Hafenviertel in Offenbach

Ein bisschen Hamburg

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Ardi Goldman: „Erst baue ich, dann suche ich die Käufer.“

Offenbach - Aus seiner Begeisterung für den Hafen macht Ardi Goldman keinen Hehl. Für Lob ist sich der Frankfurter Immobilienentwickler nicht zu schade, und sparen tut er daran auch nicht. Ebenso wenig an seinem neuen Objekt, das er wie seine anderen lieber Produkt nennt. Von Fabian El Cheikh

„Der Offenbacher Hafen ist einzigartig, da kann man wirklich noch am Wasser leben und flanieren, der Landschaftsarchitekt hat ein Kleinod geschaffen, das mit dem Westhafen nicht zu vergleichen ist“, zählt der 1962 in Frankfurt geborene Immobilienentwickler auf. Nicht dass er allein deswegen bereit wäre, ein finanzielles Risiko einzugehen. Nein, Goldman war nicht der Erste, der im neu entstehenden Hafenviertel zugriff. Dafür geht er umso entschlossener vor: Für 15 Millionen Euro errichtet er auf einem vergleichsweise schmalen und kleinen Grundstück (kaum 1400 Quadratmeter) direkt an der Hafentreppe ein sechsgeschossiges Gebäude, das in seiner Bauweise aus der Ideenschmiede „Klein und Architekten“ seinesgleichen sucht.

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Unmissverständlicher Anspruch Goldmans: „Ich baue nur, was einen Architekturpreis gewinnt!“ Kein Wunder, dass ihn Daniela Matha, Chefverantwortliche für die Entwicklung des Offenbacher Hafens, als „richtigen Investor für ein einmaliges Grundstück im Herzen des Viertels“ bezeichnet. Denn etwas von der sprichwörtlichen Stange darf es bei Goldman nicht sein. Ebenso wenig für die Stadt, die sich von dem neuen Quartier einen großen städtebaulichen Sprung nach vorn erhofft. Dessen ungeachtet hat sich Goldman lange gefragt, ob und in was er investiert. Zwei Architekturbüros legten Pläne vor – er verwarf sie. Erst das dritte Büro entsprach seinen Ansprüchen, von innen heraus zu planen. „Mir ist zuerst der Kern wichtig, der Grundriss, dann das Äußere.“

Herausgekommen ist „Luv & Lee“, so der aus dem Seglerjargon übernommene Projektname. Das Gebäude greift eine Architektur auf, die man sonst vielleicht am Hamburger Hafen verortet, nicht aber am Main in Offenbach. Es verfügt über 27 Eigentumswohnungen von 67 bis 162 Quadratmeter, einige in sogenannter Split-Level-Bauweise – einer vergessenen, expressiven Wohnform der Nachkriegsjahre, die, so Goldman, an das 1957 entstandene „Bakema-Haus“ im Berliner Hansaviertel erinnert. Übersetzen lässt sich „Split-Level“ als geteilte Ebenen. Die Stockwerke sind nicht übereinander geschichtet, sondern verschachtelt in gegeneinander versetzte Halbgeschosse, die in der Wohnungsmitte durch Innentreppen und über zwei oder drei (in den Penthäusern sogar vier) Ebenen verbunden sind. Jede Wohnung ist über einen verglasten Laubengang erreichbar und bietet einen unverbaubaren Blick auf Hafenbecken und Frankfurter Skyline. „Man wird wundervolle Sonnenuntergänge erleben“, schwärmt Architekt Björn Iser.

Neugestaltung am ehemaligen Hafen

Neugestaltung am ehemaligen Hafen

Die Wohnungen verfügen jeweils auf getrennter Ebene über ein großes bis zu 70 Prozent verglastes Wohnzimmer mit Panoramablick sowie einen großzügigen Koch- und Essbereich. „Vor allem das ist mir wichtig“, betont der Gastronomieexperte Goldman, „die schönsten Partys werden doch in der Küche gefeiert.“ Der Quadratmeterpreis steht angeblich noch nicht fest. Goldman erklärt: „Im Gegensatz zu anderen Projektentwicklern baue ich erst und suche dann die passenden Käufer.“ Um sich die Wohnräume vorzustellen, sei visuelles 3D-Denken gefragt. „Das schaut man sich besser erstmal an.“ Der endgültige Preis richte sich an den Materialien im Innenausbau, und da ist Goldman, den die FAZ jüngst als einen „Pionier und Paradiesvogel“ bezeichnete, Realist genug: So teuer wie in Frankfurt darf es in Offenbach nicht sein. „Die Inneneinrichtung wird sich auf mittlerem Niveau bewegen, das aber Individualität und Qualität verspricht.“

Noch mehr Realismus und Bodenständigkeit zeigt der Investor bei seinen Plänen für die Gastronomie, die entscheidend ist für eine dauerhafte Belebung des Viertels. Nach dem Motto „Pizza funktioniert immer“ baut Goldman das Erdgeschoss maßgeschneidert für eine Kette aus, die es hier noch nicht gibt: L’Osteria – ein von den früheren Vapiano-Gesellschaftern entwickeltes Konzept, das Goldman „demokratisch“ nennt und mit einem Preis von 7,50 bis 8,50 für eine Riesenpizza vom Kind bis zum Rentner alle ansprechen soll.

Fest zur Eröffnung der Hafentreppe

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