Fehler bei der Planung

Der weite Weg zum Klo in der Hafenkita

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In der neuen Hafenkita am Eingang des neuen Viertels läuft noch nicht alles nach Plan.

Offenbach - Nicht nur die kleinen Besucher der Hafenkita stecken noch in den Kinderschuhen. Auch die vor neun Monaten eröffnete Einrichtung befindet sich in einem Entwicklungsprozess. Anfängliche Planungsfehler müssen nun nachgebessert werden. Von Steffen Müller 

Keine Toilette im Erdgeschoss, ein Hof, der nachmittags nicht genutzt werden kann, fehlende Wickelregale – die Mängelliste, die die Mutter eines Hafenkita-Kindes erstellt hat, ist lang. Am meisten stört die Mutter eines Sohnes, der in der Gruppe der Drei- bis Sechsjährigen betreut wird, dass die Kinder gerade in den Sommermonaten nachmittags nicht draußen im Hof spielen können.

Der Grund: Da im Erdgeschoss keine Toiletten sind, wären alle Kinder gezwungen mit in den ersten Stock zu gehen, sobald eines von ihnen aufs Klo muss. Dort befinden sich nämlich die Toiletten. Da der Weg weit ist und dabei mehrere schwere Türen zu öffnen sind, muss bei einem dringenden Bedürfnis das jeweilige Kind von einer Erzieherin begleitet werden. Sobald aber eine Aufsichtsperson den Hof verlässt, kann für die restlichen Kinder draußen nicht mehr eine angemessene Betreuung garantiert werden. Dieser Zustand lässt sich einzig und alleine auf Planungsfehler zurückführen und hängt nicht mit fehlendem Personal zusammen. An der Hafenkita herrscht nämlich aktuell kein Erziehermangel.

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Im Dezernat IV von Stadtrat Paul-Gerhard Weiß, das für das Baumanagement zuständig ist, kennt man das Toiletten-Problem der Hafenkita und verspricht rasche Besserung. „Im Erdgeschoss wird auf schnellem Weg eine Kindertoilette eingebaut werden“, heißt es auf Anfrage unserer Zeitung.

Falsch aber – versichert das Dezernat – sei der Vorwurf aus der Elternschaft, die Hafenkita sei geplant worden, ohne vorher den Rat von Erziehern einzuholen. Der Eigenbetrieb Kindertagesstätten Offenbach (EKO) war beteiligt und wird es auch in Zukunft sein. Das Baumanagement räumt aber ein, dass angesichts der Größe des ganzen Projektes – Hafenschule und Hafenkita wurden gemeinsam geplant – bestimmte Probleme der Konzeption des Baus von keinem Beteiligten (Baudezernat, OPG, Architekt und EKO) erkannt wurden. „Manchmal stellt man leider Mängel erst fest, wenn der Betrieb läuft und funktionieren soll.“

Reagiert wurde auch bereits auf die Beschwerden über fehlende Wickelregale und Telefone in den Gruppenräumen. Beides wurde bestellt. Als Begründung für den holprigen Start nennt das Baudezernat nicht nur Fehler bei der Planung, sondern auch, dass durch eine hohe Krankheitsrate und Personalfluktuation Gespräche mit der Kita schwierig waren. Mittlerweile hat sich die Lage aber stabilisiert, mit der neuen Kita-Leitung tauscht sich die Stadt regelmäßig über die Konzeption aus.

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Auch wenn an der Hafenkita derzeit kein Erziehermangel herrscht, könnte sich das bald ändern. Derzeit besuchen 75 Kindergarten- und 24 Krippenkinder die Einrichtung. 16 Erzieher arbeiten in der Kita, sieben davon in Teilzeit. Zusätzlich wurden vier Nichtfachkräfte eingestellt, um zwei dauerkranke Angestellte zu ersetzen.

Den befürchteten Mangel für die Zukunft macht die Stadt daran fest, dass zwei geplante Krippengruppen noch gar nicht belegt werden konnten, weil dafür das Personal fehlt. Die Kindergartensituation ist zurzeit besser, da bis zum Spätherbst 50 Kinder aus der Sanierungskita Goethestraße in die Hafenkita ausgelagert sind und damit derzeit alle Kindergartengruppen faktisch belegt sind. Im Spätherbst müssen dann aber weitere Erzieher für zwei neue Hafen-Kindergartengruppen gefunden sein. Diese Suche gestaltet sich allerdings schwierig.

Etwas Bewegung kommt in das Vorhaben, die Kita bis 22 Uhr zu öffnen. Zwar wird immer noch Personal gesucht, aber der Magistrat hat ein Konzept abgesegnet, um die Arbeitsbedingungen in den städtischen Kitas attraktiver zu gestalten. Wie das im Detail aussieht soll, wird nächsten Donnerstag vorgestellt.

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