Wahlparty im Rathaus

Strahlende Sieger und traurige Verlierer

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Grimmiger Verlierer: FDP-Mann Paul Gerhard Weiß

Offenbach - Bürgermeister Peter Schneider formuliert bei der „Wahlparty“ im Rathausfoyer, was an diesem Abend wohl die meisten denken. „Man bereitet sich innerlich ja auf vieles vor, aber damit habe ich nicht gerechnet“, sagt der Grüne. Von Thomas Kirstein

Wer hätte sich etwa vorgestellt, dass die CDU im Bund mit 42 Prozent an einer absoluten Mehrheit kratzt? So sind die Offenbacher Christdemokraten bester Laune. Fraktionschef Peter Freier, sein Vorgänger Günther Hammann, der Stadtverordnete Simon Isser und JU-Vorsitzender Marc Oliver Juncker strahlen um die Wette; Stadtrat Klaus-Josef Werné setzt mit einem orangen Unionshütchen einen viel bewunderten farbigen Akzent.

Rotgrüne Besucher aus dem Kreis: Grünen-Landtagskandidat Wolfgang Strengmann-Kuhn (links) und SPD-Bundestagskandidat Dirk-Gene Hagelstein

Tristesse pur dagegen bei den natürlichen Verbündeten der CDU, diewohl aus Bundes- und Landtag fliegen. Entsetzen spiegelt sich im Gesicht von FDP-Kandidat Oliver Stirböck, der nach Wiesbaden wollte. Paul-Gerhard Weiß, der Offenbacher Liberale für Berlin, fällt mit verkniffener Miene auf.

Die drei Ministrablen fehlen in ihrer Heimat. CDU-Sozialminister Stefan Grüttner weilt ebenso in der Landeshauptstadt wie Sozialdemokratin Heike Habermann, die bei einem rotgrünen Sieg Kultusministerin werden sollte, und der Grüne Tarek Al-Wazir, der für einen solchen Fall seinen Anspruch aufs Wirtschaftsministerium angemeldet hatte.

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Behüteter Wahlsieger: Ehren-Stadtrat Klaus-Josef Werné

Dirk-Gene Hagelstein, der Spitzengenosse im Wahlkreis 185 (neben Offenbach Mühlheim, Obertshausen, Heusenstamm, Dietzenbach, Dreieich, Langen, Neu-Isenburg, Egelsbach) schaut kurz vorbei; seinen Grünen-Kollege Wolfgang Strengmann-Kuhn hält es bis zur späten Pressekonferenz. Der alte und neue Bundestagsabgeordnete Peter Wichtel beehrt seine Unionsbrüder und -schwestern, die im Offenbacher Lokal „Waldeck“ eine richtige Party feiern dürfen.

Während sich nach und nach die Ergebnisse aus den einzelnen Wahlbezirken auf den Leinwänden im Stadtverordnetensitzungssaal summieren, kann schon mal spekuliert werden. Im Land ist schließlich auch Schwarzgrün drin: Geht der prominenteste Grüne dann doch noch nach Berlin? Tarek Al-Wazir und sein örtlicher Intimfeind Stefan Grüttner gemeinsam an einem Kabinettstisch mag sich niemand vorstellen.

Lokale Überraschungen in Form von Ergebnissen gegen den Trend bleiben aus. Die Offenbacher spiegeln weitgehend die bundes- und landesweiten Veränderungen. CDU und SPD gewinnen bei den Zweitstimmen für den Bund prozentual hinzu (plus 4,9 und plus 3,7).

Der Höhenflug des Jahres 2009 mündet in einen tiefen Sturz: Die FDP verliert in der Stadt 10,1 Prozent und scheitert knapp an jener Fünfprozenthürde, die örtlich recht locker von den Neulingen der Alternative für Deutschland (AfD) genommen wird (5,6 Prozent). Die Grünen verlieren leicht.

Die immer weniger werdenden Offenbacher, die zur Wahl gehen (Beteiligung 65,1 Prozent), wählen durchaus differenziert. Bei der Wahl des Landtags stärken sie die SPD und schwächen die CDU, die freilich stärkste Kraft bleibt und auch erneut den direkten Abgeordneten stellt. Am ehesten als unerwartet darf das Ergebnis der Erststimmen gewertet werden. SPD-Frau Habermann verringert deutlich den Abstand zu CDU-Mann Grüttner.

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