Ein schöner Vorgeschmack

Neue Hafentreppe mit Fest eröffnet

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Entlang des Hafenbeckens schlendern: Was während der industriellen Nutzung verboten war, lockt nun Offenbacher zu einem Spaziergang.

Offenbach - Spaziergänger flanieren über die mit bunten Ballons geschmückte Promenade zum oberen Molenpark, beobachten von der Kaimauer aus die Sportboote. Von Harald H. Richter

Viele machen es sich mit kostenlos ausgegebenen Sitzkissen auf der wellenförmig geschwungenen Hafentreppe bequem und lassen den Blick schweifen über das auf der Insel entstehende Stadtviertel.

Das  Hafentreppenfest zieht Neugierige an. Sehr zur Freude von Daniela Matha, Geschäftsführerin der Offenbacher Projektentwicklungsgesellschaft, und Oberbürgermeister Horst Schneider. Sie unterstreichen bei der mit zahlreichen Aktivitäten verbundenen Eröffnungsfeier die im Wandel begriffene Bedeutung des nahezu 26 Hektar großen Hafenareals und betonen das Visionäre. Eine Vielfalt von urbanem Wohnen und Arbeiten soll eines Tages das Viertel ebenso prägen wie kreatives Schaffen und diverse Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung.

Vorgeschmack auf die neue Lebensart

Perfekte Schau: Boxtraining auf der neuen Hafentreppe.

Einen Vorgeschmack auf die neue Lebensart liefert das Programm des Nachmittags. Auf der Bühne spielt die Frankfurter Indie-Band Cargo City, an den Turntables beweist sich ein DJ des King Kamehameha Beach Clubs als Herr der Regler, junge Talente des im Nordend ansässigen Boxclubs Offenbach werben für ihren Sport. Die Jugendkunstschule ist mit ihrem Mobil vertreten. Offenbacher Ruderverein, Ruderclub Hellas und Kanuten des Wassersportvereins Bürgel paddeln auf die Hafentreppe zu und erweisen damit dem Markenzeichen des Areals von der Wasserseite her ihre Reverenz. An Land locken währenddessen die Ausstellung „Neue Positionen in der Malerei“ und der Cube von „Get Rich“ Kunstinteressenten in die Ölhalle.

Der neue Mainradweg, als Teil der Regionalparkroute Rhein-Main angelegt, wird bereits rege befahren. An der Kaimauer erhebt sich weithin sichtbar der rot-weiße „kleine Bruder“ des Bürgeler Mainturms. Denn Roland Lösel hat seinem Leuchtturmkonzept ein weiteres Freizeitziel hinzugefügt, um das Liegestühle, Tische und Bänke gruppiert sind. Nur wenige Schritte entfernt hat die Barkasse „Gaby“ festgemacht. Alt und Jung nutzen die Gelegenheit zur Rundfahrt.

Neu angelegter Hafengarten

Vom neu angelegten Hafengarten davor erschließt sich ein beeindruckender Blick auf die Hafentreppe und zur Mainzeile am nordöstlichen Ufer, wo die ABG Frankfurt Holding in Passivhausbauweise eine Gebäudezeile hat entstehen lassen, in der ab Herbst erste Wohnungen bezogen werden sollen. Scharenweise geben Neugierige in der zu besichtigenden Musterwohnung einander die Klinke in die Hand, lassen sich informieren oder vereinbaren Beratungsgespräche. Zudem stellen Investoren und Bauherren des ersten Entwicklungsabschnitts ihr Angebot an Mietraum und Wohneigentum vor.

Am Molenpark liegt die Schute Vita. Im Schiffsinneren ist eine Ausstellung über die Hafenentwicklung zu sehen. Seit 2008 haben Wiebke Grösch und Frank Metzger in einer als Langzeitprojekt angelegten Fotodokumentation den Wandel des Geländes vom Industriehafen zum neuen Stadtteil ins Bild gesetzt und zeigen eine Auswahl. Ihr Credo: „Unser Augenmerk liegt in dieser Übergangsphase auf den Freiräumen, die in ihrer Undefiniertheit verschiedene Möglichkeiten der Aneignung und des Ausdrucks eröffnen.“

Fest zur Eröffnung der Hafentreppe

Fest zur Eröffnung der Hafentreppe

Der obere Molenpark ist als erste Parkanlage auf der Hafeninsel bereits fertiggestellt und lädt zum Verweilen. Seine Besonderheit besteht darin, dass das Regenwasser aufgefangen, gereinigt und dem Hafenbecken zugeführt wird. Das Gefälle des Hanges ist von ebenen Flächen unterbrochen. Auf den stufenartigen Absätzen genießen Besucher Cappuccino und Espresso, frisch gemahlen und zubereitet mittels besonderer Technik. Tanja Botthoff und ihr Assistent Marius Birk aus Frankfurt präsentieren zum ersten Mal ihre mobile Kaffeebar. Das Unikat ist mit Wassertank, Kaffeemaschine und allem ausgestattet, was für die Zubereitung erforderlich ist. „Statt coffee to go lautet unser Motto eben coffee to come“, bemerkt die Chefin augenzwinkernd.

Alles zum Neubaugebiet Hafen in Offenbach lesen Sie im Stadtgespräch

Überall lockt ein leckeres Gastro-Angebot zu familienfreundlichen Preisen und macht den Nachmittagsausflug ins Hafenviertel zum erträglichen Vergnügen. Zumal mit etwas Glück auch etwas zu gewinnen ist. Für 50 Cent pro Los – die Einnahmen werden einem karitativen Zweck zugeführt – besteht die Chance auf einen fünftägigen Segelkurs für Kinder, einen Monat Boxtraining und manches mehr.

Mit einem Konzert am Hafen 2 geht die Eröffnungsfeier zu Ende. Sie hat vieles geboten, nur eins nicht: Ein flammend roter Sonnenuntergang bleibt visionär...

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