Hammer-Attacke auf Amtsgericht

Öffentlichkeit um jeden Preis

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Offenbach - Die Justiz muss sich erneut mit der Hammer-Attacke auf das Offenbacher Amtsgericht vom Oktober 2011 befassen. Von Matthias Dahmer 

Die Tat des Dietzenbachers Arne F., der mit einem Vorschlaghammer Teile der Fassade an der Kaiserstraße demolierte, wird seit gestern als Berufungssache vor der 8. Strafkammer des Landgerichts Darmstadt verhandelt. Im August 2013 war der inzwischen 63 Jahre alte F. in erster Instanz vom Amtsgericht Offenbach wegen gemeinschädlicher Sachbeschädigung zu einem Jahr Gefängnis verurteilt worden. Sowohl F. als auch die Staatsanwaltschaft hatten gegen das Urteil Berufung eingelegt.

Ein Gutachter hatte dem Angeklagten in diesem ersten Prozess unter anderem eine „paranoide Persönlichkeitsstörung“ sowie einen nur schlecht therapierbaren ‘Querulanten-Wahn’ mit extremem Misstrauen gegen Polizei und Behörden“ bescheinigt. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt gestern ein weiterer Sachverständige, der Frankfurter Gerichtsmediziner Hans Werner Leukel.

„Jahrzehntelange Verfolgung durch Polizei und Justiz“

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Es war eine Tat, mit der er ein Zeichen gegen seine „jahrzehntelange Verfolgung durch Polizei und Justiz“ habe setzen wollen, sagt F. vor der Strafkammer: Am Morgen des 2. Oktober 2011, es ist ein Sonntag, schlägt der Angeklagte gegen 8 Uhr mit einem drei Kilogramm schweren Vorschlaghammer auf die Fassade des Amtsgerichts ein. Dabei gehen 130 Fliesen zu Bruch, 40 Scheiben, zwei Türen und ein Hinweisschild werden in Mitleidenschaft gezogen. Schaden: mehr als 74.000 Euro. Als die Polizei am Tatort eintrifft, legt F. den Hammer auf den Boden und lässt sich widerstandslos festnehmen. Auf den Zuschauerrängen finden sich gestern Vertreter von Justizopfer-Organisationen, in deren Netzwerken sich Arne F. mittlerweile tummelt. Mit teils missionarischem Eifer weisen sie andere Prozessbeobachter auf die Möglichkeiten hin, sich etwa im Internet über angebliche Missstände im Justizapparat zu informieren.

Auch F. wird nicht müde, auf eine von ihm betriebene Internetseite aufmerksam zu machen. Dort finde man außer seinem Lebenslauf zahlreiche Beispiele für strafbares Verhalten der Polizei, lässt er den nur anfangs geduldig fragenden und zuhörenden Richter Lothar Happel wissen. Auch macht der öffentliche Aufmerksamkeit suchende F. unmissverständlich klar: Egal, zu welcher Strafe er verurteilt werde, er mache weiter; notfalls ziehe er bis vor den Europäischen Gerichtshof. Zugleich beteuert der gebürtige Nürnberger, der früher Unternehmer war und mittlerweile von Hartz IV lebt, dass eine solche Tat wie die Hammerattacke sich nicht wiederholen werde. Im Widerspruch dazu fühlt er sich noch ständig von Polizei und Justiz bedroht, die mehrfach Straftatbestände gegen ihn „konstruiert“ hätten. Komme er ins Gefängnis, so F. weiter, rechne er damit, umgebracht zu werden.

Das Misstrauen des Angeklagten bekommt auch Klaus-Peter Daube zu spüren. Der inzwischen pensionierte Ex-Chef der Polizeistation Dietzenbach beschreibt im Zeugenstand Arne F. als einen im Grunde verängstigten Menschen. Auf Nachfrage will Daube nicht ausschließen, dass F. – wenn er mal wieder einen Adrenalinschub bekomme – eine ähnliche Tat begehe. Der Prozess wird am 12. Februar fortgesetzt.

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