Guter erster Eindruck zählt

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Petra Janitz erklärt den Schülern, worauf es beim Erstellen einer überzeugenden Bewerbungsmappe ankommt.

Offenbach - Gymnasiast Daniel möchte eine Lehre zum Industriekaufmann machen, Realschüler Philipp träumt von einer Ausbildung zum Mechatroniker und Hauptschul-Absolvent Marcel würde am liebsten als Lager-ist arbeiten. Von Denis Düttmann

So unterschiedlich die Abschlüsse und Berufswünsche der jungen Männer auch sein mögen – alle drei müssen sich demnächst einem anspruchsvollen Bewerbungsverfahren stellen. Um dort möglichst erfolgreich abzuschneiden, besuchten sie gestern gemeinsam mit zwölf weiteren Schülern das Seminar „Business Knigge für Jungs“ im Berufsinformationszentrum (BiZ).

Die Bewerbung um einen Ausbildungsplatz ist für die jungen Menschen eine völlig neue Situation“, sagt BiZ-Sachbearbeiter Thomas Daniels. „Je besser man vorbereitet ist, desto größer sind die Erfolgschancen.“ Seit dem vergangenen Jahr bietet das BiZ die Orientierungskurse jeweils in den Sommer- und Herbstferien an, für eine individuelle Beratung erhalten die jungen Leute einen so genannten Bewerbungsscheck, den sie bei unabhängigen Experten einlösen können.

Eine davon ist Petra Janitz von der Hartnack-Schule, die auch das gestrige Seminar leitete. „Vom Erstellen der Bewerbungsunterlagen über den telefonischen Erstkontakt bis zum Vorstellungsgespräch müssen die Ausbildungssuchenden zahlreiche Dinge beachten“, sagt sie. „Ich möchte sie für die wichtigen Punkte sensibilisieren und ihnen praktische Tipps geben.“

Auf die Noten wird in der Regel erst relativ spät geschaut

Zunächst sammelt Janitz die Bewerbungsmappen der Teilnehmer ein und spielt die kritische Personalreferentin: Die erste Mappe fliegt raus, weil das Foto fehlt. Die nächste disqualifiziert das fleckige Deckblatt. Und die dritte ist aus dem Rennen, als der erste Rechtschreibfehler ins Auge springt. „Auf begehrte Ausbildungsplätze bewerben sich zwischen 100 und 200 Leute“, erklärt Janitz. „Weil die Personaler gar nicht alle Unterlagen intensiv studieren können, zählt zunächst einmal der erste Eindruck.“ Hoffnung macht die Bewerbungsexpertin hingegen all jenen, die nicht mit perfekten Zensuren punkten können: „Auf die Noten wird in der Regel erst relativ spät geschaut. Wer bis dahin einen guten Eindruck hinterlassen hat, kann sich berechtigte Chancen ausrechnen, dass die Personalabteilung bei den schulischen Leistungen ein Auge zudrückt.“ Viele Unternehmen sind mittlerweile dazu übergegangen, dem Bewerbungsgespräch einen obligatorischen Einstellungstest voranzustellen. „Die sind oft ganz schön knifflig“, weiß Janitz. „Auf eine solche Prüfung sollte man sich intensiv vorbereiten.“ Beispielaufgaben zum Üben und allgemeine Literatur über die Testverfahren gibt es in der Bibliothek des BiZ.

Wer schließlich zum Vorstellungsgespräch eingeladen wird, kann dort immer noch viel falsch machen. Kleidung, Begrüßung, Small-Talk – die Fallstricke lauern überall. „Wie ich mich kleide, hängt natürlich von der Branche ab“, sagt Petra Janitz. „Zu einem Bewerbungsgespräch für eine Lehrstelle als Industriekaufmann kann man zum Beispiel nicht in T-Shirt oder Kapuzen-Pulli gehen.“ Die Beraterin rät dazu, im Gespräch höflich aufzutreten und seine Fähigkeiten zu betonen. Doch auch auf unangenehme Frage sollten Bewerber vorbereitet sein. Marcel wurde beispielsweise während seiner Ausbildung gefeuert, war danach längere Zeit in Therapie. „Hier gilt es, sich eine Strategie zurecht zu legen, wie man mit dem Thema umgeht“, rät Janitz. Generell sei es wichtig, ein stimmiges Bild der eigenen Person zu zeichnen, ehrlich mit Schwächen umzugehen und die Stärken in den Vordergrund zu rücken. „Dann klappt es auch mit dem Ausbildungsplatz“, so Janitz.

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