Bewegung am Hafen

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Freuen sich über die Einigung für den neuen Hellas-Standort: Ulrich Lemke (OPG-Projektleiter), Peter Dinkel (Mediator, Sportkreisvorsitzender), Walter Scheller (Hellas), Oberbürgermeister Horst Schneider, Bürgermeister Peter Schneider, Daniela Matha (OPG-Geschäftsführerin), Architekt Jörg Knappheide, Dr. Bernd Hübinger (Hellas-Vorsitzender) und Dieter Roos (Hellas).

Offenbach - Da ist Bewegung drin, obwohl am Offenbacher Hafen kaum noch Schiffe an- und ablegen. Stattdessen werden ganze Vereine umgesetzt. Von Martin Kuhn

Der Verein suesswasser erhält für Konzerte, Ausstellungen und mehr ein neues Domizil am westlichen Ende des Nordrings, das im Mai bezogen wird. Dort findet ebenfalls der Ruderverein Hellas ein neues Zuhause. Der Baubeginn ist für September geplant. Wie der Grundstücks-Poker hinter den verschlossenen Türen genau abgelaufen ist, wird wohl nie öffentlich werden. Immerhin strahlen beim Fototermin die Beteiligten. Das lässt den Schluss zu: Es ist wohl für alle ein ganz passables Geschäft.

Die Hellas war den Hafenplanern lange Zeit im Weg, ihr Bootshaus sollte eigentlich bereits vor fünf Jahren verschwunden sein. Aber die Ruderer bewiesen auch an Land Ausdauer; schließlich konnten sie einen Erbpachtvertrag mit einer Laufzeit bis 2030 vorweisen. Zudem war es ein Fehler der Politik, die Frage der Bootshaus-Verlagerung mit einer engeren Zusammenarbeit der lokalen Rudervereine zu verknüpfen. Das ging einigen Athleten wohl zu weit und zu forsch.

Schematisch die Entwicklung am Hafen. Gelb und nicht maßstabgetreu dargestellt sind bisherige (rechts) und künftige Hellas-Heimat. VERGRÖSSERTE ANSICHT

Inzwischen haben sich Stadt, Ruderverein und Offenbacher Projektentwicklungsgesellschaft (OPG) auf „konkrete nächste Schritte“ verständigt. Im vergangenen Jahr prüften die Beteiligten gemeinsam alternative Standorte und Varianten fürs neue Hellas-Areal am Fluss. Der gefundene Kompromiss: Ab Herbst entsteht das neue Bootshaus zwischen dem neuen Hafen2-Areal und der SG Wiking. Derzeit wird ein Vertrag vorbereitet. Der beinhaltet etwa Baubeschreibung, Raumplanung, Zeitraum der Verlagerung und ähnliche Fakten. Dass der Hellas-Umzug noch scheitern könnte, wird als eher unwahrscheinlich betrachtet. Offen ist indes, ob es im Bootshaus weiter Gastronomie geben wird.

OPG-Geschäftsführerin Daniela Matha betrachtet das heutige Hellas-Areal (auf der obigen Grafik gelb gezeichnet) keinesfalls als „Schlüssel-Grundstück“. Sie sagt jedoch: „Der erste Bauabschnitt wäre ohne es nicht vollständig.“ In diesem ersten Abschnitt stehen aktuell noch vier Parzellen zum Verkauf – zwei davon auf dem bisherigen Ruderer-Domizil. Besondere Eile spürt sie bei der Vermarktung nicht, „schließlich kommen die beiden vorgesehenen Hochhäuser zum Schluss“. In diesem speziellen Segment sei den Investoren das Umfeld wichtig: „Was steht links und rechts?“

Offenbar gibt es mehrere Interessenten, die diese 17- und 18-geschossigen Häuser bauen möchten. Matha freut sich daher über die Einigung mit dem Verein: „Jetzt können wir in konkrete Verhandlungen treten.“

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Der neue Standort der Hellas liegt zwischen dem Areal der Kulturhalle Hafen2 und dem Wiking-Gelände. Dort entsteht das neue Gelände des 112 Jahre alten Klubs inklusive aller für den Betrieb eines Wassersportvereins notwendigen Einrichtungen. Der Bau wird aus den Grundstücksverkäufen am Hafen finanziert. In der abgestimmten Projektkalkulation ist ein Budget von einer Million Euro dafür vorgesehen. Nach Mathas Ansicht ist ein idealer Ort gefunden: „Es passt. Dort konzentriert sich künftig das Freizeitangebot.“

Nach Ansicht von OB Horst Schneider sind die Verhandlungen zwischen OPG und Hellas äußerst professionell gelaufen – „zum Wohl aller Beteiligten“. Der Verein finde gute Voraussetzungen für den Rudersport, „und die Vermarktung des Quartiers geht wie geplant weiter“. Hellas-Vorstand Dr. Bernd Hübinger bestätigt die „auf Augenhöhe“ geführten Verhandlungen. Für ihn war der Prozess ein Geben und Nehmen. „Durch den Umzug geben wir ein gutes Stück unserer Geschichte auf und ein Vereinsgelände, das wir so nicht wieder bekommen werden. Das fällt uns natürlich nicht leicht, aber wir wollen ein so wichtiges Projekt wie die Weiterentwicklung des Hafens nicht behindern.“

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