In guter Gesellschaft

Offenbach ‐ Von dem Maler und Zeichner Ferry Ahrlé porträtiert zu werden, das ist wie ein Ritterschlag. Maria Schell hat ihm gesessen, Johannes Heesters und Yehudi Menuhin. Oberbürgermeister Horst Schneider ist da in gute Gesellschaft geraten. Von Lothar R. Braun

Bei M. Schneider an der Frankfurter Straße bot er dem Zeichner gestern sein Gesicht an. Der Künstler und sein Modell schmückten eine der Veranstaltungen, mit denen das Kaufhaus in seinen Jubiläumswochen an jedem Tag ein anderes Bonbon anbietet.

Nach dem Oberbürgermeister sollte eigentlich der Kickers-Trainer Wolfgang Wolf porträtiert werden. Den hinderten am Stillsitzen jedoch die Vorbereitungen auf die Trauerfeier auf dem Bieberer Berg. Für ihn sprang Frank Lehmann aus Steinheim ein, der Börsenjournalist vom Fernsehen. Der ließ dabei wissen, wie sehr es ihn verdrießt, dass Steinheim nicht mehr zum Kreis Offenbach, sondern zur Stadt Hanau gehört.

Vier Stuhlreihen, dahinter eine Reihe Stehtische für Sekt und Saft, weiter dahinter verhaltene Verkaufsgespräche. Man ist von Damenmode umgeben, die verkauft werden will. Vorne aber sitzen der Künstler und sein Modell. Ahrlé plaudert, während er zeichnet. „Bildung ist das wichtigste“, sagt er und setzt den Stift dorthin, wo Schneiders rechtes Auge entstehen soll.

„Die Augen sind selten gleich groß“

Sein rechtes ist größer als sein linkes Auge. Das hat Horst Schneider bis dahin nicht gewusst. Der Maler indes erkennt so was und tröstet: „Die Augen sind selten gleich groß“. Er schraffiert die linke Braue und fragt: „Haben Sie schon mal eine Fernsehsendung mit mir gesehen?“ Es bringt den OB in Verlegenheit: „Ich habe so wenig Zeit für Fernsehen. Meistens reicht es nur für die Sportschau“. Der Maler forscht sein Modell aus. Schneider erzählt von seinen jungen Jahren und offenbart, dass seine elterliche Familie die Weihnachtseinkäufe auf der Zeil zu tätigen pflegte. Wo dort ? Bei M. Schneider natürlich, den es in Frankfurt nicht mehr, aber in Offenbach immer noch gibt.

Der Maler arbeitet an Schneiders Nase und lässt beiläufig einfließen, dass er in den USA einen achtbaren Preis gewonnen hat. Er fügt ins Gespräch ein, wen er schon alles zeichnen durfte. Der frühere Bundespräsident Richard von Weizsäcker gehört dazu. Und nun also auch Horst Schneider. Man erfährt, dass der Künstler und sein Modell Mitglieder im Lions-Club sind.

Frankfurter Mundart wie ein Bornheimer

Später nimmt der Maler sich den Frank Lehmann vor, der Frankfurter Mundart beherrscht wie ein Bornheimer und doch erst 1954 als Jugendlicher von Berlin an den Main gewechselt ist. Von ihm wird oft behauptet, er spreche „hessischen Dialekt“. Aber einen hessischen Dialekt gibt es gar nicht, stellt Lehmann richtig. Hessen, das ist eine Vielfalt von Dialekten, die sich krass voneinander unterscheiden. Manchem Zuhörer wird das so neu gewesen sein wie die Information, dass der Börsenexperte als Gymnasiast zweimal eine Klasse wiederholen musste, weil er im Musischen besser war als im Rechnen. Dennoch gelang es ihm, von der Schule in eine kaufmännische Lehre zu flüchten.

In der Selbstdarstellung gab Lehmann sich weitaus lockerer als Horst Schneider. Beiden gleichermaßen dankte jedoch, wie dem Künstler, ein freundlicher Beifall.

Rubriklistenbild: © Georg

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