Lange Haft für Dealer

Harte Strafen für weiche Drogen

Offenbach - Weiche Drogen schützen nicht vor harter Strafe. Diese Erfahrung mussten die Offenbacher Mustafa S. (44) und Nihat E. (44) sowie der Bulgare Alen A. (48) vor dem Landgericht Darmstadt machen. Von Silke Gelhausen-Schüßler 

Denn neben der Art des Rauschgifts kommt es immer auf die zur Diskussion stehende Menge an. Und die war allein bei der Festnahme der drei Täter am 19. Juli 2014 in der Tiefgarage des Gebäudekomplexes Schlossstraße 20-22 nicht unerheblich: Acht Kilogramm Marihuana wurden gerade mit einem Opel Vivaro angeliefert, drei weitere Kilo schlummerten im Lagerraum eines kurdischen Vereins über der Tiefgarage, ein Kilo fanden die Ermittler in einem Mercedes CLK, zugelassen auf den Adoptivsohn von S. Im Fahrzeug und in den Offenbacher Wohnungen der Angeklagten stellten die Beamten 39 015 Euro Bargeld sicher.

Dem Zugriff der Kripo war eine vier Monate dauernde Observation vorausgegangen. Der leitende Ermittler vom Kommissariat 34 erinnerte sich: „Wir erhielten einen vertraulichen Hinweis, dass in der Schlossstraße 20-22 Drogengeschäfte laufen sollen. Daraufhin nahmen wir Kontakt mit der Hausverwaltung auf. Auch denen war etwas aufgefallen, der Name S. wurde erwähnt. Er hatte einen Abstellplatz und Lagerraum angemietet, obwohl er andernorts seinen Wohnsitz hat.“

Videoüberwachung hilft Kripo

Nach einer Ortsbesichtigung stellte man fest, dass fast das ganze Gebäude videoüberwacht ist: optimale Bedingungen für die Arbeit der Kripo also. In Verbindung mit einer Telefonüberwachung der Verdächtigen konnten drei Kurierfahrten am 9. Mai, 27. Juni und 9. Juli dokumentiert werden, bevor man die Planung für die vierte Fahrt zum Zugriff nutzte.

Wieviel Marihuana die Landesgrenzen der Niederlande und Belgiens passierte, ist nicht sicher. Die Staatsanwaltschaft sprach von 32 Kilogramm, Richter Jens Aßling legte für die Urteile 25 Kilogramm zugrunde. Den größten Aufklärungsanteil durch Geständigkeit leistete A., der bei seinen polizeilichen Vernehmung auch Vorarbeiten preisgab. Der ermittelnde Polizist: „A. berichtete, er habe seinen Lieferwagen in Brüssel einem gewissen Yusuf anvertraut, der mit Schweißarbeiten einen Hohlraum unter dem Bodenblech geschaffen habe.“

Beweisaufnahme dauert sieben Tage

Nach einer siebentägigen Beweisaufnahme stand für die 10. Strafkammer fest, dass S. derjenige war, der in allen vier angeklagten Fällen den größten Anteil an der gewerbsmäßigen und gemeinschaftlichen Einfuhr und dem Handel von Betäubungsmitteln hatte. Aßling verurteilte den Obst- und Gemüsehändler zu vier Jahren und drei Monaten Gefängnis – obwohl er nur geringfügig und nicht einschlägig vorbestraft ist. Die Staatsanwaltschaft hatte „für das 204-fache der nicht geringen Menge“ sogar fünf Jahre Haft gefordert.

Der zuletzt in Brüssel lebende A. wurde in drei Fällen für schuldig befunden und muss für dreieinhalb Jahre hinter Gitter. Beide befanden sich seit dem Tag der Festnahme in Untersuchungshaft. Diese Form der vorprozessualen Unterbringung blieb dem Gaststätteninhaber E. erspart, er kam vor der Kammer mit einem blauen Auge davon: E. wurde wegen Beihilfe in einem Fall zu einem Jahr auf Bewährung und einer Geldbuße von 4000 Euro verurteilt.

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