Guter Boden für die Szene

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Marmelade kann ja auch Kunst sein - was die inneren Werte betrifft und notfalls, indem die Verpackung besonders kunstvoll ausfällt.

Offenbach - Ob das Wetter wohl hält? Die Vorhersagen lassen die Kreativen auf Offenbachs diesjährigem Künstlermarkt mit allem rechnen. Auch Birgitt Möbus vom federführenden City-Management blickt mit gemischten Gefühlen zum Himmel. Von David Heisig

Der lacht mal hinab auf den Kunstbetrieb und mal droht er ihm mit gewittrigen Farben. Und schließlich nutzt eine Ausstellerin ihren direkten Draht zu einem, der keine Vorahnungen hat, sondern stabiles Datenmaterial: Ihr Mann arbeitet beim Deutschen Wetterdienst, informiert regelmäßig über die Lage an der Wolkenfront.

Aber die Sonne am Himmel beruhigt erst einmal; Organisatoren, Aussteller und Besucher konzentrieren sich aufs Wesentliche: Kunst und Kunsthandwerk. „Es gab die Idee, auf dem schönen Wilhelmsplatz einfach mal was mit Kunst zu machen“, erzählt Möbus von den Anfängen. Damals waren es 30 Stände, im nun achten Jahr präsentieren immerhin 74 Aussteller ihre Schätze. Es gibt Schmuck, Keramikarbeiten, Skulpturen, andere Kunstformen. Es ist auch Kitsch zu finden, aber der beherrscht das Bild nicht.

Am Stand des Kunstvereins Offenbach präsentiert der Engländer Geet Chorley mit Lichtinstallationen verbundene Metallskulpturen, es sind Objekte, in die man sich erst hineinschauen muss. Für Ulrike Djellouli-Della vom Verein ist es wichtig, Offenbacher für Kunst zu begeistern. „Offenbach ist der Punkt in Rhein-Main, wo die Kunst lebt“, meint sie. Dafür arbeite der Verein seit 2009 mit 50 Mitgliedern aus der Region. Dieser Markt sei ebenso wie die „Kunstansichten“ fruchtbarer Boden für eine alternative Szene.

Es klappt mit der Überzeugungsarbeit. Das Offenbacher Ehepaar Inge und Gerhard Seikel hat sich schon anstecken lassen. „Hier gibt es tolle Kunst“, meinen beide und schlendern über den Markt. Auch am Stand von Siegbert Huwe aus Römerberg bei Speyer kommen sie vorbei. Vor allem der Geruch von gemahlener Muskatnuss lockt. Der Pfälzer stellt Gewürzmühlen her und ist schon zum sechsten Mal dabei.

Impressionen vom Künstlermarkt

Künstlermarkt

Ein paar Meter weiter hat Gerlinde Capptuller aus Schöneck ihren Stand aufgeschlagen. Sie hat in Offenbach gewohnt, kehrt immer gerne mit ihren Schmuckstücken aus ofengeformtem Glas in die einstige Wirkungsstätte zurück. Beim sogenannten Fusing werden Glasscherben geschmolzen und in Brennvorgängen in Form gebracht. Resultat sind dann bunte Glasschalen und Gefäße. „Es ist immer ein wenig wie Weihnachten, wenn man sieht, was aus dem Ofen kommt“, erzählt die Künstlerin.

Gerd Sendelbach aus Aschaffenburg hat sich aufs Komische verlegt, präsentiert „Satire im Glas“. Aus Gips, Draht und Papier formt er skurrile, lustige, gerne auch mal anstößige Situationen in Einmachgläsern. Was 1995 mit einer Ausstellung begann, hat sich für den Rentner bis heute zum zeitaufwändigen Nebenerwerbshobby gemausert.

Christine Hartmann von der Offenbacher Schreibwerkstatt sorgt sich ein wenig um ihre Kunst, die Kalligraphie. „Es geht ein Kulturgut verloren“, beklagt sie. Immerhin sei Offenbach mit dem Klingspormuseum eine Hochburg der Schönschrift, der sich im Verein noch 25 Personen widmen. So kann sich am Stand jeder seinen Namen in feinen Linien präsentieren lassen.

Psychologische Ansätze in Formen greifbar zu machen hat sich hingegen Katharina Tebbenhoff auf die Fahnen geschrieben. Glückssteine, Zauberkugeln und Traumfänger kunstvoll gestaltet gibt es bei ihr zu begutachten. Was für den einen wie Hokuspokus wirkt, hat für spirituelle Menschen durchaus Bedeutung. Und auch die Jury, die die drei besten Kunstaussteller des Marktes prämiert, findet Gefallen an Tebbenhoffs Scolopax-Kunstwerkstatt. Platz 2 vergeben OB-Gattin Konstanze Schneider, der Leiter des Hauses der Stadtgeschichte Jürgen Eichenauer und Ladeninhaber Helmut Weismantel an die Bad Vilbelerin. Platz 3 holt Martina Urschek mit Glasschmuck. Das oberste Treppchen aber erobert Heike Hamann mit ihrem Laden „design.kleinundfein“, in dem sie Wohnideen rund ums Kind verwirklicht.

Auch Showeinlagen gibt es zur Genüge. Auf der Bühne zeigt die Tanzschule Tamarisk unter Leitung von Petra Kopp ihren Bauchtanz. Das Kinder- und Jugendtanztheater von Christel Lambrecht versprüht Elan. Und die Schule für „Mode.Grafik.Design“ präsentiert ihre neuen Kreationen bei einer Modenschau.

Finanziert worden ist der Markt von der Stadt und Sponsoren wie dem Gewerbeverein Treffpunkt Offenbach und dem lokalen Einzelhandel. Von den Gönnern kommen außerdem die Preise für die drei besten Kunstobjekte – Warengutscheine für Kaufhaus, Wäschegeschäft und Buchhandel.

Und dreimal auf Holz zu klopfen, hat am Ende auch geholfen. Regen und Donner kamen zwar, aber sie kamen spät. „Alle waren happy, dass das Wetter überhaupt so lange gehalten hat“, erzählt Birgitt Möbus am Abend.

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