Hängepartie an Heuss-Schule

Offenbach - Widersprüchliche Signale zum Gesundheits-Gymnasium / „Schülerzahlen nachweisen“

Eine Chance, mehr jungen Frauen zum Abitur zu verhelfen, sieht Heinrich Kößler, Leiter der Theodor-Heuss-Schule (THS). Bislang bietet er auf dem Buchhügel ein berufliches Gymnasium mit Schwerpunkt Wirtschaft, das er nun um den Schwerpunkt Gesundheit erweitern möchte. Das Angebot würde vielen Schülerinnen aus Offenbacher Migrantenfamilien liegen, die eine reguläre Gymnasiumslaufbahn nicht geschafft haben, ist der Schulleiter überzeugt.

Nachdem das Staatliche Schulamt Ende 2008 signalisiert hatte, die Schule könne mit der Erweiterung zu Beginn des nächsten Schuljahres rechnen, wurde die Zusage kurz darauf nach einem Gespräch mit dem Kultusministerium zurückgenommen. Unter der Schülerschaft sorgt der Schlingerkurs der Bildungsbürokraten unter CDU-Minister Jürgen Banzer für Aufregung. „Wir sind entsetzt und können die Entscheidung nicht nachvollziehen“, schreibt THS-Schulsprecherin Fatima Essanhaji in einem offenen Brief. „Für uns junge Frauen würde mit dem Bildungsangebot eine Lücke geschlossen.“

Seit Sommer 2008 bietet die Heuss-Schule bereits eine Fachoberschule Gesundheit. Die zeichnet sich in Jahrgangsstufe 11 durch einen starken Praxisbezug mit wöchentlich drei Tagen Praktikum aus und schließt nach Klasse 12 mit der Fachhochschulreife ab. Das ersehnte Gymnasium würde nach Jahrgangsstufe 13 enden und Absolventen die allgemeine Hochschulreife bringen. Da viele Studiengänge zum Schwerpunkt Gesundheit an Universitäten angesiedelt sind, ist das attraktiv. „Dann müssten wir nicht mehr den Umweg über Fachhochschulen gehen“, sagt Essanhaji.

An der THS lernen zudem Berufsschüler, die eine Ausbildung zur medizinischen Fachangestellten (Arzthelferin) absolvieren. Auch deswegen liegt für Kößler die Gründung eines Gesundheits-Gymnasiums nahe. Schließlich sei es erklärtes Ziel der Bildungspolitik, Kompetenzzentren zu schaffen. Dank der Fachoberschule verfüge die Heuss-Schule über pädagogisch ausgebildete Ärztinnen. „Wir können kurzfristig ein Curriculum für ein Berufliches Gymnasium entwickeln.“

Umso unverständlicher sind ihm die widersprüchlichen Signale. Befremdlich wirkt auch, dass die Georg-Kerschensteiner-Schule in Obertshausen eine Zusage für die Einrichtung eines Gesundheits-Gymnasiums erhalten hat. Das hat bereits Offenbachs SPD-Stadtverordneter Harald Habermann kritisiert. Er fordert, die nichtakademische Ausbildung im Gesundheitswesen zu konzentrieren: „Mit der Ausbildung am Klinikum und der Fachoberschule sind bereits wichtige Ausbildungsgänge etabliert“. Es sei aberwitzig, gleichartige Strukturen fünf Kilometer entfernt neu aufzubauen. Die Kerschensteiner-Schule verfüge weder über die sächlichen noch die personellen Voraussetzungen.

Sprecherin Susanne Rothenhöfer betonte gestern, das Kultusministerium stehe dem Anliegen der Heuss-Schule positiv gegenüber, habe aber nie in Aussicht gestellt, das Angebot schon im Sommer 2009 zu starten. Mit dem Schulleiter sei vereinbart, erst zu überprüfen, ob die Zahl der Interessenten, die die Zulassungsvoraussetzungen erfüllen, ausreicht, um eine entsprechende Klasse einzurichten. „Wenn die Voraussetzung erfüllt ist, kann über das Angebot berufliches Gymnasium mit Schwerpunkt Gesundheit zum Schuljahr 2010/11 verhandelt werden.“

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