Hessens erste stationäre Radzählstelle

Schon 7000 Radfahrer in einer Woche

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Daniela Matha, Geschäftsführerin der OPG, und Oberbürgermeister Horst Schneider haben sich gleich mal statistisch erfassen lassen. Die 2,3 Meter hohe Säule zählt jeden Radler, der über ihre Messschleife rollt.

Offenbach - Wer mit dem Rad am Main entlang fährt, wird seit Neuestem erfasst. Und zwar statistisch. Am Offenbacher Hafen steht nämlich Hessens erste fest installierte Zählstelle für Fahrräder. Seit einer Woche registriert sie, gestern wurde sie enthüllt – mit erstaunlichem Ergebnis. Von Sarah Neder 

Mitten im Bauzaun-Labyrinth am Hafenviertel, an einer der erst jüngst geteerten Pisten, ragt sie zweieinhalb Meter hoch aus dem Boden: die erste stationäre Fahrradzählstelle Hessens. Gleich neben dem historischen blauen Kran zeichnet sie jeden Radler auf, der ihre Messschleife passiert. Den Standort hat die Offenbacher Projektentwicklungsgesellschaft (OPG), die für die Vermarktung des Hafens zuständig ist, nicht zufällig gewählt. Denn: Der Radweg R3 zwischen Offenbach und Frankfurt ist einer der meistbefahrenen der Region. Bei einem Pressetermin gestern Nachmittag haben Oberbürgermeister Horst Schneider und OPG-Geschäftsführerin Daniela Matha die Säule, feierlich enthüllt. Ein spannender Moment für die Initiatoren, denn unter der blickdichten silbernen Folie verbirgt sich neben der Tagessumme auch die Gesamtzahl der seit vergangenen Donnerstag aufgezeichneten Radfahrer. Und das sind nach knapp sechs Tagen bei nicht ganz idealem Radlerwetter erstaunliche 6421.

Daniela Matha betont schmunzelnd: „Das ist keine Fälschung, unsere Mitarbeiter haben hier keine Runden gedreht, um das Ergebnis aufzuhübschen!“ Die Zahlen bestätigten das allgemeine Gefühl, dass der Radverkehr in den vergangenen Jahren zugenommen habe, sagt die Geschäftsführerin der OPG.

Doch damit nicht genug: Die Daten, die die Säule erhebt, werden von der Hochschule Darmstadt ausgewertet. Ein eingebauter Computer samt GPRS-Modem schickt tägliche Statistiken an den Fachbereich Bauingenieurwesen. Dort dient die Erhebung für städtische Entwicklungsprojekte. Diplom-Ingenieur Mark-Simon Krause, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Hochschule, erläutert das Messverfahren: „Vor der Säule liegt eine Induktionsschleife im Boden. Der Rechner zählt, sobald das Magnetfeld durch Metall gestört wird.“

Die Daten erzählen den Wissenschaftlern aber nicht nur, wie viele Radler am Tag durch den Hafen sausen. „Wir können auch ablesen, wie sich das Fahrverhalten mit dem Wetter verändert“, schildert Krause. Er und Jürgen Follmann, Professor des Fachbereichs, schätzen an der Zählstelle vor allem, dass sie über lange Zeit misst. Die Kooperation zwischen der Hochschule und der OPG ist nämlich auf die nächsten drei Jahre ausgelegt. Krause verdeutlicht: „Es gibt bisher sehr wenige bis gar keine Daten zum Radverkehr. Hier bekommen wir einen repräsentativen Einblick.“

Welche Bremse sich für welches Fahrrad eignet

Den erhoffen sich auch das hessische Verkehrsministerium und der Regionalverband Frankfurt-Rhein-Main, die die Zählmaschine zusammen mit der OPG finanziert haben. Rund 20.000 Euro hat sie einschließlich Technik und Software gekostet. Daniela Matha erinnert, dass die Bedeutung der schmalen Asphalt-Spur am Hafen, der Frankfurt und Offenbach verbindet, nicht zu unterschätzen sei. „So ein Radweg ist ein Plus, auch für die Bewohner des Viertels. Immerhin sind’s von hier aus keine fünf Kilometer bis zum Römer.“ Die OPG habe bewusst schon früh einen Radweg am Hafen gebaut, so Matha. „Dadurch hat sich eine ganz andere Perspektive auf die Insel ergeben“. Die Statistik-Säule ergebe zusammen mit der geplanten Car-Sharing-Börse und einem Fahrradverleih ein Gesamtbild fürs Mobilitätskonzept im Neubauviertel.

Auch OB Schneider als bekanntester Stadtradler ist über die Eröffnung der hessenweit ersten Zählstelle am Main „happy“. Er freue sich jetzt schon über jeden Radler, der hier entlang fährt: „Offenbach ist im Aufbruch!“

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