Der Hammer bleibt hängen

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Die OVB engagieren sich für mehr Sicherheit auf dem Schulweg und für die Stärkung des Themas Verkehrserziehung im Unterricht. „Schüler sind unsere künftige Kundschaft und müssen auch mal angehört werden“, sagt Hugo Reinhardt.

Offenbach - Offenbach Beim Crash-Test mit Anja wird meist eine Zugabe gefordert: So eindrucksvoll finden es die Schüler, wenn die Puppe bei der Brems-Demonstration durch die Luft fliegt. Was unterhaltsam daherkommt, hat einen ernsthaften Hintergrund: Die Aktion soll zeigen, was passiert, wenn man sich im Bus nicht richtig festhält. Von Simone Weil

Hugo Reinhardt ist vom Sinn der Präventionsarbeit überzeugt, die die Offenbacher Verkehrsbetriebe (OVB) unter dem Titel Busschule ab der 5. Klasse anbieten. Dabei geht es um faires Miteinander und sicheres Verhalten an der Haltestelle, beim Ein- und Aussteigen, während der Fahrt und mehr. Dass die Schuhe nichts auf den Polstersitzen zu suchen haben, wird dabei ebenso angesprochen wie das „englische Einsteigen“ in einer Reihe. „Wenn wir das üben, sind die Schüler davon begeistert, dass diese Methode ruhiger und stressfreier ist“, sagt der OVB-Mitarbeiter.

Erlerntes scheint auch hängen zu bleiben - im wahrsten Sinne des Wortes: Seit Reinhardt Sinn und Zweck des Nothammers erläutert, verschwindet dieser wesentlich seltener in fremden Werkzeugkisten. Dass der Vandalismus um insgesamt 25 Prozent zurückgegangen ist, klingt allemal nach erfolgreicher Arbeit.

Seit Januar 2000 haben an die 10 000 Schüler an dem Projekt teilgenommen. Um erste Kontakte zu schaffen, werden auch Betriebsführungen für Kindergärten und -tagesstätten angeboten. Seit 2003 werden außerdem Jugendliche ab der 8. Klasse als ehrenamtliche Busbegleiter geschult: Dahinter steckt die Idee, dass diese besser mit ihren Mitschülern umgehen und als Vermittler fungieren können als Erwachsene. Sie sollen dazu beitragen, dass es sicherer zugeht und die Atmosphäre besser wird, denn vor allem jüngeren Kindern machen die Fahrten im vollen Bus oft Angst.

Die Aufgabe der Begleiter ist es nicht, sich bei einer Schlägerei todesmutig zwischen die Streithähne zu werfen, sondern schon im Vorfeld Konflikte zu entschärfen. Sie lernen aber auch, sich nicht für alles verantwortlich zu fühlen und sich notfalls an den Fahrer zu wenden.

So sollen die Streitigkeiten zwischen Schülern reduziert werden. Außerdem will man damit auch den Lärmpegel eindämmen, denn häufig fühlen sich andere Fahrgäste von den Schülergruppen belästigt. Reinhardt: „Wir versuchen, dem Problem entgegenzuwirken. Wir haben rechtzeitig erkannt, dass Bedarf da ist und reagieren schnell, wenn sich Eltern an uns wenden, wenn etwas passiert ist.“

Der 54-Jährige arbeitet seit 25 Jahren bei den Verkehrsbetrieben und kennt verschiedene Seiten: 17 Jahre hat er selbst Linienbusse durch den Stadtverkehr gelenkt, dann folgten drei Jahre in der Mobilitätszentrale, wo er Fragen nach Verbindungen und Tarifen beantwortete: „Ich bin also nicht nur Theoretiker.“

Außer der Busschule, die sich seit einiger Zeit auch den Senioren widmet, gehört der sogenannte Prüfdienst (im Volksmund: Kontrolleure) zu den Aufgaben des OVB-Mitarbeiters. Er kommt dabei nicht nur den allerneuesten und oft raffiniert ausgeklügelten Tricks der Betrüger auf die Schliche, er koordiniert auch Einsätze und Sonderkontrollen. Werden Kinder beim Schwarzfahren erwischt, setzt er sich mit den Eltern in Verbindung. Wenn es zu wiederholten Auffälligkeiten im Bus kommt, gibt es ein Gespräch an der Schule. „In 98 Prozent der Fälle hilft das, Kinder und Jugendlichen muss man nicht gleich anzeigen“, ist seine Erfahrung.

Vor allem die enge Zusammenarbeit mit Schulen, Polizei und Jugendamt an einem runden Tisch kommt ihm zugute. „Im Vergleich mit anderen Städten sind wir für solche Probleme gut gerüstet“, ist sich Reinhardt sicher.

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