Hängepartie im Niemandsland

Lockdown: „Livas Grillhaus“ am Offenbacher Kaiserlei von Kundschaft abgeschnitten

„Livas Grillhaus“ am Kaiserlei in Offenbach: Angelina Okunev hat derzeit 80 Prozent weniger Kundschaft.
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„Livas Grillhaus“ am Kaiserlei in Offenbach: Angelina Okunev hat derzeit 80 Prozent weniger Kundschaft.

Kaum eine Branche ist von der Corona-Krise so gebeutelt wie die Gastronomie. Besonders schmerzhaft bekommt dieser Tage Angelina Okunev am Kaiserlei in Offenbach die wirtschaftlichen Auswirkungen zu spüren.

Offenbach - Die Wirtin von „Livas Grillhaus“ hat das Geschäft erst im August von ihren Eltern übernommen, die es zuvor 20 Jahre lang führten. Auf dem Parkplatz von Möbel Roller am Kaiserlei fest stationiert, konnte die Gastronomenfamilie sich bislang auf Laufkundschaft und Mitarbeiter der umliegenden Firmen als Kundschaft verlassen. Nun ist das Möbelhaus im Lockdown, und ein Großteil der benachbarten Unternehmen setzt auf Home Office. Der Parkplatz bleibt leer – und Okunevs Kasse auch.

„Wir haben etwa 80 Prozent weniger Kundschaft als noch vor dem Lockdown“, berichtet die Imbiss-Wirtin im Gespräch mit unserer Zeitung. „Im November hat es schon angefangen, weniger zu werden, weil wir nur noch Außenverkauf anbieten durften.“ Normalerweise seien die Tische zur Mittagszeit voll besetzt. Jetzt fehlt nicht nur die gewohnte Kundschaft, sondern auch die zusätzliche, auf die Okunev vor der Krise gehofft hatte.

Offenbach: Imbiss-Betreiberin am Kaiserlei sieht „Hängepartie im Niemandsland“

„Die Landesbank Hessen-Thüringen sollte eigentlich schon am Kaiserlei eingezogen sein – die müssen jetzt aber alle Home Office machen.“ Die Schranke zum Roller-Parkplatz dürfte sie zwar öffnen, aber ab 18 Uhr seien überall die Lichter aus und alles wie ausgestorben. Fernab der belebteren Innenstadt empfindet die Imbiss-Betreiberin ihre Situation als „Hängepartie im Niemandsland“.

Immerhin: Die angekündigte Novemberhilfe vom Bund haben Okunev und ihr Mann, der mit ihr das Geschäft führt, bereits bekommen. Und auch die Dezemberhilfe sei bereits genehmigt, wie die Wirtin erzählt. Wie berichtet, beträgt dieser Zuschuss des Bundes 75 Prozent des jeweiligen durchschnittlichen Umsatzes im November sowie im Dezember 2019. Mit ihrem Vermieter – Möbel Roller – spreche sie derzeit zudem über eine Mietminderung während des Lockdowns. In trockenen Tüchern sei das noch nicht, „aber der Vermieter ist zum Glück sehr gesprächsbereit.“

Offenbach: Stammkunden halten Livas Grillhaus die Treue

Dankbar ist Okunev auch einigen Stammkunden, die Livas Grillhaus in der schwierigen Zeit die Treue halten. Wie lange sie wirtschaftlich durchhalten kann, wenn es so weiter geht? „Ein halbes Jahr vielleicht. Wenn es bis nach Ostern so geht, machen alle pleite.“ Derzeit versuchen sie und ihr Team, verstärkt auf sozialen Medienplattformen aktiv zu sein und auf ihre Angebote hinzuweisen. Auch auf die Schnellrestaurants im Umfeld weist sie dabei hin: Kollegialität in der Krise. (Von Marian Meidel)

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