„Gutes Design ist Königin der Erkenntnis“

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Die Doppelhelix als Teil des Kulturgleises am Mainufer wurde unter großer Teilnahme von Vertretern aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Kunst und Kultur feierlich eingeweiht.

Offenbach (lis) ‐ Kunst für alle unter Mitwirkung vieler. Das ist das Credo von Manfred Stumpf, Professor für Visuelle Kommunikation an der Hochschule für Gestaltung (HfG).

Das Ergebnis dieses Kunstverständnisses und Werkkonzeptes, die Doppelhelix als Teil des Kulturgleises am Mainufer, wurde unter großer Teilnahme von Vertretern aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Kunst und Kultur feierlich eingeweiht. Der Name der Großplastik leitet sich vom griechischen Wort Helix ab, das Spirale oder Windung bedeutet.

Ähnlich einem DNA-Strang schrauben sich Gleise und Schwellen 20 Meter hoch um einen stabilisierenden gelben Pylon. Das Riesenmolekül als Symbol für menschliches Sein bildet den vorläufigen Abschluss eines etwa 300 Meter langen Gesamtkunstwerkes, zu dem auch der bewegliche Güterwaggon als kulturelle Begegnungsstätte gehört. Die Großplastik vereint industrielle Stadtgeschichte mit ihrem ökonomischen und sozialen Strukturwandel und macht sie zu einem neuen Wahrzeichen Offenbachs.

Fünfeinhalb Tonnen schwere Doppelhelix

In ihren Komponenten verbindet die Installation gegensätzliche Elemente: Materie und Geist, Routine und Herausforderung, Realität und Vision. Um das sinnlich zu erfahren und zu erfassen, bedarf es „mehr als einer eloquenten Verkaufskunst“, meinte der Leiter des HfG-Kunstprojekts, Manfred Stumpf. „Es bedeutet, den Beuysschen Begriff von der ,Sozialen Plastik’ zu erneuern und im künstlerischen Sinn ernsthaft zu erforschen und Kunst in eine Form zu bringen, die in der Zeit verstanden wird.“ Es gehe darum, das Vorgefundene zu entwickeln und in eine identitätsstiftende Sprache zu wandeln.

HfG-Präsident Bernd Kracke betonte den Aspekt der Ästhetik des DNA-Moleküls und des von Menschen geschaffenen Kunstwerks. „Exzellente Gestaltung richtet sich an alle Sinnesorgane und erschließt den Sinn des Werks schneller als der Verstand denken kann. Sie ist die Königin der Erkenntnis.“

Die fünfeinhalb Tonnen schwere Doppelhelix weise in die Zukunft und symbolisiere das schöpferische Potenzial menschlicher Energie, meint Frank Flaskämper, HfG-Absolvent und Diplomdesigner, der die Idee für das Kunstwerk hatte und es als Abschlussarbeit entworfen hat. „Welcher Ort wäre passender als der Fluss, der ständig vorwärts strebt. Die himmelwärts strebende Doppelhelix steht für Offenbachs Zukunft, die in der Kreativität das wichtigste Kapital darstellt“.

Ganz im Sinn der Idee von sozialer Kunst entstand seit 2007 schrittweise das Flaskämper-Werk mit Stumpf und anderen Studierenden der HFG sowie Helfern wie Kommune, Schulen und Kirche. Flaskämper versteht das Kulturgleis als Kunst, die von der Beteiligung lebt, die Menschen animiert und inspiriert, die Gesellschaft mit zu formen.

Imposante Reihe von Sponsoren

Das spiegelte sich auch in der Musik zur Eröffnung. HfG-Student Daddy Bahmani trommelte mit Katharina Merkel spritzige Rhythmen. Jazz mit deutschen Texten spielte die Band Expensive Toy.

Eine Verbindung von Stadt und Fluss stelle das Kulturgleis dar und werde das Mainufer beleben, meinte Hanne Münster-Voswinkel vom Amt für Stadtplanung und Baumanagement. Oberbürgermeister Horst Schneider freut sich über das Gesamtkunstwerk, mit der die HfG sich präsentiere. Zugleich baue er auf das den Offenbachern typische Durchhaltevermögen und hoffe auf die Weiterentwicklung des Mainufers bis zum Westhafen. In Anlehnung an das Gefühl der Fremdheit des biblischen Jakob begreift Dekanin Eva Reiß die Skulptur Doppelhelix als Himmelsleiter und als einen Heimat vermittelnden Ort.

Zur Finanzierung des Objekts Skulptur gewannen die Initiatoren eine imposante Reihe von Sponsoren, die zusammen die rund 100 000 Euro stifteten. Unternehmen und auch Einzelpersonen zeigten sich spendabel. Die Evangelische Kirche gab Geld und war über die Jugendarbeit am Güterwaggon mit eingebunden. Die Stadt begleitete das Projekt bautechnisch und planerisch und beteiligte sich an der Finanzierung des Betonfundaments für das Gerippe der Doppelhelix.

Das besteht anders als ursprünglich geplant nicht aus den historischen, sondern aus von Thyssen gesponserten Schienen, die von einer holländischen Firma gebogen wurden. Die passgenauen Holzschwellen sponserte ein bayerischer Hersteller. Hauptspender waren die Darmstädter Firma Merck und die Stiftung der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau. „Wir glauben an einen Dialog durch Themen, die Menschen in ihrem Sein berühren und bewegen auch außerhalb des Gottesdienstes“, sagte Sitftungsgeschäftsführerin Friederike von Bünau,

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