Hälfte der Ex-Roländer vermittelt

Augsburg/Offenbach - Vor einem halben Jahr ging der Druckmaschinenhersteller „manroland“ mit 4.700 Beschäftigten in Augsburg, Offenbach und Plauen in die Insolvenz.

Jetzt laufen die Transfergesellschaften aus - und ihre Bilanz kann sich sehen lassen: Nur knapp 1000 ehemaligen Mitarbeitern droht demnächst tatsächlich die Arbeitslosigkeit.

„Wir haben schon in schlechterem Umfeld gearbeitet“, sagt Silke Wohlgemuth, Geschäftsführerin der Transfergesellschaft PRM in Offenbach. „Am Anfang kamen die Firmen auf uns zu.“ Ein Frankfurter Unternehmen habe gleich 20 Elektriker und Mechatroniker auf einmal übernommen, nachdem es sie in einem Praktikum getestet habe. Inzwischen gebe es aber nicht mehr so viele offene Stellen. Wer bis jetzt übrig geblieben ist, hat es schwerer.

„Fachkräftemangel kann ich bald nicht mehr hören“

„Fachkräftemangel kann ich bald nicht mehr hören“, sagt Bernd Nickolay, Geschäftsführer der für Augsburg und Plauen zuständigen Transfergesellschaft PTG. „Grundsätzlich gilt: Wenn jemand qualifiziert, flexibel und jünger als 50 ist, tut er sich leichter.“ Aber ein Verfahrenstechniker für Druckmaschinenbau sei eben nicht das Gleiche wie ein Verfahrenstechniker für Roboterbau. Die meisten hätten deshalb zusätzliche Qualifikationen bekommen - nicht nach dem Gießkannenprinzip, sondern maßgeschneidert.

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„Einem Elektriker fehlt zum Beispiel noch ein Kurs in speicherprogrammierbarer Steuerung - das wird oft verlangt in Stellenanzeigen“, erklärt Wohlgemuth. Ein Kaufmann habe bisher vielleicht ohne das heute gefragte SAP-Programm gearbeitet, oder einem Ingenieur fehlte noch verhandlungssicheres Englisch - sie alle wurden dann von der Transfergesellschaft in Fortbildungskurse geschickt. Die Helfer durchkämmten Stellenanzeigen und übten mit den ehemaligen „manroland“-Beschäftigten Vorstellungsgespräche. „Viele Mitarbeiter waren lange bei ,manroland’. Nach 20 Jahren verlernt man, wie das geht“, sagt Wohlgemuth.

Von den rund 2000 gekündigten Mitarbeitern hat die Hälfte eine neue Stelle

Die neuen Eigentümer der deutschen Werke hatten knapp 2700 Beschäftigte mit übernommen. Von den rund 2000 gekündigten Mitarbeitern hat die Hälfte eine neue Stelle. „In der kurzen Zeit, das ist ein Erfolg“, sagt Wohlgemuth.

Am glimpflichsten kam Augsburg davon. Die Lübecker Possehl-Gruppe übernahm das Stammwerk mit 1510 Mitarbeitern, nur 741 wurden gekündigt. Die Augsburger IG-Metall-Chefin Christiane de Santana erwartet, „dass wir bis zum Ende der Laufzeit der Transfergesellschaft deutlich über 50 Prozent der dort übernommenen Beschäftigten in neue Tätigkeiten vermittelt bekommen“. Und zwar nicht in Leiharbeit, „sondern in geregelte, sichere und vor allem tarifgebundene Beschäftigungsverhältnisse. Das ist bis jetzt auch recht gut gelungen.“

Niedrige Arbeitlosenquote in der Region

Die Arbeitslosenquote in der Region ist niedrig, und die Transfergesellschaft hier hat noch einen Monat Verlängerung bekommen bis Ende August. Schon gleich nach der Insolvenz seien viele Leute vermittelt worden, jetzt sei noch Geld im Topf übrig, erklärte der Sprecher des Insolvenzverwalters, Alexander Görbing.

Auch die im Werk verbliebenen Beschäftigten müssen sich offenbar keine Sorgen um ihre Stellen machen, obwohl die Lage in der Druckmaschinenbranche schwierig bleibt. Nach der Insolvenz ist das Unternehmen schuldenfrei und hat die richtige Größe. Früher als geplant hat der neue Eigentümer Possehl auch das Werksgelände gekauft. Die Auftragslage sei gut, sagte Santana: „Die Druckmaschinen-Messe drupa war ein Erfolg, und die Beschäftigten im Betrieb haben alle Hände voll zu tun.“

Britische Langley-Gruppe übernahm 824 Mitarbeiter

In Offenbach übernahm die britische Langley-Gruppe 824 Mitarbeiter, 974 wurde gekündigt. „Am 31. Juli werden wir die Hälfte vermittelt haben“, sagt Wohlgemuth. Einige hätten sich auch komplett umorientiert - „zum Beispiel eine Lager-Mitarbeiterin, die jetzt als Pflegekraft arbeitet.“ Die meisten seien in der Region verwurzelt. Im schlimmsten Fall ist die Transfergesellschaft für die Betroffenen wenigstens „ein zeitlicher und finanzieller Puffer zwischen Entlassung und Arbeitslosigkeit“. Denn sie bekommen 80 Prozent ihres früheren Nettolohns und blieben sozialversichert.

In Plauen hat Insolvenzverwalter Werner Schneider das Plamag-Werk selbst übernommen, mit der Hälfte der einst 700 Mitarbeiter. Das Werk sei ausgelastet durch Aufträge von „manroland“ Augsburg, sagt Sprecher Görbing. Und Nickolay hofft, auch in Plauen mindestens die Hälfte der Gekündigten zu vermitteln.

dpa

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