Gärten auf dem Supermarkt

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Zwischen Nordring und Hafenplatz, dem künftigen urbanen Mittelpunkt des neuen Viertels, entsteht das „Quartierszentrum“. Im Erdgeschoss der Immobilie ist ein kleines Einkaufszentrum geplant, darüber in Form von zwei Riegeln 90 bis 100 Wohnungen mit Zugang zu einem 5 000 Quadratmeter großer Dachgarten.

Offenbach - Nach der Frankfurter Wohnungsbaugesellschaft ABG hat ein zweiter Investor im Offenbacher Hafen angebissen: Die Firma Prime Properties, die zur Immobiliengruppe des Frankfurter Projektentwicklers Andrzej Lyson gehört, baut im südöstlichen Zipfel des Hafens auf einem 7226 Quadratmeter großen Grundstück am Nordring ein „Quartierszentrum“ getauftes fünfstöckiges Gebäude. Von Matthias Dahmer

Im Erdgeschoss soll ein Einkaufszentrum entstehen, die schon gefundenen Ankermieter sind ein rund 3000 Quadratmeter großer Rewe-Markt sowie eine dm-Drogerie. Besonderheit der Immobilie: Auf dem Dach der Gewerbefläche sind 90 bis 100 Mietwohnungen in Form zweier viergeschossiger Riegel an den Längsseiten geplant. Sie trennt eine rund 5000 Quadratmeter große, ebenfalls auf dem Dach vorgesehene Grünfläche, wo Gärten für die Mieter entstehen sollen.

Baubeginn ist voraussichtlich Ende 2012, die Bauzeit wird etwa eineinhalb Jahre betragen. Investor Lyson, der einst an der Rudolf-Koch-Schule sein Abi machte und bei Hellas ruderte, steckt einen „hohen zweistelligen Millionenbetrag“ in das Projekt. Dass die für den Hafen zuständige Stadttochter Mainviertel GmbH vier Millionen Euro als Kaufpreis für das Grundstück erhalten haben soll, mag Geschäftsführerin Daniela Matha nicht kommentieren.

Mehr als 70 Prozent der Flächen vermarktet

Viel lieber spricht sie davon, dass die Vertragsunterzeichnung für das „Quartierszentrum“ ein Meilenstein für die Hafenentwicklung sei. Stück für Stück zeichne sich dort urbanes Leben ab. „Mehr als 70 Prozent der Flächen im 45.000 Quadratmeter umfassenden ersten Bauabschnitt sind damit vermarktet. Wir sind voll im Zeitplan“, freut sich Daniela Matha.

Der erste Bauabschnitt, der bis 2014 fertig sein soll, liegt im Osten des rund 256.000 Quadratmeter großen Hafenareals. Er beinhaltet unter anderem 170 Mietwohnungen der ABG entlang des Mains, die 2013 bezugsfertig sein werden, eine städtische Grundschule samt Kita und Sporthalle auf dem Gelände, wo derzeit noch der Kulturschuppen Hafen 2 steht, sowie das gestern vorgestellte „Quartierszentrum“.

Zum ersten Bauabschnitt gehört aber auch die ungelöste Frage, was mit dem Ruderverein Hellas geschieht, dessen Vereinsgelände den Plänen im Wege steht. Klar ist: So wie es ist, kann es nicht bleiben. Ragt doch das Hellas-Grundstück in den künftigen zentralen Hafenplatz hinein, sind am Standort des Vereinsheims zwei Neubauten geplant. Oberbürgermeister Horst Schneider weist darauf hin, dass es Ideen gebe, den Ruderclub im Quartier zu halten. Im Übrigen setzt er darauf, dass die Lösungsvorschläge, die dem Verein Anfang nächsten Jahres präsentiert werden sollen, in ein Ergebnis münden. Allerdings müssten angesichts der Finanzlage der Stadt wohl beide Seiten Abstriche hinnehmen. Auch Andrzej Lyson, der ebenfalls schon Gespräche mit seinem früheren Verein geführt hat, ist überzeugt davon, dass für Hellas eine Lösung gefunden wird.

„Eine richtig gute Bescherung“

Für Schneider ist der Vertragsabschluss mit dem zweiten Frankfurter Investor so kurz vor Weihnachten „eine richtig gute Bescherung“. Sein dickes Lob gilt der Offenbacher Projektentwicklungsgesellschaft (OPG), die für die Vermarktung des Hafens verantwortlich ist und deren Geschäftsführerin ebenfalls Daniela Matha ist.

Investor Lyson schwärmt von der einmaligen Lage des neuen Viertels am Hafenbecken, wo Wohnen an beiden Seiten des Wassers ermöglicht werde. Weil so etwas sehr selten sei, habe er sich dazu entschlossen, dort zu investieren.

Sein Problem bei der Planung des „Quartierzentrums“: Ungestörtes Wohnen trotz darunterliegendem Gewerbe zu ermöglichen. Gelöst wird der Konflikt dadurch, dass die Anliefer-Zone der Geschäfte komplett eingehaust und somit der Lärm geschluckt wird. Dass das funktionieren kann, hat Lyson bereits am Frankfurter Riedberg bewiesen, wo bis 2017 ein neuer Stadtteil wächst. Ein Teil des dortigen Riedberg-Zentrums ist ähnlich konzipiert wie sein Vorhaben im Offenbacher Hafen.

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