Küche, Kunst, Kino, Konzerte

Hafen 2 am Main feiert Zehnjähriges

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Kein Jubiläum ohne Torte: Die Initiatoren ließen es sich zum zehnten Geburtstag des Hafen 2 schmecken.

Offenbach - Das Abendprogramm wurde vorab nicht bekannt gegeben. So glich der Besuch des Hafen2 an seinem zehnten Geburtstags-Abend dem Griff in eine Wundertüte. Von Claus Wolfschlag 

Dass der Andrang dennoch auffallend groß war, zeugt davon, dass die Kulturinstitution als solche eine ausreichende Sogwirkung entfaltet. Gestartet wurde um 20 Uhr mit dem Überraschungsfilm „Lost in Translation“ von Sofia Coppola, der einst die junge Scarlett Johansson an der Seite von Bill Murray bekannt machte. Der Cineast Daniel Brettschneider, verantwortlich für das „Hafenkino“-Programm, hatte den Streifen bewusst ausgesucht, weil er fast zeitgleich mit der Hafen2-Eröffnung Anfang 2004 in die Kinos gekommen war: „Ich wollte eine lockere Atmosphäre zum Beginn des Abends herstellen. ,Lost in Translation‘ ist einer meiner Lieblingsfilme, und er ist auch vielen Besucher sicher gut bekannt. Insofern macht es nicht so viel aus, wenn einer zwischendurch mal mit dem Nachbarn schwätzt oder aufsteht und ein Bier holt.“

Nach dem Film betrat der einzige zuvor angekündigte Act die Bühne: Die seit 2004 in Berlin lebende australische Singer-Songwriterin Kat Frankie gab eine Stunde lang gefühlvolle Lieder aus ihrem Repertoire zum besten. „Kat Frankie ist schon einmal vor fünf Jahren bei uns aufgetreten. Ich erinnere mich, wie sie damals noch allein draußen vor unserem Bauwagen stand und kaum Zuhörer hatte. Seitdem hat sie eine richtige Karriere hingelegt“, erinnerte sich Mitbetreiberin Andrea Weiß.

Abendprogramm als Geburtstagsüberraschung

Als nächster Programmpunkt kam es bei elektronischen Klängen zu einer Bauchtanz-Einlage mit Krummsäbel durch das „Cibelle Tribal Collective“. Es folgten weitere Konzerte von „Bombee“, „Erfolg“ und dem „Action Team“, bis der Abend nach 2 Uhr mit einem DJ-Set von Aybee und Alex Braun ausklang.

Das Fest sollte einen kleinen Querschnitt durch das Tun des Hafen2 bieten, das Daniel Brettschneider mit den Worten „Küche, Kunst, Kino, Konzerte“ bündig zusammenfasste. Die Feier wurde erstmals im Neubau am westlichen Rand des Hafenareals durchgeführt. Bedingt durch die dort im Vergleich zum Vorgängergebäude bestehende größere Platznot, musste dabei nun vieles neu organisiert und improvisiert werden. Der Kamelwagen, den man vor geraumer Zeit von einer Zirkusfamilie erworben hatte, wurde zum kleinen externen Kunstraum umfunktioniert, das Café fungierte als Garderobe, während man sich im Vorraum an Kuchenstücken laben konnte. Konnte man früher Kinoinventar und Stühle in Ruhe forträumen, da Konzerte und Party in anderen Räumen stattfanden, so war nun Eile geboten, die Halle für die direkt anschließenden Auftritte herzurichten.

„Dass wir das Abendprogramm im Unklaren ließen, sollte eine Geburtstagsüberraschung für unsere Gäste sein. Zwar waren wir nervös, ob unser Konzept angenommen wird, aber das sind wir eigentlich vor jeder Geburtstagsfeier“, so Andrea Weiß.

Der Hafen2 in Offenbach wird 10 Jahre

Die Anspannung war dabei längst der Erleichterung gewichen. Zahlreiche Raucher bevölkerten bei milden Temperaturen das Außengelände. In Halle und Vorraum herrschte eine beachtliche Publikumsdichte. Bereits um 22.30 Uhr war die Besucherzahl von 500 deutlich überschritten. Vor der Tür pries Daniel Brettschneider den Streifen „Alexis Sorbas“ an, der am kommenden Freitag im „Lederpalast“ gezeigt wird. Der Erfolg der Geburtstagsfeier hatte sich auch auf seine Stimmung übertragen. „Eine angenehme Atmosphäre. Das Konzept funktioniert“, freute er sich.

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