Hafen 2-Umzug: „Wir sehen eine Finanzlücke“

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Das Kulturzentrum muss im kommenden Frühjahr seinen Platz, den Lokschuppen am Offenbacher Hafen, verlassen.

Offenbach - Ein schwedisches Sprichwort bringt es auf den Punkt: „Um sich im Hafen wohlzufühlen, muss man die raue See befahren haben.“ Auf rauer See befindet sich bereits der Kahn des Hafen 2. Von Fabian El Cheikh

Bekanntermaßen muss das Kulturzentrum im kommenden Frühjahr seinen angestammten Platz, den Lokschuppen am Offenbacher Hafen, verlassen. Und eine Zukunft hat es nur, wenn der Hafen 2-Betreiber „suesswasser e. V.“ genügend Spenden verzeichnet, um in einen Neubau am Goethering ziehen zu dürfen.

Die Weichen für den Neubau sind gestellt, seit in der vergangenen Woche die Stadtverordneten grüne Flagge gehisst haben für einen Pachtvertrag zwischen Stadt und der Mainviertel GmbH. Will heißen: Der Hafenentwickler darf nun auf einer bislang ungenutzten rund 5740 Quadratmeter großen Grünfläche zwischen den Tennisplätzen der Wiking und dem Nordring/Ecke Goethering ein neues Heim für den Hafen 2 bauen.

30 Jahre lang kostenlos nutzen

Das Gelände am Mainufer darf die Mainviertel 30 Jahre lang kostenlos nutzen, solange sie keine „betriebswirtschaftlichen Überschüsse“ erzielt. Andernfalls behält sich die Stadt vor, ein Nutzungsentgelt zu erheben.

Nach dieser Entscheidung mag das Kulturzentrum nun zwar wieder Land sehen, ob es aber je in den sicheren Hafen wird segeln können, ist nach wie vor fraglich. Vor allem die CDU-Fraktion, die sich durch Abwesenheit im Stadtparlament einer Abstimmung entzogen hatte, hält die Umstände des Umzugs und seiner Finanzierung für einen Skandal.

CDU-Stadtverordneter Dominik Mangelmann sieht das Spendenaufkommen alles andere als gesichert: „Die Übertragung des Grundstücks wurde durchgewinkt, obwohl bislang nicht genügend Spenden eingegangen sind.“

Spendenaufkommen liegt bei mehr als den geforderten 330.000 Euro

Zwar liegt das Spendenaufkommen laut „suesswasser“ inzwischen bei etwas mehr als den geforderten 330.000 Euro (Stand vom 6. November) und erfüllt damit auf den ersten Blick die Vorbedingung, damit die Stadt weitere 500.000 Euro für den Neubau vorfinanziert. Auf dem Spendenkonto sollen sich aber gerade mal etwas mehr als 170.000 Euro befinden (Stand: ebenfalls 6. November). „Da sehen wir eine Finanzlücke“, betont der CDU-Fraktionsvorsitzende Peter Freier.

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Die Diskrepanz ergibt sich aus den Zusagen zweier Brauereien, die erst nach Abschluss eines Mietvertrages zwischen „suesswasser“ und Mainviertel vertraglich festgehalten werden sollen. Sprich: Geld fließt erst danach und unter der Bedingung, dass der Hafen 2 eine bestimmte Menge von Getränken pro Jahr abnimmt. Zu hoch, zu unrealistisch sei diese, urteilt die CDU.

Skandalträchtig sei auch, dass das angeblich „wertlose“ Grundstück der Mainviertel kostenlos zur Verfügung gestellt werde. „Das ist Vermögen der Stadt, und bislang ist nicht klar, ob das Regierungspräsidium dem überhaupt zustimmt“, so Freier. Immerhin gewinne das Gelände an Wert, sobald es bebaut sei.

Auch die Mainviertel sieht die Bedingungen bislang als nicht erfüllt an. Geschäftsführerin Daniela Matha: „Wir bauen erst, wenn wir das Geld oder eine schriftliche Zusicherung dafür erhalten haben.“ Sollte der Hafen 2 am Ende doch nicht anlegen, könne das Gelände auch einem anderen Verein zur Verfügung gestellt werden.

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