Heinz Wagner

Seit über 30 Jahren in Werbebranche erfolgreich

+
Vollblut-Werber Heinz Wagner.

Offenbach - Der Vollblut- Werber Heinz Wagner ist seit Jahrzehnten erfolgreich am Markt tätig. Seine Offenbacher Kommunikationsagentur Wagneralliance bleibt mit starken Ideen auf Expansionskurs. Von Achim Lederle

Die zündende Idee ist in der Werbebranche das Wichtigste: Mitte der 80er Jahre zündete Heinz Wagner zum ersten Mal mit großem Erfolg seinen Ideen-Turbo. Das Kölner Einkaufszentrum „Bazaar de Cologne“ wollte das Weihnachtsgeschäft ankurbeln. Der studierte Kommunikationsdesigner Wagner, zu dieser Zeit als Creative Director in einer Agentur angestellt, beteiligte sich an der Ausschreibung und stach alle Konkurrenten aus.

Seine Idee war: In die Glaskuppel des Einkaufszentrums einen 20 Meter hohen geschmückten Weihnachtsbaum aufzuhängen – und das kopfüber. Die Aktion wurde mit Statikern und zwei Feuerwehrkranwagen realisiert und bekam so viel Presse, dass bereits am nächsten Morgen die Kunden Schlange standen. Der Wendepunkt für Wagner. „Der Baum steht Kopf, jetzt stellst du dein Leben auch auf den Kopf“, sagte sich der Vollblut-Kreative und gründete 1985 mit „Wagner und Compagnie“ in Frankfurt seine eigene Agentur. Seit 2000 heißt die Agentur Wagneralliance GmbH; seit 2007 sitzt Wagner in einem historischen Fabrikgebäude in der Offenbacher Ludwigstraße und blickt inzwischen auf über 30 erfolgreiche Jahre in der Werbebranche zurück. Heinz Wagner und Thomas Wegner leiten die Agentur, Wagner als Inhaber und Wegner als Co-Geschäftsführer.

Heinz Wagner ist einer der wenigen Werber, die über Jahrzehnte erfolgreich am Markt tätig sind. „Viele Kreative sind nach kurzer Zeit ausgelaugt“, weiß Wagner. Sein Rezept für den dauerhaften Erfolg ist das Vertrauen in die eigenen Ideen. „Ich habe den Eindruck, dass heute die Technik wichtiger ist als die Idee. Meiner Meinung nach ist es genau umgekehrt richtig: Die Idee sollte wegweisend sein, die Technik hilft nur, die Idee auszuführen.“ Technik könne jeder, Aufmerksamkeit werde damit wenig erregt. „Die Idee macht’s. Und: Frei nach William Bernbach: Nur wer auffällt, wird auch gesehen“, so Wagner. Er setzt auf Empathie, Emotion und Erfahrung, damals wie heute.

Es tauchen auch kritische Töne auf

Heute konzentriert sich die Wagneralliance GmbH auf Unternehmenskommunikation, vor allem auf Geschäftsberichte. Die Berichte sind immer mehr kreative Werke in Buchformat. „Wir überlegen uns ein Motto, sehen uns an, was im letzten Geschäftsjahr alles passiert ist, aber auch was man vor hat, denn eine der wichtigsten Komponenten eines Geschäftsberichts ist der Ausblick“, erläutert Heinz Wagner. Das Geschäftsmodell solle natürlich gegenüber Analysten, Investoren und Journalisten positiv dargestellt werden. Gleichwohl tauchten auch kritische Töne auf - wie zum Beispiel im sogenannten Risikobericht. Ein Geschäftsbericht entstehe in mehreren Stufen: Nach den ersten Briefings werde ein Thema erarbeitet, das über allem stehe: „Über das Motto leiten wir den roten Faden ab, der sich durch den ganzen Bericht zieht.“ Nun gehe es darum, die Zielgruppen zu überzeugen. Schlussendlich werde das Ganze noch vom Vorstand abgesegnet. „Zwar sind die Auflagen der Berichte zurückgegangen, aber wichtig ist es immer noch, etwas Greifbares in Händen zu halten“, berichtet der Werbe-Profi.

Für kreatives Corporate Reporting wurde das Agenturteam kürzlich beim Fox-Finance Wettbewerb 2015 gleich zweimal mit Gold und Silber ausgezeichnet. In Zukunft will seine Agentur mehr „New Business“- Felder beackern und den Bereich Finanzdienstleistungen ausbauen. Dazu seien auch Neueinstellungen geplant. Gesucht würden jetzt zwei Art Directors, die sich vor allem um die grafische Umsetzung der Ideen kümmern sollen.

Insgesamt hat Wagner seit Mitte der 1990er-Jahren über 200 Geschäftsberichte realisiert. Dieser Bereich bleibe ein Wachstumsfeld: „Die Beschäftigung ist natürlich saisonal. So habe ich zwar eine feste Mannschaft mit sechs Mitarbeitern, die aber bedarfsweise erweitert wird. Mit festen freien Mitarbeitern sind es zwölf Leute, dazu kommen bei Bedarf weitere aus einem kreativen Pool - vom Werbetexter bis zum Grafikdesigner. Die Berichtssaison ist immer eine sehr aufregende Zeit mit variablen Arbeitszeiten“, so Wagner.

Die Köpfe der Wirtschaft in Stadt und Kreis Offenbach

Geschäftsberichte machten etwa drei Viertel des Umsatzes aus, bei einem Viertel gehe es um Markenkommunikation. „Dabei haben wir auch unsere Erfahrungen: Zum Bespiel im Pharmabereich, in der Möbel- und Textilindustrie.“ Insgesamt nennt Wagner einen Netto-Honorarumsatz von fast vier Millionen Euro jährlich. Geschäftsberichte sind das „Brot-und Butter“-Geschäft. Die Kür sind Ideen für Marken, und die erfolgreichste wie plakativste Idee Wagners war die Werbung für den Sonnenschutz Ladival. Viele erinnern sich sicher noch an die gelbe Ente, die in der Sonne dahinschmilzt. „Wenn sie auch gerne in der Sonne baden, passen sie auf sich auf. Schützen sie sich mit Ladival!“ lautete der Slogan dazu. „Die Idee kam mir in der Badewanne Mitte der 90er-Jahre. Damals war viel vom Ozonloch die Rede, und ich habe versucht, die Gefahr für die Haut, die vom Ozonloch ausgeht, zu visualisieren. Dabei kam mir die Idee der leidenden Ente. Konsequenz: Der Umsatz des Ladival-Sonnenschutzes verzehnfachte sich innerhalb eines Jahres“, erzählt Wagner.

So ganz ohne Computertechnik wurde die Kampagne damals auf einer Karibikinsel realisiert: In einer großen Kiste voller Sand war ein Heizlüfter eingebaut, der über eine Fernbedienung eingeschaltet wurde und den Kunststoff der Ente schmelzen ließ. „Die Marke haben wir leider irgendwann verloren, die Kampagne lebt zumindest in den Köpfen weiter“, sagt Wagner.

An den Ruhestand denkt der Werbe-Veteran noch längst nicht; frei nach seinem Motto „Starke Ideen sind immer gefragt“.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare