Eine effiziente Alternative

Hafenschule: Stadt und OPG setzen auf Geothermie-Technik

+
So sieht also eine Rohrhülse aus. Bei der gestrigen Grundsteinlegung für Hafenschule und Kita verschafft Oberbürgermeister Horst Schneider dem Schüler tieferen Einblick. Ein Teil der Bodenplatte ist eingebaut, auch erste Wände und Stützen ragen bereits in die Höhe. „Die Arbeiten sind im Zeitplan“, so Schneider.

Offenbach - Da macht selbst Grundsteinlegen keinen Spaß. Das Wetter verhagelt zwar nicht den Termin. Im Nasskalten kommt jedoch an der neuen Hafenschule gestern keine echte Jubelstimmung auf. Schade eigentlich, dass das Gebäude noch nicht steht. Von Martin Kuhn 

Am Nordring legten die Verantwortlichen gestern den Grundstein für Grundschule, Kita und Sporthalle. Heute kaum vorstellbar: Von der Straße (Hafenallee) aus gesehen, wird’s ein gut hundert Meter langer, fünfgeschossiger Gebäuderiegel.

Eine geothermische Anlage hält dort künftig die Raumtemperatur konstant – im Winter und im Sommer. Es ist Neuland für ein öffentliches Bauwerk. Magistrat, Verwaltung, Architekten, Stadtverordnete: Alle trotzen der Kälte. Entsprechend kurz sind die Reden. Zumal gestern Mittag leicht zitternd diejenigen warten, für die das alles gemacht wird, die Klassen 1a und 1b der neu gegründeten Hafenschule, im Sommer eingeschult in Containern auf dem Goetheschul-Areal. Mit den Lehrerinnen Bianca Kindermann und Maria Frost verbreiten sie musikalisch gute Laune. Während nur wenige Gäste das „Winterlied“ kennen, ist die „Weihnachtsbäckerei“ wohlbekannt. „Bitte mal zur Seite treten“, heißt es in einer Textzeile. Das ist wörtlich zu nehmen. Vor allem, als die Rohrhülse im Fundament zu versenken ist. Und klar: Da dürfen die künftigen Grundschüler nicht fehlen. Zumal alle 40 Jungen und Mädchen mit selbstgemalten Portraits von sich in der blank geputzten „Zeitkapsel“ vertreten sind. Da legen sie begeistert Hand an; auch wenn’s lediglich ein symbolischer Akt ist.

Dank des kommunalen Schulsanierungs- und -erweiterungsprogramms (in der Summe 380 Millionen Euro) sind Spatenstich, Grundsteinlegung, Richtfest und Eröffnung beinahe Routine. Das Projekt im Hafen sticht dennoch heraus. Zunächst einmal ist es seit Jahrzehnten die erste Neugründung einer Offenbacher Schule. Zudem geht die Stadt in Sachen Energiewirtschaft neue Wege – und zwar wortwörtlich, gut 100 Meter in die Tiefe. Sowohl für Kühlung als auch für einen Teil der Heizung wird erstmals bei einem städtischen Gebäude die oberflächennahe Erdtemperatur genutzt. Dazu sind in Abstimmung mit der Oberen Wasserschutzbehörde in den beiden Innenhöfen zwei Felder mit Erdwärmesonden angelegt. Für die Nutzung der Geothermie sind 30 Sonden ins Erdreich eingebracht.

Alles zum Thema Hafen Offenbach lesen Sie auf der Themenseite

Transportiert wird die regenerative Energie mit Hilfe von Sole. In erster Linie dient die Geothermie der Kühlung. 80 Prozent der etwa 11.000 Quadratmeter Nutzfläche sind mit einer Fußbodenheizung ausgestattet. Im Sommer werden die Rohre von kühlem Wasser durchspült, das einen Teil der Raumwärme aufnimmt, die dann über die mit Sole gefüllten Sonden ans Erdreich abgegeben wird. Diese Kühlung soll mit klassischen Bauelementen (etwa Schutzverglasung) die Raumtemperatur selbst während einer Hitzeperiode auf maximal 26 Grad begrenzen.

Neugestaltung am ehemaligen Hafen

Im Winter wiederum wird mittels Sonden und Wärmepumpe etwa ein Drittel der benötigten Heizwärme aus dem Erdreich entnommen. Die anderen zwei Drittel werden wie bei den anderen Gebäuden im Hafen als Fernwärme vom nahen EVO-Kraftwerk geliefert. „Wir haben nicht nur städtebaulich, sondern auch bautechnisch die beste Lösung gefunden“, so OPG-Geschäftsführerin Daniela Matha. „Die Nutzung der Erdtemperatur ist gegenüber einer aufwändigen Lüftungsanlage eine elegante und nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch effizientere Alternative.“

Es ist ein passendes Stichwort für Horst Schneider. Der Verwaltungschef erinnert erneut, dass man ursprünglich zum jetzigen Zeitpunkt bereits Kinder im Hafen unterrichten wollte. Die Schutzschirmvereinbarung mit den folgenden Nachverhandlungen führten zu einer zweijährigen Verzögerung des Projekts, das als Bindeglied zwischen Nordend und Hafeninsel dienen soll. Schneider in Richtung des Landes: „Der verordnete Sparzwang in Infrastruktur ist nicht immer der sinnvollste Weg – er kostet Zeit und Geld.“ In diesem Fall ist’s ein sechsstelliger Betrag für die Interimslösung in Schulcontainern.

Mehr zum Thema

Kommentare