Bauprojekt am Hafen

Wohnen auf dem Supermarkt

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So soll das Quartierszentrum am Eingang zum Hafenviertel aussehen. Über den Einzelhandelsflächen im Erdgeschoss erheben sich in zwei Gebäudezeilen die Wohnungen. Dazwischen befindet sich der große Dachgarten.

Offenbach - Baubeginn für ein Quartiersprojekt am Offenbacher Hafen. Bis Ende 2015 entsteht ein prägnantes Gebäude mit Einzelhandel, Wohnungen, Dachgarten und einer Tiefgarage. Von Matthias Dahmer 

Den Bogen von der US-Serie „Sex and the City“ in den Offenbacher Hafen zu spannen, mag gewagt sein. Völlig unmöglich ist es nicht. War doch Andrzej Lyson, Bauherr des jüngsten Vorhabens im neuen Stadtteil, in den Achtzigern mehrere Jahre mit Kim Cattrall, der kühlen blonden Samantha aus der genannten Serie verheiratet.

Ganz so viel Glamour gibt’s gestern Mittag nicht, als im Hafen bei Wasser, Currywurst, Cappuccino und gnadenloser Sonne der Spaten für Lysons Projekt gestochen wird. Der Frankfurter Architekt und Immobilieninvestor baut mit seiner Firma Prime Properties an der Einfahrt zum Hafen, gegenüber der künftigen Hafenschule, das sogenannte Quartierszentrum.

Wohnen und Einkaufen in einem Gebäude vereint

Dessen Besonderheit: Wohnen und Einkaufen in einem Gebäude vereint. Was vor einigen Jahren noch als problematisch galt, hat die Lyson-Gruppe etwa mit dem Riedberg-Zentrum in Frankfurt bereits erfolgreich umgesetzt. Nun soll auch im südöstlichen Zipfel des Hafens zwischen Nordring und Hafenplatz so gebaut werden. Bis Ende des nächsten Jahres entsteht auf dem 7 350 Quadratmeter großen Grundstück ein Gebäudekomplex mit Einzelhandelsflächen und Gastronomie auf insgesamt 5 100 Quadratmetern in einem 5,50 Meter hohen Erdgeschoss. Ankermieter sind ein Rewe-Markt und eine dm-Drogerie.

Über dem Erdgeschoß gibt es zwei in Ost-West-Richtung verlaufenden Gebäudezeilen, in denen sich in drei Normalgeschossen sowie einem Staffelgeschoss insgesamt in 97 Wohnungen (zwei, drei und vier Zimmer) befinden. Dazwischen liegt der etwa 5 000 Quadratmeter große Dachgarten, wo es auch Parzellen für die Mieter geben soll. Im Untergeschoss bietet eine öffentlich zugängliche Tiefgarage 193 Stellplätze.

Frankfurter Kollegen warnten Lyson vor dem Projekt

Lyson hatte seine Pläne bereits im Dezember 2011 der Öffentlichkeit vorgestellt. Als Baubeginn wurde damals Ende 2012 genannt. Weil der Frankfurter Architekt sein Engagement im Offenbacher Hafen aber vom Bau der Hafenschule abhängig gemacht hatte und deren Planung sich verzögerte, konnte der Zeitplan nicht gehalten werden. Lyson sagte seinerzeit bei der ersten Vorstellung des Vorhabens, er investiere einen „hohen zweistelligen Millionenbetrag“ im Hafen.

Angebaggert: Investor Andrzej Lyson (rechts) und Oberbürgermeister Horst Schneider.

Offenbach ist für ihn kein unbekanntes Terrain. In seiner launigen Rede vor dem Spatenstich erinnert sich Andrzej Lyson gestern, wie er 1961 von Krakau nach Offenbach kam. Er wohnte an der Mainstraße, machte sein Abitur an der Rudolf-Koch-Schule, ruderte bei der Hellas. Dass Lyson aus reiner Sentimentalität im Offenbacher Hafen ankert, darf bezweifelt werden. Sicher ist jedoch, dass das Bauvorhaben, vor dem ihn Frankfurter Kollegen zu Beginn gewarnt hätten, in ein den künftigen Stadtteil prägendes Gebäude münden wird.

Horst Schneider: „Riesen-Projekt der regionalen Stadtentwicklung“

Für Oberbürgermeister Horst Schneider ist es denn auch ein „Riesen-Projekt der regionalen Stadtentwicklung“. Der Verwaltungschef weist auf die übrige Bautätigkeit im Hafen hin. So wächst auf einem direkt angrenzenden Grundstück die neue Deutschlandzentrale des Saint-Gobain-Konzerns. Horst Schneider sieht mit Stolz ein Hafenviertel entstehen, welches „eine unglaubliche städtische Vielfalt“ bieten werde. Überhaupt ist für den OB gestern wieder mal „ein wunderbarer Tag“.

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