Barrierefreie Mieteinheiten

Hafenviertel: Rundum versorgt am Wasser

+
Im neuen Hafenviertel sollen sich auch ältere Menschen ansiedeln – in einem Haus (rot umrandet), das ihnen in Sachen Betreuung fast alles bietet.

Offenbach - „Mit unserem Wohnprojekt am Hafen wollen wir ein neues Konzept anstoßen, das auch Betreuungsformen für Menschen mit Alzheimer enthält“, sagt Pfarrer Martin Barschke. Von Harald H. Richter

Der Geschäftsführer des Evangelischen Vereins für Innere Mission Frankfurt kennt den Bedarf, denn seine Einrichtung ist seit Jahren Betreiber von betreutem Wohnen und erfahren in ambulanter sowie stationärer Altenhilfe. Etwa 800 Mitarbeiter kümmern sich bei ihr als diakonischem Träger um 1200 Menschen in der Region. Und bald auch in Offenbach. Mit der hiesigen Alzheimer-Gesellschaft um Vorsitzende Grete Steiner haben die Frankfurter einen Verein als Partner für das Projekt interessiert, der ebenfalls gezielte Betreuungsangebote etwa für demente Menschen ausarbeiten kann.

Roter Backstein und runde Ecken prägen das Wohn- und Gewerbehaus, das der Frankfurter Verein für Innere Mission betreiben will.

„Solche Offerten stellen eine spürbare Entlastung für pflegende Angehörige dar, da sie an fünf Tagen der Woche jeweils bis zu fünf Stunden den anderen in guten Händen wissen.“ Barschke bezeichnet die angedachte Wohnform in dem in Zentrallage am Hafenplatz entstehenden Gebäude als ein „Konzept von innovativem Charakter“. GSW-Geschäftsführer Armin Niedenthal und Projektentwickler Joachim Negwer nennen Einzelheiten zu dem vom Frankfurter Architekturbüro Jacoby konzipierten Wohn- und Geschäftshaus.

„Eine Wegscheide im Quartier“

„Das mehrgeschossige Objekt markiert eine Wegscheide im Quartier“, beschreibt Niedenthal die dreieckige Torhausfunktion des im Backsteinstil entstehenden Bauwerks mit abgerundeten Ecken und geputztem Innenhof. Die entstehenden 36 Zwei- bis Drei-Zimmer-Wohnungen mit großzügigen Loggien sollen zwischen 48 und 117 Quadratmeter groß sein sowie einen behindertengerechten und stufenfreien Zuschnitt erhalten, so dass sie dank breiter Türen für Menschen im Rollstuhl geeignet sind. „Den Mietern eröffnen sich attraktive Blicke zur Stadt, zum Hafen und zum Main.“ Eine Tiefgarage bietet überbreite Stellflächen für 27 Fahrzeuge, vier davon behindertengerecht. Im Erdgeschoss möchte man an der Arkadenseite mehrere Gewerbeeinheiten schaffen, unter anderem einen Friseur ansiedeln, außerdem ist ein Restaurant vorgesehen.

Alles zum Neubaugebiet Hafen in Offenbach lesen Sie im Stadtgespräch

Mit dem Baubeginn rechnet der Geschäftsführer für Frühjahr kommenden Jahres, Anfang 2016 soll das Gebäude bezugsfertig sein. Hinsichtlich des Investitionsvolumens hält Niedenthal sich bedeckt, bejaht aber die Frage, ob die Finanzierung sichergestellt sei, und nennt eine Größenordnung, den Mietzins betreffend: „Zwölf Euro pro Quadratmeter.“

Gemeinschaftsbereich im ersten Obergeschoss

Wie Monika Finger erläutert – sie ist beim Architekturbüro Jacoby für das Offenbacher Projekt zuständig –, soll im Gemeinschaftsbereich im ersten Obergeschoss eine begrünte Innenzone entstehen, die von drei Seiten Windschutz bietet und gemeinschaftlich gestaltet werden kann. Dieser Teil biete sich als Treffpunkt für die Hausbewohner an und könne für die Betreuungsarbeit der Inneren Mission genutzt werden. Barrierefrei stehe dafür auch eine etwa 75 Quadratmeter große Wohnung zur Verfügung. Grete Steiner von der Alzheimer-Gesellschaft kann sich dort kleinere Veranstaltungen vorstellen, etwa Literaturnachmittage, musisch-kreative Begegnungen oder Ähnliches.

Ziel des Wohnprojekts ist es, den unterschiedlichen Lebenslagen älterer Menschen gerecht zu werden und ihnen Unterstützung zu bieten. Daher will Pfarrer Barschke für jeden Bewohner zunächst Beratung und Betreuung in einer Art Basispaket anbieten. Dabei werde eine Bezugsperson zur Verfügung gestellt, die sich um kleinere Belange kümmert und bei der Regelung solcher Angelegenheiten weiterhilft. Etwa 30 bis 60 Euro monatlich soll dieses Grundmodul kosten.

Neugestaltung am ehemaligen Hafen

Neugestaltung am ehemaligen Hafen

Darauf basierend werden weitere Bausteine als Wahlleistungen angedient. Bei Bedarf möchte man eine Tagesgruppe aufbauen für noch intensivere Betreuung. Ein Hausnotruf ist denkbar. Über den Anbieter könnten die Mieter frei entscheiden.

„Es gibt aber auch Lebenslagen, die von den Dienstleistungen rund um das Haus nicht mehr gedeckt werden können. Das ist etwa bei schwerwiegendem Pflegebedarf der Fall“, räumt Barschke ein. „Dann haben wir die Möglichkeit, den Betreffenden im nicht allzu weit entfernten Elisabeth-Maas-Haus, das als stationäre Pflegeeinrichtung von uns betrieben wird, zu betreuen.“

Kommentare