Drei der vier Angeklagten wandern für mehrere Jahre ins Gefängnis

Angriff auf Türsteher und Gast: Haftstrafen für Disco-Schläger

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Symbolbild

Offenbach - Drei der vier Disco-Schläger, die im September 2014 die Türsteher und einen Gast im Club Scala in der Bahnhofstraße verprügelt haben, müssen ins Gefängnis. Von Silke Gelhausen-Schüßler 

Laut Urteil der Ersten Strafkammer des Landgerichts Darmstadt erhält Mohammad N. (27) mit vier Jahren Haft seine 18. Eintragung ins Bundeszentralregister. Adnan K. (26) muss für drei Jahre einfahren, Negjmedin S. (33) für zweieinhalb. Auch sie sind einschlägig, aber beide nur in einstelliger Zahl, vorbestraft. Einzig der Jüngste des Quartetts, Tamim A. (25), erhält eine 14-monatige Bewährungsstrafe. Damit folgt die Vorsitzende Richterin Ingrid Schroff weitgehend den Anträgen von Staatsanwalt Thomas Glab. Er hatte geringfügig höhere Strafen gefordert. Die Anklage wegen versuchten Totschlags konnte indes nicht gehalten werden. Was bleibt, ist die durch Videoaufzeichnungen untermauerte gefährliche Körperverletzung.

Die Anträge der Verteidiger lagen naturgemäß weit darunter. Während Anwalt Thomas Scherzberg bei seinem Mandanten N. noch für „möglichst wenig“ Arrestjahre plädierte, sollten S. und K. mit Bewährungsstrafen, A. gar mit einer Geldstrafe davonkommen. Trotz zweifacher Strafminderung wegen Alkoholeinflusses und der bereits gezahlten hohen Schmerzensgeldsumme von insgesamt 34.000 Euro konnte und wollte sich die Vorsitzende auf solcherlei Milde nicht einlassen. „Wir reden nicht von einer Rauferei unter besoffenen Jungs, sondern einem gezielten, brutalen Angriff, der geplant gegen die Türsteher des Scala gerichtet war“, so Ingrid Schroff in ihrer Urteilsbegründung.

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Als Motiv käme ein vorher ausgesprochenes Hausverbot gegen N. und K. in Betracht, geklärt werden konnte dies in den zwei Verhandlungstagen der Beweisaufnahme jedoch nicht. Die bloßen Spekulationen sind auch eine Folge von eingeschränktem Aufklärungswillen der Opfer und Augenzeugen – bereits kurz nach der Tat hatte das Polizeipräsidium beklagt, das Aussagen und Anzeigen zurück genommen wurden. Mancher schweigt wohl lieber, statt sich dem potenziellen Zorn der gewaltbereiten Täter auszusetzen – auch wenn diese in Untersuchungshaft schmoren. Wie berichtet, hatten die vier Angeklagten zwei Türsteher des Scala und einen ähnlich gekleideten Gast schwer verletzt, nachdem ihnen nach durchzechter Nacht gegen 5 Uhr morgens der Zutritt zu der Disco verwehrt worden war. Obwohl bei L. und K. nach ihrer Festnahme später in Frankfurt weniger als ein Promille festgestellt werden, kann Rechtsmediziner Hans Leukel verminderte Schuldfähigkeit nach Paragraf 21 Strafgesetzbuch nicht ausschließen.

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