In Frankfurt ohne Vergleich

Hafen 2: 1000 Besucher strömten ins neue Domizil

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Während das Außengelände noch den Charme des Unfertigen verströmte, funktionierte die Technik im Neubau bereits.

Offenbach - Nach langem Tauziehen ist das Kulturzentrum Hafen 2 umgezogen. Die Eröffnung des Neubaus wurde mit einem großen Fest begangen. Von Claus Wolfschlag

Groß vor allem durch die Zahl der Besucher, die den Maifeiertag nutzten, einen Blick in die Halle zu werfen, sich an Getränken zu laben oder sich in einen der Liegestühle fallen zu lassen, um drei Indie-Bands auf der Bühne zu lauschen.

New Found Land, Ofrin und Mio Myo hießen diese, ihre Klänge hallten laut über die Köpfe und das recht unfertig wirkende Gelände. Das Wetter war sonnig, doch die regnerischen Vortage hatten Spuren hinterlassen: Der aufgeweichte Boden, teils strohbedeckt, hinterließ Matsch auf Ausflüglerschuhen.

Von den Plänen zur Gestaltung des Geländes berichtete Stadtverordneter Lutz Plaueln. Eine Dünenlandschaft ist geplant, deshalb wurde ein Sandhaufen vom alten Gelände rübertransportiert. Gesäter Rasen war provisorisch mit Zäunen abgesichert. Ist alles fertig angelegt, sollen bald Schafe und Gänse die Wiese neben dem Gebäude bereichern sowie Fische im nahen Wasser laichen.

Gebäude wurde eingehend inspiziert

Das Gebäude wurde eingehend inspiziert. Es ist kleiner als der alte Lokschuppen, fehlt doch beispielsweise das komplette Obergeschoss. Auch ist die Architektur billiger – doppelte Metallverschalung mit Dämmschicht statt gemauerter Wände. Ein Besucher witzelte: „Die wuchtigen Wohnneubauten im Hafen haben ja bereits ihren Spitznamen bei vielen – ,Kraft-durch-Freude-Bad’. Den neuen Hafen 2 nennt man ,Waschstraße’.“ Das ist ein bisschen übertrieben, denn die Halle weist, zum Beispiel durch die Metallträger als Gliederungselement, durchaus Ähnlichkeiten mit der alten auf. Während die Bühne zur Längsseite platziert ist, liegt die Filmleinwand aus praktischen Gründen quer. Das kleine Café hat Mainblick und durchaus gemütlichen Charme. Beide Gebäudeteile sind durch ein kleines Foyer mit Toiletten, Duschen und Gang verbunden.

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Während sich im Café teils lange Schlangen vor der Theke bildeten, wurde die Halle mit einer nur aus gesprochenem Wort bestehenden Performance der Städelschülerin Lina Hermsdorf eingeweiht. Von Mythos und Logos, Urknalltheorie und Rückkehr als Bedingung neuen Anfangs sprach vom Band ihre zwölfjährige Schwester, um zum Neubau überzuleiten. Im Anschluss wurde eine kurze Filmsequenz eingespielt. Zu sehen waren ein Frankfurter Fabrikgebäude verlassende Arbeiter. Offenbar sollten die Bilder primär die neue Leinwand technisch präsentieren.

Mit dem Fahrrad angereist

Viele der etwa 1000 Besucher waren mit dem Fahrrad angereist, hatten Hund und Kind mitgebracht. Zufrieden zeigte sich Mitbetreiberin Andrea Weiß, wenngleich sie erklärte, keine Zeit zum Nachdenken gehabt zu haben, was sie am Maifeiertag eigentlich erwarte. Seit Anfang März laufen Restarbeiten am Bau, noch immer wird an der Elektrik gewerkelt. Bis Ende April liefen Veranstaltungen im alten Domizil, so der „Mayday“-Tanz in den Mai. „Der Umzug ist deshalb eher ein fließender Übergang. Erst heute haben wir das Geschirr und die Getränke herübertransportiert“, berichtete Weiß.

Der neue Hafen 2 ist ein wenig wie der alte. Veranstaltungen beginnen unpünktlich, alles läuft etwas chaotisch und verströmt bisweilen den Charme des Provisorischen. Alexander und Annette, aus Frankfurt zum Eröffnungsfest gekommen, schienen gerade davon angetan: „Die Kombination ist doch einmalig. Die Location am Wasser, die guten Konzerte. Man kann eigentlich blind hingehen, immer stimmt alles. Dazu gibt es kein Pendant in Frankfurt!“

Fest zur Eröffnung der Hafentreppe

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