Im Hafenviertel angebissen

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Standortbestimmung: Was im ersten Bauabschnitt (farbig unterlegt) bis 2014 im Hafen realisiert werden soll, steht in Grundzügen fest. Büros (1), ein kleines Einkaufszentrum (2), Wohnungen (3) und eine Grundschule samt Kita (zwei graue U-förmige Bauten auf dem Grundstück links neben den Einkaufsmöglichkeiten). Die Gebäude der neuen Hochschule für Gestaltung, ein Projekt mit Magnetwirkung, ist neben der Schule unmittelbar am Nordring geplant.

Offenbach ‐ Es ist eine für den Offenbacher ungewohnte Vorstellung: Am Ende des Arbeitstags, beim Spaziergang oder nach dem Einkaufen einfach ein paar Stufen runter und dann die Füße im Wasser baumeln lassen. Von Matthias Dahmer

Wenn‘s läuft, wie vorgesehen, dann ist dieses mediterran angehauchte Szenario bald Wirklichkeit. Im Offenbacher Hafen, wo bis 2020 ein neuer Stadtteil entsteht. Ein gelungener Mix soll es werden. Ein Viertel, in dem man umgeben vom Wasser arbeitet, wohnt, entspannt, sich bildet, seine Freizeit genießt - kein anderes städtisches Projekt beflügelt die Phantasie von Planern und Politik mehr.

Und tatsächlich ist derzeit alles im Fluss am Fluss. Der Umbau des Verkehrsknotenpunkts an der Carl-Ulrich-Brücke ist das wohl sichtbarste Zeichen dafür, dass es im Hafen losgeht. Von Ost nach West soll sich der Stadtteil entwickeln. Im ersten von drei Bauabschnitten (auf der Skizze farblich unterlegt) wird auf 38 500 Quadratmetern bis 2014 die beabsichtigte Mischung realisiert, hofft Daniela Matha von der Offenbacher Projektverwaltungsgesellschaft (OPG), einem Tochterunternehmen der Stadtwerke Offenbach Holding, die das neue Viertel federführend entwickelt.

„Schwierig, den zu finden, der den Anfang macht.“

Noch befinden sich die verschiedenen Projekte in unterschiedlichen Stadien: Für ein kleines Einkaufszentrum am Nordring (auf der Skizze mit der Ziffer 2 gekennzeichnet) laufen die Gespräch mit einem Investor. Kurz vor dem Abschluss steht der Vertrag mit der ABG Frankfurt Holding GmbH. Der Wohnungs- und Immobilienkonzern der Stadt Frankfurt errichtet im ersten Bauabschnitt rund 100 Wohneinheiten im Hafen (Ziffer 3 der Skizze). Zum Main hin sind Mietwohnungen geplant, dem Hafenbecken zugewandt Eigentumswohnungen. Bereits sicher ist der Bau einer Grundschule auf den Parzellen neben dem Einkaufszentrum. Die Stadt trägt dort steigenden Schülerzahlen im Nordend Rechnung, versteht das Vorhaben aber gleichzeitig als Lockmittel für Neubürger.

„Es ist immer schwierig, den zu finden, der den Anfang macht“, beschreibt Daniela Matha das nicht immer einfache Geschäft der Investorensuche.

Die größte Signalwirkung erhofft man sich vom Umzug der Hochschule für Gestaltung (HfG) von der Innenstadt in den Hafen. Die Zusage des Landes, das 100 Millionen-Euro-Projekt in den nächsten zehn Jahren zu schultern, wäre ein Pfund, mit dem sich - auch gegenüber weiteren renommierten und umzugswilligen Einrichtungen - prächtig wuchern ließe. Die Entscheidung in Wiesbaden soll in den Wochen nach Ostern fallen. Vorgesehener HfG-Standort: An Nordring neben der neuen städtischen Grundschule.

Keine unliebsamen Überraschungen

„Gedämpft optimistisch“ sieht Oberbürgermeister Horst Schneider der Entscheidung über eine Klage entgegen, die sechs Frankfurter Betriebe gegen den Hafen-Bebauungsplan erhoben haben. Die auf der anderen Mainseite angesiedelten Unternehmen befürchten durch die Bebauung höhere Lärmschutzauflagen. Das Urteil des Hessischen Verwaltungsgerichtshofs in Kassel erwartet Schneider in den nächsten Wochen.

Auch der Nording wird sein Gesicht verändern: Unmittelbar an den neuen, etwa 19 Meter hohen Bauten im Hafenviertel verläuft künftig eine zweispurige Straße, die zum Nordend hin von einer für Radler reservierten Allee begrenzt wird. Zwischen ihr und der Nordend-Bebauung liegt die Anliegerstraße fürs bestehende Viertel. Für die Hafenspitze im Westteil gelten Siedlungsbeschränkungen. Sie liegt unter den An- und Abflugrouten des Flughafens, so dass dort nur Gewerbe zulässig ist.

Keine unliebsamen Überraschungen erwartet Projektleiterin Matha bei den Altlasten. Dazu gebe es 150 Gutachten, jeder Meter sei untersucht. Was tatsächlich zu beseitigen ist, wird beim jedem Bauvorhaben einzeln ermittelt, hängt von der Art der Grundstücksnutzung ab. Die Kosten teilen sich die Stadtwerke und der jeweilige Investor. Den Betrag, der schätzungsweise auf die Stadt zukommt, hat man bei der OPG zwar ausgerechnet, verraten will man ihn aber nicht.

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