Gute Filme in der Hauptrolle

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Daniel Brettschneider ist der Macher des Hafenkinos, das seine erste erfolgreiche Saison gerade hinter sich hat. Im Februar geht’s weiter.

Offenbach ‐ Es gibt ein Leben jenseits von Multiplex. Hafen 2, Ledermuseum, Große Marktstraße - gleich an mehreren Stellen tüfteln Kreative an der Wiederbelebung Offenbacher Kinokultur, ein regelrechtes Filmfieber macht sich breit. Von Katharina Skalli

Noch vage sind Pläne, in denen ein altes Schmuckstück städtischer Filmgeschichte wieder eine Rolle spielen könnte: Gerhart Müller träumt davon, dem Gloria-Kinocenter an der Großen Marktstraße den Staub von den Polsterbänken zu wischen. Das Foyer ist vermietet, doch die Säle stehen leer.

Um den Offenbacher hat sich eine kleine Gruppe engagierter Kulturschaffender gebildet, die nun ein Konzept erarbeiten, wie man die vorhandenen Räume am besten nutzen kann. Filmvorführungen sind nur eine Option. Geplant sind vor allem Konzerte und Theaterprojekte. „Der Raum ist für Konzerte prädestiniert“, so Gerhart Müller. Erste Gespräche mit dem Makler haben stattgefunden. Weil das Projekt auf Sponsoren angewiesen ist, ist die Gruppe noch auf der Suche nach Investoren und Menschen mit guten Ideen (Kontakt: Gerhart Müller, z 0178-1686802).

Im Hafen 2 ist man schon viel weiter. Die erste Saison des Hafenkinos ist vorbei, das Programm der zweiten Runde steht bereits. Der Mann hinter dem Projekt, das seit Oktober jeden Freitag die Cineasten aus Stadt und Kreis an den Main lockt, ist Daniel Brettschneider. Jeden Film hat der 30-Jährige sorgfältig ausgewählt.

Sehr persönliche Film-Auswahl

Nun ist Winterpause. Erst im Februar wird das Areal unter dem Hafenkran wieder zum Programmkino. Aber was laufen soll, steht schon fest. Brettschneiders Auswahl ist in der zweiten Saison ein wenig mutiger. Außer bekannten Filmen wie „Taxi Driver“ und „Reservoir Dogs“ zeigt das Hafenkino auch weniger bekannte wie „Wonder Boys“ und „Waltz with Bashir“. Der Kino-Macher geht damit auch ein Risiko ein. Noch muss sich das ehrgeizige Projekt etablieren. Auch wenn Offenbach lange auf ein Programmkino warten musste und die Resonanz durchweg positiv ist. Sogar aus Frankfurt verirren sich die Besucher ins Nordend.

Was die Betreiber an 13 Abenden in der alten Halle zeigen, ist eine sehr persönliche Auswahl. Viele Werke sind Lieblingsstreifen des Offenbachers, dessen Leidenschaft für den Film ihren Anfang nahm, als man in der Innenstadt noch die Wahl zwischen drei verschiedenen Kinos hatte und 3D noch ein Begriff aus Science-Fiction-Serien war. Heute stehen in den ehemaligen Kino-Foyers des Broadway- und des Gloria-Theaters Drehständer mit Billig-Klamotten und die Kassenbänder großer Discount-Ketten. Der süße Duft von Popcorn ist verflogen.

Doch Daniel Brettschneider kann sich noch gut daran erinnern, wie alles begann. Filme mochte er schon immer und als er dann an der Albert-Schweitzer-Schule einen Filmkursus bei Kunstlehrer Hansjörg Rindsberg besuchte, „hat es klick gemacht“, sagt der Pädagoge.

„Uns geht es nicht darum, Geld zu verdienen“

Seine Diplomarbeit hat Brettschneider über die pädagogische Qualität von Filmvermittlung geschrieben. Zurzeit sitzt er an seiner Dissertation. Hoch wissenschaftlich sind die Filme, die er für das Hafenkino auswählt, jedoch nicht. Sie sollen die Besucher unterhalten. Allerdings auf eine gute Art und Weise. Er weiß, dass das Projekt nicht mit den großen Kinohäusern konkurrieren kann. Aber es soll eine Alternative bieten, die getragen wird von den Details. Dem Cineasten ist es wichtig, dass die Gäste höflich empfangen werden und sich wohl fühlen. Er achtet darauf, dass die Musik, die vor der Vorstellung läuft, zum Film passt und dass so eine einzigartige Atmosphäre entsteht. Werbung gibt es keine. Dafür erklärt der Experte in einer kurzen Ansprache vor Vorstellungsbeginn, warum er gerade diesen Film ausgewählt hat. Meistens sind es Filme, die es schon längst auf DVD gibt, die eigentlich jedoch auf die Leinwand gehören.

Den größten Unterschied zwischen dem Hafenkino und den großen Lichtspielhäusern sieht Brettschneider allerdings in der Haltung, die er und seine Kollegen vom Verein Süßwasser zu den Streifen haben. „Uns geht es nicht darum, Geld zu verdienen“, erklärt er. „Wir wollen gute Filme zeigen.“ Mittlerweile sehen die Kulturschaffenden ihr Kino auch als Auftrag und öffnen ab Ende Februar die Stahltüren auch für Kinder. An vier Terminen zeigt Brettschneider dann Filme wie „Ronja Räubertochter“ oder „Chihiros Reise ins Zauberland“. Bei der Auswahl hat er versucht, sich daran zu erinnern, welche Inhalte ihn als Kind bewegt haben.

Stadt begrüßt das Engagement

Neu im Programm ist die „Hafen-Sneak“ - Überraschungsvorstellungen, in der Brettschneider vergessene Schätze zurück auf die große Leinwand holt. Bis zum Sommer wird dann gespielt. Im Juli und August lockt die Freiluft-Saison zum Gucken auf die Wiese. Und auch wenn die Bebauung des Areals beginnt und die Hafenmacher ihr Domizil verlassen müssen, soll das Kino erhalten bleiben.

Während sich das Hafenkino weiterentwickelt, schmiedet man im Ledermuseum an dem Plan, den bestehenden Veranstaltungssaal zu nutzen. Auch hier ist Brettschneider beteiligt. Miteinander konkurrieren wollen die Initiatoren jedoch nicht.

Die Stadt begrüßt das Engagement rund um den Film, das Forum für Kultur und Sport unterstützt das Projekt im Hafen. Mit einem unverhofften Geldregen rechnet Profi Brettschneider allerdings nicht.

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