Haft wegen Diebstahls

Offenbach (tk) ‐ Der eigentliche Fall liegt mehr als zweieinhalb Jahre zurück: Im März 2007 wurde der Rentner Werner Eschmann tot in seiner Badewanne aufgefunden. Vier Wochen später meldete die Polizei eine Festnahme. Hinter Gitter wanderte der ehemalige Lebensgefährte des 67-Jährigen, ein zu dieser Zeit 29-jähriger Kenianer.

Die Obduktion, so hieß es damals, habe ergeben, dass stumpfe Schläge auf den Hals die Todesursache gewesen seien. Von außen waren keine Verletzungen zu sehen gewesen. Nur der Instinkt eines Kripobeamten hatte zu Ermittlungen wegen eines Verbrechens und der Einrichtung der besonders im Frankfurter Homosexuellenmilieu ermittelnden „Soko Eschmann“ geführt.

Nun, Ende 2009, stand der Kenianer erstmals vor Gericht - allerdings nicht wegen eines Tötungsdelikts vor einer Schwurkammer, sondern lediglich wegen Diebstahls vorm Offenbacher Schöffengericht von Richter Manfred Beck: weil er seinerzeit Wertvolles aus der Wohnung seines toten Ex-Partners mitgehen ließ.

Wie Richter Beck mitteilt, habe die Obduktion der Leiche im Jahr 2007 nicht den von der Staatsanwaltschaft angenommenen eindeutigen Nachweis erbracht, dass der Offenbacher umgebracht worden sei. So wurde der aufgrund von DNA-Spuren ermittelte Verdächtige aus der Haft entlassen.

Notruf hatte gefehlt

Das Schöffengericht hat ihn nun wegen Diebstahls zu zwei Jahren und drei Monaten Haft ohne Bewährung verurteilt.

Richter Manfred Beck hielt dem Angeklagten verwerfliches Verhalten vor: Angesichts seines leblos in der Wanne liegenden Ex hätte er einen Notruf tätigen müssen, anstatt die Uhren an sich zu nehmen und lautlos zu verschwinden.

In der Hauptverhandlung stellte sich heraus, dass Werner Eschmann den Kenianer bei einem Afrika-Urlaub kennen und lieben gelernt hatte. Der Einheimische war 18, der Tourist 52. Der Offenbacher bat den Kenianer nach Deutschland und fädelte ein, dass er eine EU-Bürgerin heiraten und in Deutschland bleiben konnte. Über Jahre hinweg lebten beide in der Julius-Leber-Straße, bis sich ihre Wege trennten. Der Offenbacher fand bald einen neuen jungen Lebensgefährten aus Afrika.

Dieser war es, der Alarm schlug, als er an einem Frühjahrstag 2007 nach einer Kurzreise in die gemeinsame Wohnung zurückkam und die in der Badewanne liegende Leiche des 65-Jährigen Offenbacher entdeckte.

Später erhärtete sich der Verdacht eines Raubmords, weil in der Wohnung Wertvolles fehlte.

Die Polizei ermittelte, dass ein Teil der Uhren vom Angeklagten in einem Frankfurter Pfandhaus versetzt worden war. Eine Durchsuchung bei ihm und Freunden förderte weiteres Diebesgut hervor.

Vor Richter Manfred Beck und seinen Schöffen gestand der Kenianer den Diebstahl. Ansonsten hielt er sich bedeckt. Näheres zu seinem Aufenthalt beim ehemaligen Lebensgefährten wollte er nicht angeben.

Rubriklistenbild: © dpa

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