Ernsthafte Motivation wichtiger als Datum

Gute Vorsätze: Mit kleinen Etappen zum Ziel

Offenbach – Der Jahreswechsel ist für viele Menschen keine Zeit wie jeder andere. Nach dem Motto „neues Jahr, neues Glück“ soll über Nacht alles anders werden. Dazu fassen viele die sogenannten guten Vorsätze. Von Martin Kuhn

Wenn das nicht klappt, der eine oder andere nach wenigen Tagen bereits wieder über Bord geworfen wurde, ist das kein Grund zu verzweifeln, sagen viele Experten.
Aber warum hält sich die Silvesternacht so nachhaltig als Termin für die guten Vorsätze? Für den Offenbacher Diplom-Psychologen Werner Gross ist es ein „künstlicher Termin; theoretisch könnte es auch der 5. April oder der 8. September sein“. Gleichwohl sei der 1. Januar ein markantes Datum und Gross bekundet: „Jedem Anfang wohnt schließlich ein gewisser Zauber inne.“

Viel entscheidender als ein festes Datum sind für den Experten allerdings zwei Sachen – ein realistisches Ziel und eine ernsthafte Motivation. „Ein ,Es wäre nett’ reicht da nicht aus.“ Der Fachmann nutzt ein sportliches Beispiel für die richtige Herangehensweise an das jeweilige Projekt: „Man kann es durchaus mit dem Bergsteigen vergleichen. Auch hier braucht es eine Vorbereitung.“

Konkret kann das bedeuten: kleine Schritte statt Hauruck-Aktionen. Oder kleine Tricks, die im Internet zu finden sind: Wer etwa weniger essen will, kann kleinere Teller benutzen, die mit weniger Essen voller aussehen. Bewegungsmuffel könnten etwas in Schwung kommen, wenn sie eine Station früher aus Bus oder U-Bahn aussteigen oder statt dem Aufzug einfach mal die Treppe nehmen. Gross rät zu kleinen Etappen, um einen langfristigen Erfolg zu erzielen: „Von 20 runter auf 16 Zigaretten am Tag. Das ist doch schon mal was...“

Für viele ist vielleicht heute, am zwölften Tag des noch jungen Jahres, Schluss mit den guten Vorsätzen. Wie vermeidet Mann oder Frau aber den frühen Frust? „Ein nicht unerheblicher Teil des Erfolges: „Schauen Sie, dass andere dabei sind, suchen Sie sich Verbündete.“ Das darf der geneigte Einzelkämpfer sich ruhig im großen Sport abschauen. Das „Wir“ zählt. Dabei gelte es aber, die sprichwörtliche Latte nicht zu hoch zu legen.

Wird diese nicht nur gerissen, sondern gar nicht erst erreicht, sei dies „ein Schlag ins Selbstwert-Kontor. So produziere ich immer wieder neue Niederlagen. Es braucht eben Zeit“, kehrt der Psychologe zu seiner ersten Aussage zurück: „Kleine Ziele, und es muss für mich ernsthaft sein...“

Um es anschaulich zu machen, zitiert der Offenbacher gern den amerikanischen Erzähler Mark Twain: „Eine Angewohnheit kann man nicht aus dem Fenster werfen. Man muss sie die Treppe hinunterprügeln, Stufe für Stufe.“ Dafür sei es hilfreich, sich einen „Leitstern“ zu suchen. Allerdings dürfe das zu keinem Wettbewerb oder gar Wettkampf mutieren. Werner Gross dröselt das auf: „Wenn man fragt: Wie schafft der das? Was ist sein Kniff? Dann hilft es.“ Vergleiche man aber nur ständig den Erfolg, etwa den Gewichtsverlust, quäle man sich selbst – und das führe zwangsläufig zu einer Bauchlandung.

Aufgeräumt ins neue Jahr: Tipps zum Entrümpeln und Ausmisten

Hilfreich sei auch eine Individualisierung der Vorsätze. Neben den „großen Drei“ bietet die moderne Konsumgesellschaft weitere Ziele, scheinen auch Vorsätze im Wandel begriffen zu sein. In einer Umfrage waren „Stress abbauen oder vermeiden“ und „mehr Zeit für Familie und Freunde“ die meistgenannten Ziele. 62 beziehungsweise 60 Prozent der vom Forsa-Institut im Auftrag der DAK-Gesundheit Befragten gaben sie an. Erst auf den folgenden Plätzen landeten „mehr bewegen und Sport“ (57 %), „gesünder ernähren“ (49 %) oder „abnehmen“ (42 %).

Jeder zweite Befragte zwischen 14 und 29 Jahren erklärte zudem, häufiger einmal auf Handy, Computer und Internet verzichten zu wollen. Das entspricht den Angaben zufolge einem Anstieg um 70 Prozent im Vergleich zur ersten entsprechenden Umfrage 2014.

Rubriklistenbild: © dpa

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