Hängepartie um City-Passage

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Farblos, leerstehend, unattraktiv: Die City-Passage in bester Innenstadtlage bietet derzeit keinen schönen Anblick, darin sind sich alle einig.

Offenbach - Ob der Schandfleck City-Passage bald durch eine moderne Einkaufszeile ersetzt wird, ist weiter unklar. „Ich gehe nicht noch länger in ein Verfahren, das mir langfristig wirtschaftlich schadet“, stellt Klaus Ziegler klar. Von Benedikt Müller

Der Inhaber der gleichnamigen Beteiligungs-GmbH will im Laufe der nächsten zwei Wochen einen zweiten Bauantrag stellen. Den vorerst letzten, wie er sagt. „Ich bin mittlerweile schmerzfrei“, so Ziegler. „Wenn es nicht klappt – unser Konzept B steht.“

„Konzept B“ bedeutet, dass der unterfränkische Investor die City-Passage doch nicht bis zur Bodenplatte abreißt, sondern im aktuellen Zustand wieder vermietet. Und zwar mit langjährigen Verträgen, wie er ankündigt.

„Konzept B“ eine stadtplanerische Katastrophe

Ziegler weiß genau, dass „Konzept B“ einer stadtplanerischen Katastrophe gleichen würde. „Es liegt in unserem Interesse, dass etwas in der City-Passage passiert“, betont Markus Eichberger. Der Leiter des Bereichs Stadtentwicklung beim Baubüro möchte den Stadthof und den Handel in der Innenstadt beleben. Was er dabei gar nicht gebrauchen kann, sind zum Beispiel Spielhallen in der Innenstadt. „Spielhallen sind in der Lage, traditionelle Geschäfte zu verdrängen“, erläutert Eichberger.

Anfang des Monats beschloss die Stadtverordnetenversammlung, einen Bebauungsplan für die Umgebung des Stadthofs aufstellen zu lassen. Dieser soll negativen Einflüssen auf den umliegenden Handel vorbeugen.

„Wir wollen keine Verhinderungsplanung betreiben“

„Wir wollen keine Verhinderungsplanung betreiben“, beteuert Eichberger. Doch beim Investor stößt der Beschluss auf ein anderes Echo: „Der Bebauungsplan kommt mitten auf der Zielgeraden“, ärgert sich Ziegler. Die Finanzierung stehe, die Mietverträge lägen unterschriftsbereit vor.

„Ende 2013 könnte die Immobilie stehen.“ Ein großer Textilhändler und ein führender Elektronikmarkt würden die Ankermieter im neuen Einkaufshaus. Neue Ladenflächen am alten Standort erhielten Tchibo, Stadtmetzgerei Zeiss – und die Spielhalle. „Wenn wir die City-Passage bauen sollen, gibt es gewisse Zwangspunkte“, erklärt Ziegler. Einer davon sei, dass die Spielhalle am Standort bleibe. Ihr Mietvertrag laufe noch bis 2018.

Bebauungsplan aushebeln

Der Investor versucht nun, den Bebauungsplan auszuhebeln. Schließlich muss dieser erst einmal aufgestellt werden. Und auch dann gelte er nicht rückwirkend, heißt es in der Bauaufsicht. Zudem baut Ziegler auf einen Bauvorbescheid, der noch bis November dieses Jahres gültig ist und von keinem zwischenzeitlich aufgestellten Bebauungsplan torpediert werden kann. „Mit einem Bauvorbescheid sind einzelne Fragen aus dem Genehmigungsverfahren herausgenommen“, erklärt Sonja Stuckmann von der Bauaufsicht. „Dann sind die ein für alle Mal geklärt, sofern kein grundlegend neues Bauvorhaben vorliegt.“ Wann das der Fall ist, werde anhand detailreicher Vorgaben ermittelt. Diese Frage sei schon mehrfach Gegenstand gerichtlicher Auseinandersetzungen gewesen.

So soll die Nachfolge-Immobilie der City-Passage aussehen.

Ziegler arbeitet seit 2009 am Projekt City-Passage. „Den ersten Bauantrag mussten wir zurücknehmen“, berichtet er. Die Stadt bemängelte, dass anliefernde Lkw auf städtischem Boden ständen. Dieses Problem sei behoben. Ein weiterer Streitpunkt ist die Zahl der Geschosse. „Die Stadt wünscht mehr Höhenentwicklung als das, was wir anbieten“, erklärt Ziegler. „Doch weitere Mietinteressenten gibt es nur fürs Erdgeschoss und für den ersten Stock.“ Mehr als drei Geschosse seien nicht drin.

Der Investor wünscht sich ein klares Bekenntnis der Stadt zum Neubau. „Man muss schauen, was zurzeit da ist und was wir machen wollen“, so Ziegler.

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