Habt ihr was mit Dioxin?

Offenbach - Bei Skandalen um vergiftete Lebensmittel aller Art folgen Medien und Menschen verlässlichen Abläufen: Die Schlagzeile wird größer, der Hunger erstmal kleiner; nach zwei, spätestens drei Tagen der Fütterung mit schwerverdaulichen Details ist jeder gewarnt. Von Marcus Reinsch

Und mancher inspiriert, wie am Eierstand der Buxmanns auf dem Offenbacher Wochenmarkt mitzubekommen ist. Anliegen eines Mannes, der eigentlich ganz harmlos aussieht: „Ich will meiner Schwiegermutter was mitbringen. Habt ihr welche mit Dioxin da?“

Hat Ulrike Buxmann natürlich nicht. Zugekaufte Eier aus Freiland- und Bodenhaltung im Kahlgrund, das ja. Auch Bioeier, gefärbte Eier, Eier vom familieneigenen Federvieh in der Wetterau und die sowieso unverdächtigen Wachteleier. Aber nichts aus Hühnern, die mit Dioxin belastetes Futter gefressen haben.

Doch die Buxmanns spielen natürlich mit beim augenzwinkernden Ritual. Scherzfrager bekommen erstmal Scherzantworten und ernsthaft Besorgte sofort die seit Bekanntwerden des Dioxinskandals so wichtige Botschaft: Der Vergleich der auf die Schalen gestempelten Ziffernfolgen mit der Kürzel-Liste der betroffenen Betriebe zeuge davon, dass am Buxmann-Stand kein Ei von einem Produzenten stammt, der eine der vergifteten Lieferungen verfüttert hat.

„Eine Art Panik“ unter den Käufern

Ulrike Buxmann hat durchaus „eine Art Panik“ unter den Käufern registriert. Die meisten fragten jetzt nach der Herkunft der Ware. Ihrer Meinung nach wird der Skandal etwas übertrieben, weil ein erwachsener Mensch einige Dutzend belastete Eier in einer Woche verspeisen müsste, um die Dioxinkonzentration auf ein gefährliches Maß zu steigern. In der Buxmannschen Stammkundschaft pflegt niemand einen solchen speziellen Fetischismus. „Die kaufen hier schon seit 26 Jahren und leben noch.“

Und auch jetzt sei der Eier-Umsatz einigermaßen konstant, wobei „Bio-Eier heute ein bisschen besser gehen“. Und nach dem Gesetz von Angebot und Nachfrage könne das , falls der Skandal weiter Kreise zieht, sogar zu Engpässen und damit Preissteigerungen führen. „Es ist ja Winter, die Biohühner sind draußen und legen bei diesen Temperaturen einfach weniger Eier.“

Von Bio-Hamsterkäufen vorm Wochenende gibt es auf dem Markt trotzdem ebenso wenig eine Spur wie von großer Eier-Abstinenz. Daniela Heininger von Obst-und-Gemüse-Heininger („Meine Eier sind unbelastet!“) hat registriert, dass sich die Zurückhaltung der Kundschaft beim Eierkauf „noch in Grenzen hält. Wir haben ja auch unsere festen Bauern. Natürlich fragen die Leute jetzt nach.“

Kauflust hat abgenommen

Ebenso wie nebenan, bei Obst-Gemüse-Spargel-Gündling. Da ist gestern um 11 Uhr die Hälfte der 360 mitgebrachten Eier vom ausschließlich mit Mais und Weizen fütternden Margarethenhof bei Weiterstadt verkauft - Normalmaß.

Nur am Stand von Szezana-Zana Ivankovic nahe des Markthäuschens ist die Vorsicht der Kundschaft spürbar. Und messbar. Die Ware stammt zwar teils aus Bad Vilbel, teils aus Neu-Isenburg und kommt ebenso unverdächtig daher wie die der anderen Händler. Doch die Kauflust habe seit Skandalbeginn deutlich abgenommen, sagt die Standbetreiberin und deutet auf die Pappdeckel-Türme auf dem Tisch. Die seien um diese Uhrzeit sonst schon viel niedriger. Aber Ivankovic hat ja auch noch Sauerkraut, Bauernbrot, Nudeln, Gurken und wundervolle heiße Krautwickel. Und von der Kraut- oder Gurkengrippe ist bisher ja nichts bekannt.

Apropos: War da dieser Tage nicht auch noch was mit Schweinegrippe in Deutschland? Also von vorne: „Schweinegrippe, hm?“ Der mobile Markt-Metzger hat seinen Humor bewahrt: „In Scheiben oder am Stück?“ Nun gut, lassen wir das Schweinethema heute sein. Mehr als eine Lebensmittelpanik, das kann ja nicht gesund sein.

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