Nicht bezahlte Wasserrechnung

Den Hahn wieder aufgedreht

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Weil ein Vermieter Wasserrechnungen der EVO dauerhaft ignorierte, saßen 18 Mieter knapp eine Woche auf dem Trockenen. Nun springt die Mainarbeit vorerst als Zahler ein. Die Mieter in dieser Immobilie mussten mehrere Tage ohne fließendes Wasser auskommen.

Offenbach - Das Haus hat seine besten Jahre hinter sich. Teilweise blättert die Fassade ab, der von der Straße zu erhaschende Blick in den verwinkelten Hinterhof bietet kein besseres Bild. Von Matthias Dahmer 

Es ist ruhig an diesem Donnerstagnachmittag an der Frühlingsaustraße im Offenbacher Süden, wo diese Immobilie steht. Aber eigentlich ist die Adresse nicht richtig wichtig für die Geschichte, die es zu erzählen gilt. Die hätte nämlich überall in der Stadt spielen können. Die Mieter in dem Haus, insgesamt sind es 18 Personen, darunter mehrere Kleinkinder, sind erleichtert. Vor sechs Tagen hat ihnen die Energieversorgung Offenbach (EVO) das Wasser abgestellt, jetzt fließt es wieder aus den Leitungen. Mit Eimern und Flaschen haben sich die sechs Familien in dieser Zeit Wasser aus der Nachbarschaft geholt, erzählt ein Anwohner, der als Dolmetscher für die Betroffenen agiert, mitunter ihre Angelegenheiten regelt, etwa Behördengänge erledigt.

Angenehm war es für die Mieter nicht, in diesen schwülen Tagen auf dem Trocken zu sitzen, sich nicht richtig waschen zu können. Vor allem war es nicht ihre Schuld. Ordnungsgemäß haben sie, die teilweise Hartz IV beziehen, das Geld, das ihnen die Mainarbeit für die Umlagen überwiesen hat, an den Vermieter weitergeleitet. Doch der hat seine Wasserrechnungen an die EVO nicht bezahlt. Einen „fünfstelligen Betrag“ hat er offen, sagt Unternehmenssprecher Harald Hofmann.

Einigung zwischen Mainarbeit und EVO

Derzeit ist der säumige Zahler nicht greifbar, er weilt in seiner Heimat Rumänien. Zwei Mahnungen erhielt er vom lokalen Energieversorger, er hatte mehr als drei Monate Zeit zu reagieren. Irgendwann musste die EVO dann die Reißleine ziehen: Mit Schreiben vom 8. Juli – das auch an die Mieter im Haus geht – kündigt die EVO an, am 24. Juli das Wasser abzudrehen. Drei Tage vorm angedrohten Termin meldet sich der Hauseigentümer beim Versorger. Er sei im Ausland und habe im Übrigen kein Geld. Weil die Mieter mit den formellen Abläufen nicht vertraut sind, bleiben sie passiv. Erst als kein Nass mehr aus dem Wasserhahn kommt, reagieren sie. Die Hausgemeinschaft sammelt 400 Euro und will sie an die EVO übergeben – ein ebenso verzweifeltes wie sinnloses Unterfangen.

Einen Ausweg kann die Hartz-IV-Behörde Mainarbeit bieten: Nach zwei Tagen des Telefonierens und Abklärens, vereinbart sie mit der EVO, dass ihre Leistungen an die insgesamt vier Familien in der betroffenen Immobilie künftig direkt als Abschlagszahlung an den Energieversorger gehen. Auch die Mieter willigen ein. „Wir können sie nicht länger leiden lassen“, sagt EVO-Sprecher Hofmann. Die Schulden des Hauseigentümer sind damit nicht beglichen. Gegen ihn wird die EVO einen Titel erwirken müssen.

„Das ist für uns sowohl in der Höhe des Betrags als auch im Ablauf ein ungewöhnlicher Fall“, berichtet Susanne Pfau, Bereichsleiterin bei der Mainarbeit. Normalerweise würden ihre Kunden, also die Mieter, die Zahlungen nicht weiterleiten. Harald Hofmann weiß dagegen für die EVO zu berichten, so etwas komme „zwar nicht jede Woche“, aber immer mal wieder vor. Und er lobt im konkreten Fall die gute Zusammenarbeit mit der Mainarbeit.

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