Aus dem Häuschen

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Nicht jeder Arbeiter, der an Haltestellen anrückt, muss Vandalismusschäden heilen. Beim Häuschen an der Waldstraße beispielsweise war gestern Frühjahrsputz und Neuanstrich.

Offenbach ‐ Eben noch ein Wartehäuschen, jetzt schon ein Scherbenhaufen: Könnten Bushaltestellen schreien, Offenbach würde manchmal nicht mal mehr den Fluglärm hören. Und Anfang dieser Woche hätte ein ganzer Chor aus Schmerzenslauten die Stadt wohl eine halbe Nacht wachgehalten. Von Marcus Reinsch

Zehntausende Scherben an einer Handvoll gläserner Unterstände in der Eberhard-von-Rochow- und entlang der Waldstraße Richtung Innenstadt zeugten am nächsten Morgen davon, dass wieder einmal mindestens ein Zeitgenosse mit zerstörerischem Eifer unterwegs gewesen ist.

Der Schaden ist immens, der Ärger nicht nur bei Busfahrgästen groß, die in den Häuschen normalerweise Schutz vor Wind und Wetter finden. Auch Stadtsprecher Matthias Müllers Stimmung ist getrübt. Die 130 Häuschen gehören zwar nicht der Stadt, und auch der naheliegende Gedanke an die Offenbacher Verkehrsbetriebe ist nicht richtig. Der Kultur in Offenbach gehe aber trotzdem mit jeder von Randalierern heimgesuchten Haltestelle Geld flöten.

Ein erstmal seltsamer Zusammenhang, aber ein erklärbarer. So kommt‘s: Im Gegenzug für das Recht, die Werbeflächen zu vermarkten, übernimmt die zur Ströer AG zählende Deutsche Städtemedien GmbH die Kosten für Anschaffung, Montage, Reinigung und Reparaturen der 130 Offenbacher Wartehäuschen. Das Unternehmen beteiligt die Stadt auch am Gewinn der Werbeeinnahmen. Und dieser unter anderem für große Renommierveranstaltungen wie Lichter- und Mainuferfest auszugebende Überschuss, erklärt Stadtwerber Müller, verringere sich zwangsläufig, wenn Ströer Rechnungen für die Heilung von Vandalismusschäden zahlen muss.

Ein statistischer Zerstörer-Schwerpunkt, erklären Müller und der Ströer-PR-Manager Stefan Karpenstein, sei Offenbach trotz der jüngsten Serie nicht. Es gebe nunmal „immer wieder irgendwelche Besoffenen, die Haltestellen entlang ganzer Straßenzüge zerstören“, bedauert Müller. Anzeige wegen Sachbeschädigung werde natürlich gestellt. Und sollte mal einer dieser sehr effektiven Einzeltäter erwischt werden, wird‘s teuer. Die Rückseiten und flachen Plakatvitrinen der Häuschen bestehen aus extrem stabilen Sicherheitsglas, das sich eigentlich nur mit hoher krimineller Energie und einem Hammer zertrümmern lässt, den man nicht im Ramschregal an der Baumarktkasse findet. Eine einzelne Scheibe kostet je nach Größe 150 bis 2000 Euro.

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