Schulraumangebot an Grenzen

Gymnasien bis zum Anschlag voll

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Lösungen hat das Podium nicht parat (von rechts): SPD-Landtagsabgeordnete Heike Habermann, Schulamtschefin Susanne Meißner, Moderatorin Heidi Höreth-Müller, Stadtrat Paul-Gerhard Weiß, Lehrerin Sabine Grasmück-Werner.

Offenbach - Die Entwicklung des Gymnasialwesens in Offenbach und die besonderen Gegebenheiten an der Rudolf-Koch-Schule waren Themen einer Podiumsrunde kommunaler Bildungsfachleute am Montag. Von Harald H. Richter 

Patentlösungen zur Entflechtung der Probleme hatten sie zwar nicht, stellten sich aber Fragen des überwiegend jugendlichen Publikums. Sie platzt aus allen Nähten. Rund 900 Kinder und Jugendliche werden an der Rudolf-Koch-Schule (RKS) unterrichtet, jeweils zur Hälfte in beiden Sekundarstufen. In 41 Klassen beziehungsweise Kursen läuft Unterricht, obwohl eigentlich nur Platz für 26 vorhanden ist, weshalb Fachräume herhalten müssen. Selbst Container hinter der Sporthalle können die Raumnot nicht beseitigen.

An den anderen Gymnasien Offenbachs ist die Situation ähnlich. Auch die Albert-Schweitzer- und die Leibnizschule müssen mit Engpässen klarkommen. Doch die sind nur ein Teil des Problems. Leitung, Lehrerschaft, Eltern und Schüler vor allem an der RKS treibt die Sorge um, die über Jahre an dem Gymnasium erarbeiteten Profilinhalte könnten auf der Strecke bleiben. Über 150 Interessierte sind am Montagabend in die Aula gekommen, um mit kommunalen Bildungsfachleuten darüber zu diskutieren.

„Noch vor wenigen Jahren haben wir annehmen müssen, dass die Schülerzahlen sinken“, so Schuldezernent Paul-Gerhard Weiß (FDP). Aktuell zählt Offenbach aber fast 135 000 Einwohner – Tendenz steigend. Das führt dazu, dass immer mehr Kinder beschult werden müssen, auch an den weiterführenden Bildungseinrichtungen in der Stadt. „Alle unsere Schulen sind inzwischen aber bis zum Anschlag voll“, stellt er fest. „Deshalb brauchen wir ein weiteres Gymnasium“, sagt Susanne Meißner, Leiterin des Staatlichen Schulamts. Zudem müsse man überlegen, ob eine gymnasiale Oberstufe etwa an eine Integrierte Gesamtschule (IGS) angedockt werden könne. Die Edith-Stein-Schule ist im Gespräch. „Wir sollten bereit sein, Strukturen zu überdenken und neue Lösungen zu entwickeln.“ Ihre Aussage liefert Heike Habermann (SPD) das Stichwort. Sie plädiert für die Bildung einer IGS aus Bach- beziehungsweise Mathildenschule und tritt zudem für eine Ausweitung der Ganztagsbetreuung ein.

Sabine Grasmück-Werner (Grüne), die an der Leibnizschule unterrichtet und die Engpässe kennt, favorisiert die Etablierung eines weiteren Gymnasiums, das spätestens in fünf Jahren stehen soll. Damit liegt sie klar auf Koalitionslinie, denn das wollen auch die Partner CDU, FDP und Freie Wähler im Stadtparlament. Ein geeignetes Baugrundstück ist noch nicht gefunden. „Die Zeit drängt aber“, betont die dreifache Mutter. Dezernent Weiß spricht von einer „unangenehmen Übergangsphase“, bis eine neue weiterführende Schule ihren Betrieb aufnehmen kann. Notfalls müsse man, sobald der Standort feststehe, in Tranchen bauen, damit in zwei bis drei Jahren erste Jahrgänge einziehen können.

Das Thema Schulentwicklung in Offenbach erweist sich als so komplex, dass die spezifischen Probleme, mit denen sich die RKS herumplagt, fast zu kurz kommen. So sehr sich Moderatorin Heidi Höreth-Müller, Direktorin der Dreieichschule in Langen und bis vor wenigen Wochen zusätzlich interimsweise Leiterin der RKS, darum bemüht. Viele Anwesende scheinen an diesem Abend mit einer anderen Erwartung in die Aula gekommen zu sein, wollen sich nicht mit der Ankündigung „langfristiger Lösungen“ zufriedengeben, sondern drängen auf rasche Verbesserungen. Ansonsten, so glauben sie, drohen Qualitätseinbußen.

Bilder: Abiplakate an der Albert-Schweitzer-Schule

Die Fortschreibung des Schulentwicklungsplan sieht für die RKS eine Erweiterung der Sekundarstufe I vor, die auf dem Papier dreizügig ausgelegt ist, aber bereits jetzt in mehreren Jahrgängen vierzügig fährt. Sechs Klassen pro Jahrgang, wie von einigen befürchtet, erteilt der Bildungsdezernent jedoch eine klare Absage. Eine methodisch angemessene Unterrichtserteilung erweist sich mangels Klassenzimmer als immer schwieriger. Eine weitere Sorge: Die Vergrößerung der Sekundarstufe I bedeutet mehr jüngere Schüler, die Platz zum Spielen und Toben brauchen. Der Pausenhof ist aber schon jetzt zu klein.

Die Diskutanten ermuntern Schülerschaft, Eltern, Kollegium und Leitung, über die einmalige Veranstaltung hinaus die Möglichkeiten zu nutzen, mit Stadtpolitik und Schulamt ins Gespräch zu treten, um sich auch konzeptionell einzubringen.

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