Bald geht’s ab in den Süden

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Offenbach - Mitunter entscheiden wenige Meter über Erfolg und Misserfolg – etwa im Offenbacher Hafen. Dort plant die Stadt bekanntlich nicht nur ein neues Wohngebiet, sondern auch eine neue Grundschule. Von Martin Kuhn

Die grenzt unmittelbar an die Lärmschutzzone des erweiterten Flughafens, die „Tagesschutzzone zwei“.   Nur ein paar Meter weiter westlich wäre der Traum von der Hafenschule bereits ausgeträumt gewesen. Denn in besagter Zone darf keine „schutzbedürftige Einrichtung“ mehr entstehen – dazu zählen Kitas und Schulen. So schöpft die Stadt aus der Baubeschränkung neue Hoffnung. Für Stadtrat Paul-Gerhard Weiß ist es ein entscheidendes Argument in den Verhandlungen mit den Finanzwächtern des Regierungspräsidenten, warum es zum Neubau an dieser Stelle keine Alternative gibt.

Es würde dem Naturell des FDP-Politikers entgegen stehen, wenn er das mit einer durchaus berechtigten Süffisanz den Journalisten in den Block diktierte. Der nächste Schritt auf dem Weg zur neuen Schule sei der Vergabebeschluss zu Steuerung und Planung, hält er sich an Fakten. „Der Fortgang hängt jetzt an der Einzelgenehmigung des RP für unseren Haushalt.“

Änderung der Schulbezirksgrenzen

Wie wichtig dieser Neubau indes für Offenbach ist, spiegelt eine Vorlage, die Weiß dem Stadtparlament vorlegt – die Änderung der Schulbezirksgrenzen. Diese bringt, so Stadtschulamtsleiter Thomas Löhr, eine der größten Veränderungen der vergangenen 20 Jahre.

Da die Goetheschule – konstant etwa 600 Grundschüler, nach den Sommerferien vermutlich acht erste Klassen – aus allen Nähten platzt, teilt die Stadt deren Einzugsgebiet, richtet es am geplanten Hafen-Neubau aus. Das bedeutet: Jungen und Mädchen, die im nördlichen Karree des Nordends wohnen, bilden zwei Eingangsklassen, die an ganz anderer Stelle Offenbachs unterrichtet werden – am Fuß der Rosenhöhe in der Anne-Frank-Schule.

Das greift schon fürs neue Schuljahr 2012/13: Per Bus (Ausschreibung erfolgt) werden die ABC-Schützen in Offenbachs Süden gebracht und abgeholt. Dafür ist im Nordend eine geeignete Bushaltestelle zu finden. Was allein dieser Transfer kostet, vermag der Schuldezernent nicht zu beziffern. „Fest steht: Die Stadt muss es bezahlen“, sagt Weiß, der andere Alternativen für die Grundschüler ausschließt: „Es bringt nichts, noch einen oder zwei Räume im Nordend anzumieten.“ Das sei alles wenig schultauglich. Daher beschreite die Stadt diesen ungewöhnlichen Weg.

„Die sind ebenfalls rappelvoll“

Und die anderen Innenstadtschulen? „Die sind ebenfalls rappelvoll“, sagt Paul-Gerhard Weiß. Vielleicht erinnert man sich: Erst 1997 hatte die Stadt nach anderweitiger Nutzung die Wilhelmschule wieder als Grundschule neu eröffnet. Weder dort noch an der Eichendorff- oder Mathildenschule gibt es Raumreserven. Auch nicht an der Beethovenschule, die derzeit im ÖPP-Verfahren neu gebaut wird.

Dass sich an der Anne-Frank-Schule überhaupt Platz findet, ist einem anderem Bauprojekt zu verdanken. Die parallele Erweiterung der Lauterborn- und Ludwig-Dern-Schule ermöglicht die Auflösung der Außenstelle in den Osterferien: „Dann sind die Dernschüler vereint“, freut sich der FDP-Politiker. Auch aus einem anderen Grund haben sich die Verantwortlichen die Anne-Frank-Schule  ausgesucht. Sie ist vom Nordend aus günstig mit der Buslinie 104 zu erreichen. „Ideal für die Eltern“, sagt Thomas Löhr. Ein Pendelverkehr für Lehrer entfällt übrigens. Die „Goethekinder“ werden von „Anne-Frank-Lehrern“ unterrichtet. Eine entsprechende Lehrerzuweisung folgt nach den Sommerferien. Zur weiteren Detailplanung zählt beispielsweise eine Nachmittagsbetreuung.

Alles zum Wohngebiet am Hafen lesen Sie im Stadtgespräch

Läuft alles nach dem nachgebesserten Zeitplan, müssen die ersten ABC-Schützen gar nicht mehr zurück in die Goetheschule. Sie durchlaufen die vier Grundschulklassen im Offenbacher Süden. „Der Termin 2014/15 zur Eröffnung der Hafenschule ist nicht mehr zu halten“, betont Löhr.

Es gibt noch weitere Überschneidungsbezirke: So sollen Rumpenheimer Ernst-Reuter-Schüler an die Bürgeler Uhlandschule und Bieberer Geschwister-Scholl-Schüler an die Waldschule Tempelsee.

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