Haftstrafe für Todesfahrer

Offenbach/Darmstadt - Er zählt zu den furchtbarsten Verkehrunfällen der vergangen Jahre: In den frühen Morgenstunden des 12. Juni 2011 rast auf der A 67 kurz vor dem Darmstädter Kreuz ein Autofahrer mit fast 200 Stundenkilometer auf einen anderen Wagen. Von Silke Gelhausen-Schüßler

Ein Mensch stirbt, zehn weitere werden verletzt. Gestern verurteilt der Darmstädter Amtsrichter Stefan Rathgeber nach sechsstündiger Verhandlung den 30 Jahre alten Todesfahrer Omar K. , der zur Tatzeit in Offenbach wohnte, wegen fahrlässiger Tötung, fahrlässiger Körperverletzung, Fahren ohne Fahrerlaubnis sowie wegen des Verstoßes gegen die Straßenverkehrsordnung und die Führungsaufsicht zu drei Jahren und vier Monaten Gefängnis.

„Ich bin in Palästina schon auf dem Beifahrersitz geboren worden. Ich liebe Autofahren!“, hatte K. zuvor gesagt. Er besaß zwar noch nie einen gültigen Führerschein, hatte aber keine Skrupel, sich regelmäßig hinters Steuer zu setzen.

Todesfahrer hatte keinen Führerschein

Es ist vier Uhr nachts, als sich K., seine 21-jährige Freundin J. und zwei weitere junge Frauen nach einer durchgefeierten Nacht mit mehreren Diskobesuchen in Mannheim auf dem Weg nach Hause machen. Eigentlich wollten sie bei K.’s Cousin übernachten, entschließen sich dann aber anders. Der 30-Jährige, der seit sechs Uhr morgens auf den Beinen ist, fühlt sich zudem noch fit und ausgeruht genug, die teilweise alkoholisierten Frauen nach Hause zu chauffieren.

Zwischen 170 und 190 zeigt der Tacho an, als K. nach einem Überholvorgang zurück auf die rechte Spur einschert. Der dort fahrende Ford Galaxy von Familie B. ist wesentlich langsamer. K. fährt frontal auf, der Ford kommt von der Fahrbahn ab, überschlägt sich und bleibt eingeklemmt zwischen zwei Bäumen liegen. Alle Insassen des von K. gesteuerten 1er-BMWs, der zurück auf die linke Fahrbahn geschleudert wird, kommen mit leichten Verletzungen davon. Die siebenköpfige Heilbronner Familie erleidet dagegen teilweise schwere Verletzungen, Vater V. B., der nicht angeschnallt aus dem Auto geschleudert wird, stirbt noch an der Unfallstelle.

Plötzlicher Sekundenschlaf als Unfallursache

K. erklärt den Unfall mit einem plötzlichen Sekundenschlaf. Er sei erst durch den Aufprall wieder wach geworden, alkoholisiert sei er nicht gewesen. Die Zeugenaussagen der drei Mitfahrerinnen lauten unisono: „Ich habe nichts mitbekommen, weil ich eingeschlafen bin.“

Familie B. war mit zwei weiteren befreundeten türkischen Familien – sie fuhren im Konvoi hintereinander, der Ford war das letzte Auto in der Reihe – auf dem Weg zum Frankfurter Flughafen. Um sieben Uhr sollte die Maschine in die Heimat starten.

„Unser Leben ist nicht mehr so wie früher“, sagt die 38-jährige Ehefrau des Opfers gestern.

Der einzige nicht beteiligte Zeuge des Unfalls, der Fahrer des von K. überholten Fahrzeugs, spricht von einem „Feuerball“, den er gesehen habe. Der Österreicher rief sofort den Rettungsdienst und leistete Erste Hilfe.

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