Tod zweier Männer in Hanau und Offenbach

Obdachlose wollten keine Hilfe

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Mit Blumen und Kerzen erinnern Menschen in Hanau an den toten Obdachlosen Armin.

Offenbach/Hanau - Der Tod von zwei Obdachlosen in Offenbach und Hanau berührt viele Menschen in der Region. In den Sozialen Netzwerken kursiert eine Debatte über den Umgang mit Menschen am Rande unserer Gesellschaft. Von unseren Redaktionen

„Jetzt bist Du in einer besseren Welt“, heißt es da etwa nach dem Tod von Klaus T. in Offenbach. Oder: „Der Staat macht Millionen Umsätze und gibt den Herrn netma ein Dach überm Kopf... kaputte Welt.“ Doch Peter Weigand, Leiter des Offenbacher Ordnungsamts, weist darauf hin, dass der Anfang der Woche Verstorbene die Hilfe der Behörden und sogar eine angebotene Wohnung abgelehnt hatte: „Wenn jemand freiwillig obdachlos ist, können wir nicht zwangsweise eingreifen.“ In kalten Nächten fahren Streifen regelmäßig die Aufenhaltsorte von Wohnungslosen ab. Bei Klaus T. war dies vor drei Jahren anfangs der Mathildenplatz, zuletzt kampierte der 57-Jährige auf dem Maindamm.

Sobald den Ordnungsbeamten der gesundheitliche Zustand des Wohnungslosen, im Winter etwa starke Unterkühlung, Sorgen macht, rufen sie den Notarzt. Auch bei T. war dies zeitweilig der Fall. „Dann verbrachte er mal eine Nacht im Krankenhaus, aber er kehrte am nächsten Tag wieder zurück auf die Straße“, sagt Weigand. „Wir können ja niemanden in eine Wohnung einschließen.“ Die Hilfe von Bürgern sei unablässig für diese Arbeit des Ordnungsamtes, betont der Leiter: „Wir können nicht jeden Winkel der Stadt im Blick haben.“ Auch bei Klaus T. waren es Anwohner, die seine Anwesenheit meldeten und den Mann selbst mit heißen Getränken und Lebensmitteln versorgten. Laut dem Ordnungsamts-Chef war der Verstorbene der einzige bekannte Obdachlose in der Stadt, der dauerhaft „auf der Straße“ lebte und nachts nirgendwo einkehrte.

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Eine beliebte Anlaufstelle für Wohnungslose in Offenbach ist die von der Diakonie betriebene Teestube in der Gerberstraße. „Hier hat man sich an Regeln zu halten“, betont Petra Heck, die seit 15 Jahren dort tätig ist. In den Räumen herrscht ein striktes Rauch- und Alkoholverbot, es gibt feste Öffnungszeiten. Für Klaus T. waren die Regeln einer Notunterkunft nach eigener Aussage Grund genug, um lieber auf sich gestellt zu bleiben. „Solche Fälle kommen sehr selten vor“, sagt die Teestuben-Mitarbeiterin. Die meisten wüssten das offene Angebot zu schätzen. Neben dem Tagesaufenthalt gibt es zurzeit neun Plätze für Kurzübernachter. T. habe lange Zeit vor der Einrichtung kampiert, ohne das Angebot anzunehmen. „Diesen Willen respektieren wir“, sagt Heck, „auch, wenn es uns sehr schwer fällt.“

Ortswechsel. Am Mittwochfrüh war der 46-jährige Armin tot in einer Passage an der Fahrstraße in Hanau gefunden worden. Er war stadtbekannt, saß oft in der City, fütterte Tauben und wird als liebenswert beschrieben. Aber auch das wird kolportiert: Er soll viel zu viel Alkohol getrunken haben. Auch gestern bekräftigte eine Sprecherein der Stadt Hanau nochmals, dass Armin nicht erforen sei, wie teilweise spekuliert wird. Auch die Polizei geht von einer natürlichen Todesursache aus.

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Die Hanauer Sozialbehörden hatten nach eigenen Angaben seit August letzten Jahres vielfach Kontakt mit dem Obdachlosen. Mehrfach habe man ihm Hilfe und Unterbringung angeboten, so eine Stadtsprecherin. Dagegen habe sich der Mann allerdings stets gewehrt. Zuletzt habe man ihn ein paar Tage vor seinem Tod kontaktiert. Am Dienstag sei Armin nochmals vom sozial-psychiatrischen Dienst begutachtet worden, so Sozialdezernet Axel Weiss-Thiel. Man habe keine Gefährdung festgestellt. Mittwochfrüh gegen 6.25 Uhr habe ein Mitarbeiter der Straßenreinigung noch mit dem Obdachlosen geredet, so die Sprecherin der Stadt. Eine knappe Stunde später wurde der Mann tot in der Fahrstraße aufgefunden.

Dass ein Obachloser keine Hilfe annahmen wolle, sei schwer zu akzeptieren, wird Julius Reitz von der Ökumenischen Wohnungslosenhilfe Franziskushaus zitiert. Aber man könne niemanden entmündigen, nur weil er auf der Straße leben wolle. Das Franziskushaus bietet unter anderem 15 Plätze in einer Herberge und drei Plätze in einer Notschlafstelle, die bei Bedarf erweitert werden können. Unabhängig vom Tod des 46-Jährigen hatte der Verein „Straßenengel“, der sich um Obdachlose in Hanau kümmert, bereits Anfang März gefordert, dass die Hilfsangebote für Obdachlose verbessert werden müssten.

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