Hafen lässt die Bilanz absaufen

Offenbach - Erneut hat ein Großprojekt der Stadtwerke Offenbach Holding (SOH) die Bilanz verhagelt: War es 2009 eine Wertberichtigung der Grundstücke im Baugebiet An den Eichen, die für ein Defizit von 314 000 Euro beim zentralen städtischen Dienstleister sorgte, schlagen bei den Zahlen für 2010 vor allem zusätzliche Aufwendungen für die Sanierung des Hafengeländes zu Buche. Von Matthias Dahmer

Satte 5,4 Millionen Mehrkosten haben sich durch eine Neubewertung der Sanierungsverpflichtung, sprich gestiegene Preise für die Entsorgung im Hafen ergeben, sagte SOH-Chef Peter Walther gestern bei der Vorstellung der Jahresbilanz.

Hinzu kommen die Übernahme der Nahverkehrsgesellschaft NiO von der Stadt und Mehraufwendungen bei der Stadiongesellschaft, weshalb die SOH für 2010 rund 6,4 Millionen Euro Miese ausweisen muss.

Als „Sondereffekte mit einmaligem Charakter“ bezeichnet Walther die das Ergebnis trübenden Zahlen. Denn eigentlich, betont er, lieferten und liefern die unter dem Dach der Holding zusammengefassten Unternehmen - mittlerweile sind es 14 an der Zahl - ein planmäßiges und stabiles Ergebnis. Er sieht deshalb in diesem Jahr „Potenzial“ für ein Plus von drei bis vier Millionen für die Unternehmensgruppe.

Was waren die dicksten Brocken?

Die dicksten Brocken, die Kernprojekte, um die sich die SOH und ihre Töchter im vergangenen Jahr gekümmert haben und von denen ihnen einige „um den Hals gehängt worden sind“, so Oberbürgermeister und SOH-Aufsichtsratsvorsitzender Horst Schneider, sind jene, die teilweise auch noch im laufenden Jahr und darüber hinaus beschäftigen werden: Hafenentwicklung, Sportzentrum Wiener Ring, Neubaugebiet An den Eichen, Sparda-Bank-Hessen-Stadion oder auch das Schulsanierungsprogramm. Als abgeschlossen darf das Projekt Erasmusschule gelten, die 4,6 Millionen gekostet hat. Hinzu kamen 2010 drei Millionen für neue OVB-Busse, weitere 1,5 Millionen steckte man in den Fuhrpark des ESO.

2011, sagt Peter Walther, kommen keine neuen Projekte hinzu. Er ist nicht unglücklich darüber. Denn: „Wir haben nicht mehr die Luft, um noch mehr zu machen.“ Weshalb vor allem die Abarbeitung der laufenden Projekt und Konsolidierung angesagt sind. Dazu gehören neben der Konzentration der SOH auf ihre Aufgaben als geschäftsführende Holding und die Verlagerung des Tagesgeschäfts in die Tochtergesellschaften auch Kostensenkungen. Etwa bei den 2010 weiter defizitären Offenbacher Verkehrsbetrieben. Bis zum Jahresende soll ausgelotet werden, wo bei den OVB gespart werden kann. Walther schließt dabei die Stilllegung von Buslinien nicht aus.

In die Entwicklung der Infrastruktur im Hafen und die Sanierung der dortigen Altlasten steckt die SOH-Tochter Mainviertel GmbH bis zum Jahr 2020 insgesamt 80 Millionen Euro. Dem stehen im gleichen Zeitraum erwartete Einnahmen von 78 Millionen gegenüber. Einen akuten Zwang zum Versilbern der Grundstücke dort sieht SOH-Geschäftsführer Walther nicht. Ein solcher habe schließlich von Anfang an bestanden. Am kommenden Montag ist Spatenstich für die ersten Wohngebäude im Hafen. 175 Wohnungen werden dort zunächst entstehen, 25 mehr als ursprünglich geplant, sagt Mainviertel-Geschäftsführerin Daniela Matha. Die Architekten hätten die Zuschnitte zugunsten kleinerer Einheiten noch einmal geändert.

ESO verzeichnet steigende Rohstoffpreise

Erfreulich ist für Peter Walther, der seit Anfang 2010 auf den SOH-Chefsessel sitzt, unter anderem die Entwicklung beim von ihm geleiteten ESO. An der Daimlerstraße verzeichnet man steigende Rohstoffpreise und konnte den Bereich der Gewerbekunden bei der Entsorgung ausbauen. Der Vertrag mit der Stadt zur Abfuhr der Glascontainer wurde verlängert, die Einführung der neuen Entwässerungssatzung hat „hervorragend geklappt“, so Walther. Zumindest für diesen Bereich kann er schon jetzt Gebührenerhöhungen ausschließen.

Weil das Wohl und Wehe der Stadtwerke-Holding eng mit dem der Stadt verknüpft ist, sieht Peter Walther mit Sorge die Situation des städtischen Haushalts. Dessen Schieflage habe Auswirkungen auch auf die SOH. So werde es zum Beispiel künftig wohl schwieriger werden, an günstige Kredite zu kommen, für die bislang etwa beim Ankauf von Bussen immer die Kommune gebürgt habe.

848 Mitarbeiter zählt die SOH, weil darunter einige in Teilzeit arbeiten, kommt man unterm Strich auf 830 Vollzeitstellen. Wegen der guten Auftragslage sagt Peter Walther, ist tendenziell mit Neueinstellungen zu rechnen.

Die Bilanzssumme der SOH beläuft sich auf rund 370 Millionen Euro, das Eigenkapital beträgt 125 Millionen, wobei die Quote durch das höhere Defizit von 38 auf knapp 34 Prozent gesunken ist. Im vergangenen Jahr nahm die SOH 23 Millionen Euro neue Darlehen auf.

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