechen. Im Vergleich mit allen hessischen Bezirken weist die Untersuchung auch für Hanau ein höheres Beschäftigungsrisiko aus.

„Hessen hat einen auffälligen Branchenmix“, erklärte Martin. Der Anteil der Arbeitsplätze im Verarbeitenden Gewerbe sei geringer als auf Bundesebene. Umgekehrt gebe es in Hessen mehr Jobs in der Finanz- und Versicherungsbranche. Das Land habe „davon profitiert, dass es im Verarbeitenden Gewerbe unterdurchschnittlich aufgestellt ist“. Dort sei der Arbeitsplatzabbau in der Krise stärker ausgefallen als im Finanzwesen. In Hessen bestehe ein unterdurchschnittliches Risiko für Jobabbau, berichtete Martin zum Arbeitsmarktmonitor, der unter anderem auch volkswirtschaftliche Daten wie Auftragseingänge und Exportquoten einbezieht. Die Branchenverteilung und Strukturindikatoren wie Beschäftigungsquote, Jugend-Alter-Relation und die Bevölkerungsentwicklung würden die Wachstumschancen der Regionen stark beeinflussen.

Zuwachs an jungen Menschen in Stadt und Kreis

In Offenbach habe es in den vergangenen zwei Jahren einen starken Abbau von Stellen gegeben, erläuterte Martin. Die Zahl der Erwerbslosen ist im Juni im Vergleich zum Vorjahr um 4,3 Prozent gestiegen, während sie in Hessen um sieben Prozent gesunken ist. Im gleichen Zeitraum sei die Arbeitslosigkeit beispielsweise in Frankfurt um 3,3 Prozent zurückgegangen, in Bad Hersfeld um 16,2 und in Gießen um 7,8 Prozent, sagte Martin. Nach seiner Einschätzung sprechen verschiedene Strukturindikatoren aber für eine künftig gute Entwicklung in Offenbach. So würden mehr jüngere Menschen in Stadt und Kreis ziehen als sie verlassen. „Die Region wächst insgesamt.“ Der Anteil der höherqualifizierten Arbeitnehmer liegt bei 9,6 Prozent, in Hessen bei 11,9 und in Frankfurt bei 18 Prozent. Die Bevölkerungsentwicklung ist in Offenbach mit 0,6 Prozent positiv, während sie in Hessen leicht negativ ist. Die Beschäftigungsquote für Frauen erreicht in der Region über 47 Prozent, in Hessen liegt sie bei 46,5 Prozent, in Frankfurt bei 49,2 Prozent, in Bad Hersfeld bei 43,6 und in Gießen bei 45,3 Prozent. Martin sagte über Offenbach: „Die Ausgangsposition ist nicht schlecht für die Ansiedlung von Unternehmen.“

Probleme in Nordhessen erwartet

Dagegen kommen auf den Arbeitsmarkt in Nordhessen erhebliche Probleme zu, wie Martin erklärte. Besonders die Regionen Korbach und Bad Hersfeld drohen den Anschluss zu verlieren und die Schlusslichter Hessens zu werden. Demnach ist die Entwicklung am Arbeitsmarkt im Norden aktuell zwar positiv - auf lange Sicht wird die Gegend der Vorhersage zufolge aber zu den Verlierern zählen. Gründe sind Trends wie etwa der Wegzug junger Menschen und gut ausgebildeter Arbeitnehmer.

Martin spricht von einem Konkurrenzkampf der Regionen in Hessen. Kreise und Kommunen würden sich bereits heute in einem Wettbewerb um Betriebe und Arbeitsplätze befinden. Sie müssten aber auch Fachkräften, Jüngeren und Familien Perspektiven bieten, um sie halten zu können.

Rubriklistenbild: © dpa

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