Langfinger haben oft leichtes Spiel

Wehrlose Opfer: Diebe erbeuten in Kliniken Millionen

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Offenbach/Hanau – Ob Geldbörsen, Schmuck oder Handys – in Hessens Krankenhäusern wird gestohlen, was nicht niet- und nagelfest ist. Die Langfinger nutzen die Anonymität in den oft ausgedehnten Gebäudekomplexen – und die Wehrlosigkeit der Patienten. Von Peter Schulte-Holtey

Der jährliche Schaden ist riesig. Allein 2017 waren es knapp 1,8 Millionen Euro. Laut einer erschienen Statistik des Landeskriminalamtes in Wiesbaden wurden insgesamt 1 836 Fälle aktenkundig, die Aufklärungsquote lag bei lediglich 16 Prozent. In anderen Bundesländern ist die Beute-Summe noch größer.

Das Problem: Kliniken haben bloß begrenzt Möglichkeiten, dem Unwesen Einhalt zu gebieten. Sie müssen den Spagat üben zwischen Offenheit für Besucher und Sicherheit der Kranken. Der Patientenverband mahnt schärfere Eingangskontrollen an.

Sana-Klinikum in Offenbach setzt auf Prävention

Auch Krankenhäuser in der Region setzen inzwischen auf mehr Prävention. Am Sana-Klinikum in Offenbach wird abends der Zugang erschwert. Um 20 Uhr endet die allgemeine Besuchszeit. Zugang zu den Stationen ist bloß nach Absprache möglich. Ab 22 Uhr kann das zentrale Bettenhaus nur über den Haupteingang betreten werden. Ab 18 Uhr kommt ein spezieller Sicherheitsdienst zum Einsatz, patrouilliert auf dem Gelände. Das Sana-Klinikum empfiehlt seinen Patienten, nur geringe Mengen Bargeld mitzunehmen und darauf zu achten, dass Wertsachen nicht unbeobachtet auf dem Nachttisch oder in der Schublade liegengelassen werden.

Patienten steht ein abschließbares Fach in einem Schrank zur Verfügung, in dem Wertsachen sicher verwahrt werden können. Größere Wertsachen, Scheck- und Kreditkarten oder wertvoller Schmuck sollten bei einer Aufnahme nach Möglichkeit Angehörigen zur Verwahrung mitgegeben werden. Ist dies nicht möglich, können in Ausnahmefällen Wertsachen auch im Tresor des Patientenmanagements deponiert werden. Bei der Aufnahme für eine Operation hält jeder Patient im Beisein des Pflegepersonals schriftlich fest, welche Wertgestände er bei sich hat, deponiert diese in einer Box, die anschließend in seinem Beisein verplombt wird. Nach der Operation erhält er diese Box zurück und kann das Hinterlegte im Schließfach des Wertsachen-Schrankes sicher aufbewahren.

Diese zehn Verstecke für Bargeld findet jeder Einbrecher

Klinikum Hanau hat einen Safe

Am Klinikum in Hanau werden Patienten ebenfalls darüber informiert, dass sie zum Beispiel größere Geldbeträge bei einem Aufenthalt zuhause lassen sollen; ein entsprechender Hinweis ist auch auf den Schränken in Patientenzimmern angebracht. Falls doch jemand Wertgegenstände oder größere Summen Bares dabei hat, kann er diese im Safe auf der Station deponieren.

Worauf können Patienten konkret achten?

Patienten in Krankenhäusern müssen sich vor Dieben in Acht nehmen. Um nicht bestohlen zu werden, sollten sie besonders aufmerksam sein und Vorkehrungen treffen. Die Polizei etwa rät:

  • keine hohen Geldbeträge oder Wertgegenstände in die Klinik mitnehmen
  • unverzichtbare Wertsachen gehören ins Schließfach
  • möglichst auch bei kürzeren Abwesenheiten Zimmer abschließen
  • Fremde im Zimmer ansprechen und dem Pflegepersonal melden
  • jeden Diebstahl dem Personal mitteilen und bei der Polizei anzeigen
  • gestohlene Kreditkarten sofort sperren lassen

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