Hefemännchen statt Sensenmann

Halloween-Trend an Schulen nicht gern gesehen

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Offenbach - Bereits am vergangenen Wochenende ging es in Offenbach vielerorts gruselig zu. Vampire, Hexen, Draculas, Geister und Monster aller Art haben dieser Tage Hochkonjunktur. Von Jenny Bieniek und Daniel Schmitt

Das ursprünglich einer keltischen Tradition aus Irland entstammende Halloween-Fest wird seit Jahren auch in Deutschland immer beliebter.

Vor allem der Nachwuchs findet zunehmend Gefallen an dem alten Brauch, der in der Nacht vor Allerheiligen böse Geister abschrecken soll und vor allem in den USA hingebungsvoll zelebriert wird. Am Abend des 31. Oktober ziehen Kinder auch in Offenbach verkleidet von Haus zu Haus und sammeln Süßigkeiten, um die Bewohner vor ihren Streichen zu bewahren.

Halloween an Grundschulen kein Thema

Im Unterricht der Offenbacher Grundschulen ist Halloween trotzdem kein Thema. „In den Regelklassen wird Halloween bei uns nicht beachtet, weil es keine deutsche oder muslimische Tradition ist“, begründet Doris Renkel, Schulleiterin der Eichendorffschule. Nur im Ganztagesbereich werde eine kleine Feier ausgerichtet. Die Kinder könnten sich tagsüber verkleiden, mehr aber auch nicht. „Es hat sich an unserer Schule nicht durchgesetzt“, erklärt Renkel.

Ähnlich ist die Situation an der größten Offenbacher Grundschule, der Goetheschule. Ein Fest wird nicht gefeiert, Verkleidungen sind nicht erwünscht. Einzig im Englischunterricht werde kurz auf die Herkunft des Festes eingegangen, schildert Schulleiterin Gabriele Schanz. „Aber eher um die Kinder zu bilden, weniger um das Fest zu feiern.“

So verkleideten sich die Stars zu Halloween

So verkleideten sich die Stars zu Halloween

In den hiesigen Kindergärten bleibt man dagegen lieber beim Altbewährten. Am 11. November ziehen die Knirpse mit bunten Laternen durch die Straßen und hören bei Hefemännchen die Geschichte von Sankt Martin, der seinen Mantel mit einem Bettler teilte.

Im katholischen Kindergarten von St. Pankratius werden zwar auch ein paar „grinsende“ Kürbisse geschnitzt, darüber hinaus sollen die Kleinen aber nicht mit Halloween in Kontakt kommen. „Die würden wahrscheinlich Angst bekommen“, begründet Erzieherin Anita Weidner, dass man dort den rübergeschwappten Brauch nicht weiter beachtet.

Den größeren Halloween-Fans kann es dagegen gar nicht schaurig genug sein. Die Galeria Kaufhof in Offenbach hat sich dem Trend angepasst und ihre Grusel-Abteilung in den vergangenen Jahren stetig erweitert. „Früher hatten wir nur eine ganz kleine Ecke mit Accessoires. Inzwischen ist die Nachfrage aber viel größer, entsprechend vielfältiger ist auch das Kostümangebot der Industrie“, sagt Filialgeschäftsführerin Christiana Baudach.

Monster auf Burg Frankenstein

Die Burg Frankenstein wird jedes Jahr zu Halloween zum Treffpunkt des Grauens. Zahlreiche als Monster verkleidete Menschen treiben dann in der Burg ihr Unwesen.

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Vor allem Teenager und Erwachsene bis Mitte 30 würden in Halloween einen willkommenen Anlass zum Feiern sehen. „Da gibt es in den Clubs ja inzwischen überall Mottopartys“, weiß Abteilungsleiter Gunther Boy. „Das läuft fast schon parallel zu Karneval. Der Trend geht jedenfalls dahin“, so seine Beobachtung.

Viele Firmen sind auf den Zug aufgesprungen: Playmobil hat Halloweenfiguren im Angebot, Hersteller von Einweggeschirr bieten Servietten, Plastikbecher und Pappteller im Grusel-Design an. Zwischen Kunstblut, Masken, Äxten und Vampirzähnen sticht das Mädchenkostüm ins Auge, das nach einer Mischung aus Hexe und Prinzessin aussieht: Ein Fransenkleid mit rosafarbenem Skelettaufdruck auf Brust und Handschuhen. Gruselig soll’s schon sein, aber offenbar auch ein bisschen schön.

Halloween auf der Burg Frankenstein

Halloween auf Burg Frankenstein

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