Protest mit Menschenkette

Hand in Hand gegen Fluglärm

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Eine Menschenreihe spannte sich um das Gebäude der integrativen Kindertagesstätte am Otto-Steinwachs-Weg zwischen Bismarck- und Waldstraße.

Offenbach - „Ene, mene, miste, so ne laute Kiste – ene, mene, meck, der Lärm muss weg!“ So tönt es aus zahlreichen Kinderkehlen. Der abgewandelte Abzählreim ist am Freitagnachmittag Ausdruck des Protests gegen den Fluglärm über der Stadt. Von Harald H. Richter

Etwa 40 Mädchen und Jungen der Kindertagesstätte, zahlreiche Mütter und Väter halten sich an den Händen, um eine Menschenkette zu bilden. Eine Kette wird es nicht ganz, eher eine Menschenreihe, denn die Zahl der Glieder reicht nicht für einen Schutzring um das Gebäude am Otto-Steinwachs-Weg zwischen Bismarck- und Waldstraße. Aber was zählt, ist die Symbolik. Auch der Nieselregen kann die Kleinen nicht schrecken. Da sind sie manchmal Ärgeres gewohnt, wenn sie draußen spielen und herumtollen. Gelbe Luftballons halten sie hoch. An der Gebäudewand hinter ihnen sowie am Grundstückszaun ihrer Tagesstätte haben sie selbst gemalte Transparente angebracht. Auf ihnen sind Schriftzüge wie „Hand in Hand gegen den Fluglärm“ und die Forderung nach „wirklichem Lärmschutz für die 20.000 Kinder in Offenbach“ zu lesen.

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Ina Mpantis und Daniela Drengemann vom Elternbeirat ist es wichtig zu unterstreichen, dass die Gesundheit ihrer Kinder ernst genommen wird. Sie fordern freie Entwicklungs- und Entfaltungschancen für ihre Sprösslinge. Im Vorfeld haben sie Handzettel verteilt, um viele zum Mitmachen zu ermuntern. Doch es geht ihnen nicht allein ums Aufbegehren gegen Fluglärm. Was ihnen richtig Kummer bereitet, ist die Tatsache, dass die Kita keinen Anbau erhalten kann, obwohl nachweislich Bedarf besteht und – so Leiterin Ulrike Bach – drei Kleinkindgruppen neu geschaffen werden könnten, wenn man den notwendigen Platz bekäme. Aber den gibt es nicht.

Die Kita Martin-Luther-Park ist eine von etwa 100 Einrichtungen zur Kinderbetreuung in der Stadt, die sich gemäß der neuen Landesgesetzgebung in einem Siedlungsbeschränkungsgebiet befinden. Das bedeutet: Dort darf nicht weiter gebaut werden. Wie allerdings die Stadt Offenbach den ab 2013 geltenden gesetzlichen Anspruch auf einen Betreuungsplatz für jedes Kind erfüllen soll, wenn die Verordnungen einen Ausbau der dringend notwendigen Infrastruktur aufgrund der Lage in der Fluglärmschutzzone verbieten: Das ist auch den Eltern der Martin-Luther-Park-Kita schleierhaft. Sie erheben aber unverdrossen ihre Stimmen für einen umfassenden Schallschutz, sagen nein zu noch mehr Flugbewegungen über Offenbach und unterstützen die Forderung nach Ordnungsmaßnahmen gegen jene Airlines, deren Maschinen die vorgeschriebenen Flughöhen unterschreiten. Aber besser als alle Worte drückt ein am Infostand vor der Kita aufgestelltes Flugzeugmodell aus, was ihnen auf den Nägeln brennt: „Der Deckel muss drauf!“

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