Hängepartie bei „manroland“

Offenbach/Augsburg - Die Mitarbeiter des insolventen Druckmaschinenbauers „manroland“ müssen weiter um ihre Arbeitsplätze bangen. „Man kann kein Licht am Horizont sehen“, sagte die erste Bevollmächtigte der IG Metall Offenbach, Marita Weber. Von Marc Kuhn

Es sei eine „absolute Hängepartie“. Von einer „unbefriedigenden Situation“ sprach die Vorsitzende des Betriebsrats in Offenbach, Alexandra Roßel. Die Belegschaft sei extrem angespannt. „Wir haben inzwischen zwei Bieterkonzepte auf dem Tisch, die am kommenden Mittwoch dem Gläubigerbeirat zur Entscheidung vorgelegt werden“, erklärte der vorläufige Insolvenzverwalter Werner Schneider. Es sei „mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass ein Fortbestand der drei Unternehmensstandorte in Augsburg, Offenbach und Plauen durch einen Verkauf gesichert werden kann“. Die Angebote würden den Mitgliedern des Gläubigerbeirates ergebnisoffen präsentiert.

„Ich gehe davon aus, dass wir am Mittwochnachmittag mit den Gläubigervertretern und sicherungsgebenden Banken eine Einigung erzielen werden“, berichtete Schneider. Im Anschluss könnten die letzten Vertragsdetails ausgehandelt werden. In diesem Kontext sollen auch mit den Arbeitnehmervertretern die endgültigen Zahlen über den Stellenabbau festgelegt werden - die Verhandlungen seien noch nicht abgeschlossen.

Namen von möglichen Investoren sind offiziell nicht genannt worden. Spekuliert wird aber über das Interesse einer US-Investmentfirma und über einen industriellen Investor aus Deutschland. Roßel berichtete von einem amerikanischen Investor, der an dem gesamten Unternehmen interessiert sei. Laut „Augsburger Allgemeine“ ist der US-Finanzinvestor Platinum Equity bereit, für 100 Millionen Euro alle drei Standorte zu übernehmen. Die Offenbacher Betriebsratschefin hat bei einer solchen Lösung Bedenken. Schließlich sei ein Finanzinvestor nur am schnellen Geld interessiert und wolle das Unternehmen rasch weiterverkaufen, sagte sie unserer Zeitung.

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Der zweite Anbieter soll nach Medienberichten die Firmengruppe Possehl aus Lübeck sein. Es gibt demnach auch Überlegungen zu einer Verzahnung von Augsburg mit dem Werk Plauen. Bei einer vernünftigen Lösung für Augsburg und Plauen sehe Insolvenzverwalter Schneider auch mögliche Lösungen für Offenbach, wird eine Augsburger Gewerkschafterin zitiert.

Nach dpa-Informationen gibt es kein Einzelgebot für die Bogendruckmaschinen-Produktion in Offenbach, wo noch rund 1900 Menschen beschäftigt sind. IG-Metall-Chefin Weber denkt bereits an einen „Plan B“ - eine Auffanggesellschaft für den Standort Offenbach. „Dafür brauchen wir Bürgschaften.“

„Die Leute sind total verunsichert und extrem angespannt“, berichtete Betriebsratschefin Roßel. Während vor allem junge, hoch qualifizierte Kräfte sich nach anderen Jobs umsähen, würden andere vor Sorge krank. „Wir müssen endlich wissen, wie es weitergeht.“ Ziel sei weiterhin, möglichst viele Jobs zu retten. „Jeder, der gehen muss, ist einer zu viel.“

Betriebsrat und IG Metall entwickeln auch ein eigenes Konzept zur langfristigen Weiterführung der Produktion von Roland-Bogendruckmaschinen in Offenbach, das in die mögliche Transfergesellschaft eingebracht werden soll. „Wir wollen uns nicht wieder wie in den vergangenen Jahren von einem Personalabbau zum nächsten hangeln“, sagte Roßel: „Mit eigenen Ideen suchen wir eine langfristige Perspektive.“

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