Crema, mild und geklaut

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Ein 27 Jahre alter Offenbacher wandert wegen des groß angelegten Internet-Betrugs mit Kaffepads hinter Gitter.

Offenbach - Was macht ein Offenbacher Privatmann mit 2535 Paketen Kaffeepads? Ist er Koffein-Junkie? Oder Nahrungsmittel-Messie?. Von Silke Gelhausen-Schüßler

Beides weit gefehlt. Jurica-Daniel E. ist gewerbsmäßiger Betrüger und verramschte die gestohlenen frisbeeförmigen Pulvertüten im Jahr 2010 in großem Stil beim Internet-Auktionshaus ebay. Jetzt wurde der 27-Jährige für diese „Geschäftsidee“ vom Landgericht Darmstadt zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt.

E. setzt damit eine ohnehin bestehende Freiheitsstrafe fort, die zum Zeitpunkt der Kaffeepads-Taten zwar schon ausgesprochen war, die er aber noch nicht angetreten hatte. Das seinerzeitige Urteil erging ebenfalls wegen des Tatbestands der Untreue, die Schadenshöhe belief sich auf 1,8 Millionen Euro.

Kaffeepads im Gesamtwert von 800.000 Euro

Ganz so hoch ist die Beute des Betrügers diesmal nicht. Mit seinem bereits zu gleicher Strafe verurteilten Komplizen und Initiator Jens K. ergaunert er Kaffeepads im Gesamtwert von 800.000 Euro. Der Anteil, den E. zu verantworten hat, beläuft sich auf rund 250.000 Euro. Bei einem Fünftel der Ware gelingt ihm die Umsetzung in Geld. Der Rest von 2000 Paketen wartet indes noch in gemieteten Garagen auf seinen Weiterversand, als endlich jemand bei Kraft Foods auf die zahllosen Lieferungen aufmerksam wird, zu denen es keinen Geldeingang gibt.

Bis dahin kommt E. nämlich in ganz geschickter Weise ohne Bezahlung an seine Beute: Er tätigt sämtliche Bestellungen im Lastschriftverfahren und manipuliert die Zahlungsmodalitäten derart, dass die Kaffeepakete zwar geliefert werden, aber sein Konto nicht belastet wird. Dabei nutzt er lediglich eine Buchhaltungslücke des Bremer Vertreibers aus: Für Bestellungen bis 99,99 Euro in Lastschrift gibt es schlichtweg kein Kontrollsystem. Deshalb kann er über Monate hinweg kleine Mengen „kostenlos“ bestellen.

Großer Teil der Pads sichergestellt

Nach Auffliegen der „Kaffeewelt24“, so der Name seines ebay-Accounts, wird ein großer Teil der Pads sichergestellt und in einer zeitintensiven, manuellen Rückführung sortenrein neu kommissioniert. „Jacobs Kaffee Crema sanft und mild“ und 34 weitere Sorten können so durch Sonderverkauf noch abgesetzt werden. Dadurch wird der entstandene Schaden gemindert und nur ein Teil der Bestellungen angeklagt.

Nötig hätte E. die ganzen Betrügereien nicht gehabt. Als gelernter Groß- und Außenhandelskaufmann hatte der gebürtige Niederräder bis zu seiner ersten Festnahme 2007 eine gut bezahlte Stelle, erlag in seiner damaligen Position als Buchhalter allerdings der Versuchung, Firmengelder zu veruntreuen. Damit finanzierte er sich und seiner Freundin ein Luxusleben. Das fiel auf: Freunde aus seiner Clique wollten teilhaben und animierten E. zusätzlich. Zum leichteren Geld-Transfer gründeten sie ein Scheingewerbe und stellten Empfangskonten zur Verfügung.

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