Das Zittern ist vorbei

Hafen 2: Schiffchen für den Umzug

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Die Vorfreude auf Konzerte in der neuen Halle ist groß bei Spendern und (politischen) Unterstützern (Mitte: Andrea Weiß).   J Fotos:

Offenbach - Andrea Weiß kann es noch immer nicht so recht glauben: 800 Meter weiter flussabwärts steht, worauf die Vorsitzende des Betreibervereins suesswasser e. V. und unzählige Mitstreiter jahrelang mit vollem Eifer hingearbeitet haben. Von Fabian El Cheikh

Mit immer neuen Rückschlägen und einer bis zuletzt auf eher wackeligen Beinen stehenden Finanzierung. Nun ist doch noch alles gut gegangen, ist wahr geworden, was so viele in der Stadt angezweifelt haben. Nicht mehr in der alten Patina, wie Oberbürgermeister Horst Schneider bei der Schlüsselübergabe des Gebäudes gestern einräumte, wohl aber an einem „ungleich attraktiveren Außengelände“ steht der neue Hafen 2 – „das Sahnehäubchen eines neuen Zentrums für das widersprüchliche und heterogene urbane Leben in dieser Region“.

In nur zehn Monaten ist der anthrazitfarbene Containerbau in direkter Nachbarschaft zu weiteren Hotspots der Offenbacher Freizeitlandschaft – MTW, Robert Johnson, Ruderverein Wiking – entstanden. Gemeinsam mit dem OB, OPG-Geschäftsführerin Daniela Matha und den Vorsitzenden von suesswasser feierten einige geladene Spender diesen wichtigen Tag für das überregional renommierte Kulturprojekt.

Als Zwischennutzung angedacht

Was einst als Zwischennutzung angedacht war, betonte Matha, die für die Offenbacher Projektentwicklungsgesellschaft (OPG) die Entwicklung des Hafengebiets forciert, habe sich nun institutionalisiert und nehme das spätere Leben im künftigen neuen Stadtteil vorweg. „Auch wenn witterungsbedingt das Freigelände noch eine Baustelle ist, kann man die Qualität des neuen Standorts bereits erkennen.“ Einen sichtbaren Beitrag hierfür leistete das verantwortliche Architekturbüro, das Andrea Weiß den ersten Strauch überreichte: eine gelb blühende Zaubernuss, die in den Wintermonaten blüht.

Großes Lob heimste bereits das Café im neuen Gebäude ein, dessen Panoramafenster einen großartigen Blick auf den nur wenige Meter entfernt vorbeifließenden Main eröffnen. Bis Mai soll die Inneneinrichtung vollendet sein. „Die Möbilierung wird aus dem alten Hafen 2 mitziehen“, sagte Weiß mit Verweis auf den eng gesteckten finanziellen Rahmen. „Für Neues fehlen uns die Mittel.“

Überhaupt – das Geld

Überhaupt – das Geld. An dessen Mangel wäre der Umzug des von vielen, nicht nur Offenbachern, so lieb gewonnenen Kulturzentrums beinahe gescheitert, wäre es nicht zu einer beispiellosen Spendenbereitschaft von Kulturliebhabern aus der ganzen Region gekommen. Die Mitglieder des Betreibervereins suesswasser sammelten bei ihren Unterstützern in nur zwölf Wochen rund 230 000 Euro und nahmen ein Darlehen in Höhe von 80 000 Euro auf, um den Neubau zu ermöglichen. Mit dieser Summe leistete der Verein eine Mietkostenvorauszahlung an die Mainviertel GmbH – der Grundstückseignerin des Offenbacher Hafens, die dann die restlichen Baukosten in Höhe von 500 000 Euro vorfinanzierte.

Alles zum Neubaugebiet Hafen lesen Sie im Stadtgespäch

Die Segel streichen muss der Hafen 2 am bisherigen Standort aufgrund der groß angelegten Bebauung des Hafenviertels. Noch gibt es Konzerte und Hafenkino am alten Ort, ab 1. Mai öffnet der Spielbetrieb im neuen Gebäude, das mindestens 20 Jahre lang von suesswasser genutzt werden kann. Allein die Kunstausstellungen werden bis Jahresende weiterhin im Lokschuppen zu bewundern sein. OB Schneider freut sich schon jetzt darauf, wenn Besucher „hier chillen und 2014 gemeinsam die Fußball-Weltmeisterschaft gucken“.

Schiff ahoi, Hafen 2!

Zu den zahlreichen Unterstützern, erinnerte Andrea Weiß, gehörten auch Lutz Plaueln (SPD), der während der Bauarbeiten immer mal vorbeischaute und den Beteiligten Mut zusprach sowie der ehemalige ESO-Chef Joachim Böger, der wie OB Schneider und Oliver Stirböck (FDP) die Spendenkampagne tatkräftig unterstützte und dem Verein für das eingegangene hohe unternehmerische Risiko Respekt zollte. „Hier wird mit wenig Geld sehr hohe Qualität abgeliefert“, so sein Lob. Und auch Tarek Al-Wazir (Grüne) schritt zur Tat: Er veranlasste die Installation einer Photovoltaik-Anlage auf dem Dach, „damit zusätzlich jeden Monat Geld reinkommt.“

Für die bevorstehende Umzugskampagne haben sich die Macher etwas Kreatives einfallen lassen: Aus einem in sich perforierten Poster können Besucher kleine Schiffchen falten, am alten Standort zu Wasser lassen und am neuen wieder herausfischen. Schiff ahoi, Hafen 2!

Neugestaltung am ehemaligen Hafen

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