„Handel muss seine Stärken zeigen“

Offenbach - Der stationäre Einzelhandel lässt sich von der boomenden Online-Konkurrenz nicht unterkriegen. Dies ist das Ergebnis einiger aktueller Umfragen, das auch von Offenbacher Händlern bestätigt wird. Von Achim Lederle 

„Die Händler vor Ort müssen Fachkompetenz anbieten und Erlebniswelten schaffen.“ Frank Achenbach, Geschäftsführer Existenzgründung und Unternehmensförderung der Industrie- und Handelskammer (IHK) Offenbach und auch für Standortpolitik zuständig, ist sich sicher, dass sie so im Kampf gegen die Online-Geschäfte bestehen können. „Auf den Punkt gebracht: Der Handel muss seine Stärken zeigen.“ Achenbach bestätigte im Gespräch mit unserer Zeitung einen Trend, den in den vergangenen Tagen veröffentlichte Studien ausgemacht haben: Die Bürger vertrauen wieder mehr den Einzelhändler vor Ort und bevorzugen bei Käufen zunehmend den Gang in den realen Laden statt den Klick auf den virtuellen Warenkorb.

So fand nach Angaben der Nachrichtenagentur dpa die Unternehmensberatung Deloitte in einer Umfrage heraus, dass zwar zwei Drittel das Internet zur Geschenksuche und zum Preisvergleich nutzen. 46 Prozent kauften dann auch online, jedoch ziehe die Mehrheit den stationären Handel vor. Diesen Trend bestätigt laut dpa auch eine Umfrage der Hochschule für Ökonomie und Management: Statt im Internet zu bestellen, gingen viele Verbraucher lieber wieder in Einkaufszentren, Fachgeschäfte oder Warenhäuser.

„In Gesprächen mit den Offenbacher Einzelhändlern sehen wir eine neue Entwicklung“, erläutert Achenbach. Bisher sei vor allem um „Beratungsklau“ diskutiert worden, das heißt Verbraucher hätten sich offline informiert, um dann online einzukaufen. „Jetzt berichten viele Händler von Kunden, die konkrete Vorstellungen von ihrem Produkt haben und auch die Preise kennen, aber sich in den Läden weiter informieren wollten“, so Achenbach. „Im Geschäft wird dann der Kaufwunsch verifiziert nach dem Motto: Passt das wirklich? Und es wird dort auch mehr gekauft.“

Hintergrund sei, dass der Einkauf im Internet vielen inzwischen zu komplex sei: „Die Flut an Online-Plattformen verwirrt eher, als dass sie hilft“, so Achenbach. „Im Laden steht ein realer Mensch, der hilft.“ Einen weiteren Trend, den Achenbach ausgemacht hat und der auch überregional bestätigt wird, ist die zunehmende Vermischung von Online- und Offline-Einkauf. „In manchen Läden ist bereits der Online-Shop im Geschäft integriert“, berichtet Achenbach. Am Schaufenster könnten Interessierte dabei an Displays das Warenangebot begutachten. Der Kunde könne dabei auch erfahren, welcher Artikel in welchen Filialen vorrätig sei. „Die Verbraucher sind mit dem Smartphone unterwegs und wissen oft genau, was sie wollen. Die Transparenz steigt, und die Händler müssen sich darauf einstellen“, lautet das Fazit von Achenbach.

Auch andere Experten erkennen Strategien, online und offline zu verbinden: „Die Kunden kaufen immer flexibler ein; die Grenzen verschmelzen“, sagt Lars Hofacker vom EHI Retail Institute in Köln laut dpa. „Erfolg hat, wer beide Welten verbindet.“ Frank Middendorf, Manager des Offenbacher KOMM-Einkaufszentrums, ist optimistisch: „Nichts geht über den stationären Handel“, sagte er unserer Zeitung. Funktionierende Innenstädte mit einer großen Bandbreite an Ladenangeboten seien die Aushängeschilder Kommunen. Das KOMM wolle mit dem ab Januar geplanten Umbau seinen Kunden eine noch attraktivere Einkaufswelt und der Internet-Konkurrenz noch mehr Paroli bieten. Lifestyle werde beim Einkaufen immer wichtiger. Inzwischen gibt es auch den Trend, dass Online-Händler offline gehen. Amazon will Berichten zufolge einen realen Laden in New York eröffnen. Alle Experten sind sich einig, dass am Ende immer der Kunde entscheidet und dort einkaufen wird, wo er den besten Service bekommt.

Rubriklistenbild: © dpa

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