Lotse verzweifelt gesucht

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Ratlos ist man zwar nicht am Mittwochabend im Hafen 2. Doch eine konkrete Handlungsanleitung für eine gesicherte Zukunft der Kulturinstitution hat auch niemand parat.

Offenbach ‐ Wenn am Ende einer Diskussion die Bildung einer Arbeitsgruppe steht, dann vermittelt das gemeinhin den Eindruck von Ratlosigkeit. Von Matthias Dahmer

Ratlos ist man zwar nicht am Mittwochabend im Hafen 2. Doch eine konkrete Handlungsanleitung für eine gesicherte Zukunft der Kulturinstitution hat auch niemand derer parat, die auf dem Podium vor Mitgliedern des Betreibervereins Süßwasser und der Presse sitzen. Und da oben befindet sich immerhin gesammelter politischer, kultureller und - in Person von Mainviertel GmbH-Chefin Daniela Matha - auch planerischer Sachverstand. Die beiden im Herbst gegeneinander antretenden Rathaus-Spitzen sind ebenso gekommen wie fünf Fraktionsvorsitzende, der Präsident der Hochschule für Gestaltung (HfG) und der Leiter des Forums Kultur und Sport.

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Schnell wird klar: Ein Weitermachen am derzeitigen Standort ist nicht möglich. Daran glauben nicht mal die Hafen 2-Macher selbst, wie Sprecher Alexander Braun gleich zu Beginn sagt. Oberbürgermeister Horst Schneider formuliert’s denn auch unmissverständlich: „Am 31. März 2012 ist an dieser Stelle Schicht im Schacht.“ Der alte Lokschuppen und seine Zwischennutzung als Kultureinrichtung stehen einer neuen Straße im neuen Stadtteil im Wege, auf der beliebten Wiese des Hafen 2 wird eine Grundschule gebaut.

Ein schon mal angedachter Neubau weiter westlich neben Wiking und MTW, auch da sind sich alle einig, ist wegen der Kosten in siebenstelliger Höhe nicht zu finanzieren. Also dann an anderer Stelle im Hafen? Das ist zumindest der erklärte Wunsch der Hafen 2-Betreiber. Sie stellen sich eine Zwischenlösung vor; so lange, bis sie an die in den Hafen umgezogene HfG andocken können. Eine derartige Gesamtlösung in einem Hafen, der sich kraft seines Kreativpotenzials vom Westhafen Frankfurt unterscheidet, hat auch HfG-Präsident Bernd Kracke im Blick.

Auf die Zwischenlösung läuft hinaus, was Grünen-Fraktionschef Peter Schneider vorschlägt und was sich auch sein Nachnamensvetter, der OB, vorstellen kann: Eine Umsiedlung in den „Hafen 19“ - das Domizil des Boxclubs. Dort könnte ein Teil der Räume im Erdgeschoss genutzt werden, zusätzlich wird eine - wie auch immer geartete - Pavillon-Lösung neben dem Club-Gebäude ins Gespräch gebracht. Die könnte mit Stiftungsgeld und privaten Sponsoren finanziert werden, meint Horst Schneider. Ohne private Geldgeber, findet auch der CDU-Fraktionsvorsitzende Peter Freier, geht gar nichts.

Nähe zu Mainmetropole ist wichtiger Aspekt

Daniela Matha gibt zu bedenken, auch der Boxclub sei eine vorübergehende Lösung. In ein paar Jahren müsse auch er der Neubebauung weichen. Zudem, warnt Matha, wird es für das Musiklokal Hafen 2 immer Konflikte mit der Wohnbebauung geben. „Eine langfristige Zukunft im Hafen 19 sehe ich nicht“, sagt die Geschäftsführerin der Mainviertel GmbH.

Sie rät den Hafen 2-Leuten, sich vielleicht auch mit anderen Standorten in der Stadt anzufreunden. Zuvor schon hat der Oberbürgermeister einige genannt: der weitgehend leer stehende Hauptbahnhof, das weitläufige Allessa-Gelände - „es gibt viele Locations in der Stadt, die sich für eine Szene wie die des Hafen 2 eignen“, so Schneider.

Dem widerspricht aus dem Publikum HfG-Professor Heiner Blum: Im Hauptbahnhof, das hätten zwischenzeitliche Projekte gezeigt, gebe es immer Konflikte mit Anwohnern. Und beim Allessa-Gelände wäre die „Schwellenangst“ der bislang im Hafen 2 zahlreichen Frankfurter Besucher zu groß, sprich: so weit fahren die nicht nach Offenbach hinein.

Die Nähe zur Mainmetropole ist auch für Alexander Braun ein wichtiger Aspekt. Weshalb er das Hafenareal auch bevorzugt. Und der Sprecher wirbt bei den Verantwortlichen um Unterstützung für den Hafen 2: „Günstiger ist Kultur in einer Stadt nicht zu haben.“ Bis zum Sommer soll die Arbeitsgruppe unter der Leitung von Daniela Matha eine Lösung gefunden haben.

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