Betrugsversuch

„Gute Freunde“ kann niemand kennen

+
Ist beispielsweise ein Trojaner auf dem Rechner, hat dieser das E-Mail- Passwort schnell abgegriffen.

Offenbach - Internet und E-Mail bringen nicht nur Informationen und Spaß, sondern bergen auch Gefahren. Eine Binse, die leider oft vergessen wird. Von Ralf Enders

Der Offenbacher Rentner Jakob Stemmler (Name von der Redaktion geändert) hat gestern am eigenen Leib, respektive Computer, erfahren, wie es sich anfühlt, Betrügern ausgeliefert zu sein.

„Ich wollte morgens den Rechner hochfahren, doch er hat mein Passwort überhaupt nicht angenommen“, erzählt Stemmler. Gleichzeitig riefen die ersten Freunde und Bekannten an und fragten, was das denn für eine komische E-Mail sei, die er ihnen da geschickt habe. Ein Dutzend Leute meldete sich bald. Die „komische E-Mail“ kam in der Tat von Jakob Stemmler - und doch wieder nicht. Denn unbekannte Gauner haben in der Nacht den E-Mail-Account des Rentners gehackt und komplett übernommen.

E-Mail-Account komplett übernommen

„Ich bin nach London, United Kingdom verreist und habe meine Tasche verloren samt Reispass und kreditkarte. Die Botschaft ist bereit, mich ohne meinen Pass fliegen zu lassen“, heißt es in der E-Mail, die offenbar jeder in Stemmlers Adressliste erhalten hat. Wie’s weitergeht, ist klar, auch wenn das Deutsch schlecht bleibt: Der vermeintliche gute Freund braucht Geld, um wieder nach Hause zu kommen, und damit mögen die Angeschriebenen doch bitte mal aushelfen. Wie erfahren sie per E-Mail.

„Hoffentlich fällt keiner drauf rein“, sagt Stemmler. Die Gefahr ist in diesem Fall gering, denn Stemmlers Freunde und Bekannte wissen zumindest, dass er gutes Deutsch schreibt. Doch die Betrugsversuche laufen nicht immer so ab: Wer auf solche E-Mails antwortet, landet nämlich nicht bei der bekannten Person, sondern bei Betrügern, die ja das elektronische Postfach übernommen haben. Im Namen des Opfers werden dann die Einzelheiten der Überweisung geklärt.

„Aktuell keine Welle“

In anderen Varianten bitten die Betrüger um einen Rückruf, etwa unter einer vermeintlichen Hotelzimmernummer oder unter einer Mobilfunknummer (die zu einem zuvor gestohlenen Handy gehört).

Henry Faltin, Sprecher der Offenbacher Polizei, ist immer wieder mit solchen Betrugsversuchen konfrontiert, auch wenn es seinen Angaben zufolge aktuell keine Welle gehackter E-Mail-Konten gebe. „Das ist Zufall, dass es jetzt einen Offenbacher getroffen hat“, sagt er. Die Täter suchten ihre Opfer freilich deutschlandweit aus. Gehackte E-Mail-Accounts oder soziale Netzwerke seien meist die „Lieferanten“ der Daten. Die Täter zu ermitteln ist schwer. Denn wie bei den meisten Betrugsfällen im Netz sitzen die im Ausland. Den Nutzern hierzulande bleibt nur Vorsicht und gesundes Misstrauen.

Die Tricks der Daten-Hacker

Die Tricks der Daten-Hacker

Auch ein anderer Offenbacher wurde gestern angeblich von Hackern heimgesucht. Der hessische FDP-Politiker und Offenbacher Fraktionsvorsitzende der Liberalen, Oliver Stirböck, hatte Anzeige erstattet, weil Unbekannte das partei-interne soziale Netzwerk „myfdp“ gehackt haben sollen.

Kommentare